Norbert Röttgen bei Maybrit Illner
Wahlkämpfer in Erklärungsnot

Bei Maybrit Illner versuchte Norbert Röttgen die Gratwanderung zwischen seiner Spitzenkandidatur in NRW und dem Amt als Bundesumweltminister. Die Frage, warum der Strompreis immer weiter steigt, bot viel Zündstoff.
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BerlinStromkosten sind die neuen Spritpreise, zumindest was ihr Potenzial als Massenaufreger angeht. So, wie die Preise an der Tankstelle für Empörung sorgen, so schimpfen die Deutschen inzwischen auch über ihre Stromrechnungen. Tatsächlich machen die steigenden Energiekosten immer mehr Verbrauchern zu schaffen. Ein publikumswirksames Thema also, wie gemacht, um in Talkshows verhandelt zu werden. „Strom ohne Atom – billiges Versprechen, teure Quittung?“, lautete der Titel bei Maybrit Illner am Donnerstag. Zu Wort kamen ein besorgter Branchenvertreter, Öko-Kritiker wie Atom-Gegner und ein Norbert Röttgen, der mit sich selbst in einem Interessenkonflikt steht.

Denn das letzte, was Röttgen dieser Tage gebrauchen kann, ist, mit explodierenden Stromkosten in Verbindung gebracht zu werden. Der CDU-Politiker muss schließlich einen Wahlkampf führen, noch dazu in Nordrhein-Westfalen,  dem Land, wo ein Drittel des in Deutschland benötigten Stroms erzeugt wird. Andererseits hat er als Bundesumweltminister die Energiewende zu vertreten. Die Zuschauer konnten Röttgen bei einer anfänglich etwas beklommenen Gratwanderung beobachten, die im Laufe der Sendung zu immer nebulöseren Allgemeinplätzen führte.

Zunächst aber wollte Maybrit Illner von ihm wissen, was die bundesdeutschen Medien seit Tagen beschäftigt: Wieso er im Fall einer Wahlniederlage nicht als Oppositionsführer nach Düsseldorf wechseln will. Das habe er ja nie ausgeschlossen, stammelte der sonst so smarte Röttgen etwas verwirrt. „Das ist wie bei einem Sportler, der zu einem Wettkampf geht, der sagt ja auch nicht: Ich kann ja auch als zweiter durch die Ziellinie laufen“, formulierte er. Zunächst müsse es darum gehen, wer künftig in Nordrhein-Westfalen regiert. Der Punkt war somit abgehakt, und die Runde konnte auf die Kosten des Atomausstiegs zu sprechen kommen, und die Frage, wer sie tragen wird.

„Die Konzerne täuschen die Kunden“, kritisierte der Röttgen, der Umweltminister, „steigende Energiepreise haben nichts mit der Energiewende zu tun.“ Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit, wie Röttgen, der NRW-Ministerpräsidentenkandidat hätte einwenden müssen. Die aktuell geplanten Preissteigerungen von 3,5 Prozent  stehen Experten zufolge tatsächlich in keinem Zusammenhang mit dem Atomausstieg. Konkrete Auswirkungen könne man auch innerhalb des ersten Jahres noch gar nicht feststellen, merkte E.on-Vorstandsvorsitzender Johannes Teyssen an, „so viel ist gar nicht passiert, im ersten Jahr.“ 

Allerdings wurde Anfang der Woche zusätzlich eine Studie der Bundesnetzagentur bekannt, wonach die Preise in den kommenden Jahren um fünf bis sieben Prozent zunehmen werden. Der Grund ist laut dem Bericht aber durchaus die Energiewende, weil der Ausbau des Stromnetzes für die erneuerbaren Energien irgendwie finanziert werden muss.

Kommentare zu " Norbert Röttgen bei Maybrit Illner: Wahlkämpfer in Erklärungsnot"

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  • Was ist so toll am Energiesparen? Angenommen man spart 25% ein, dann darf die Bevölkerung nicht um 25% anwachsen, sonst ist die Einsparung wieder weg. Oder soll man die Bevölkerung auch einsparen? Man darf auch nicht den Lebensstil erhöhen (z.B. Klimaanlagen einbauen).
    Was erreichen wir damit? Daß das Erdgas noch ein paar Jahrzehnte länger reicht? Irgendwann wird es doch ohnehin verbraucht sein - was macht das für einen grossen Unterschied?

  • Für die Speicherung plant die Bundesregierung schon ein neues Gesetz, wieder mit Subventionen und Steuern - wie immer.
    Wir bekämpfen die Folgen der Planwirtschaft mit noch mehr Planwirtschaft. Wir bekämpfen die Folgen der Subventionen und Steuern mit noch mehr Subventionen und noch mehr Steuern. Das ist das einzige Spiel, daß die beherrschen.

  • Diese Runde gestern war schon irgendwie lachhaft.
    Illner, von nichts Ahnung ohne jede Vorbereitung.
    Röttgen zeigte wirklich sein absolutes Nichtwissen, das aber mit viel Arroganz.
    Und was die Ex von Schröder dort sollte, hat sich mir nicht erschlossen.
    Es wird Zeit, dass Ministerposten endlich mit Fachleuten besetzt werden, da wären wir schon mal ein Stück weiter
    Röttgn, ein Jurist, hat gestern ganz deutlich gezeigt, dass er von der Energie-Branche absolut keine, aber auch gar keine, Ahnung hat. Einfach entsetzlich. Er ist nur ein Dummschwätzer

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