Norbert Röttgen im Gespräch mit dem Handelsblatt
Wunsch nach Posten für Merz abgelehnt

Unions-Fraktionsgeschäftführer Norbert Röttgen hat der Forderung der Jungen Union ein klare Absage erteilt, CDU-Finanzexperte Friedrich Merz solle Fraktionschef werden. Das wird dem Unionsnachwuchs nicht gefallen, ist Merz doch ihr „Idol“.

BERLIN. "Frau Merkel hat Volker Kauder als Fraktionschef vorgeschlagen. Ich bin mir sehr sicher, dass ihr Vorschlag in der Fraktion eine breite Mehrheit finden wird", sagte Röttgen dem Handelsblatt. Merz war auf dem Deutschlandtag des Parteinachwuchses am Wochenende mit frenetischem Applaus gefeiert worden. In ihrem Leitantrag schlägt die JU Merz als Fraktionschef vor.

Die harsche Kritik am Bundestags-Wahlkampf der Union hatte dem CDU-Finanzexperten Friedrich Merz die Sympathien der Jungen Union eingebracht. Die rund 1 000 Delegierten der Jungen Union unterbrachen Merz' Rede immer wieder mit Beifallsstürmen und feierten ihn zum Abschluss mit La-Ola-Wellen und dem Lied: „Ja, wir haben ein Idol“.

„Wir mussten uns gegen die Angriffe der Regierung verteidigen. Wir waren in der Defensive“, kritisierte Merz den Wahlkampf. Solch ein Fehler dürfe der Oppositionspartei nicht passieren. Ein geeignetes Mittel wäre gewesen, aus der Defensive heraus eine Auseinandersetzung anzuzetteln. „Wir hätten in diesem Wahlkampf Streit anfangen müssen, und zwar nicht untereinander, sondern mit der rot-grünen Regierung“, sagte Merz, der seine Kritik ausdrücklich auch auf sich selbst bezog.

Die Union habe die Versäumnisse der Regierung nicht ausreichend thematisiert, dabei hätten die Themen wie der Verlust von zwei Millionen Arbeitsplätzen oder die höchste Staatsverschuldung in Deutschland in der Geschichte auf der Straße gelegen, sagte Merz. Mit dem schlechten Wahlergebnis müsse sich die Union „sorgfältigst“ beschäftigen. „Die Union, CDU und CSU gemeinsam, dürfen sich nicht daran gewöhnen, im 30-Prozent-Turm stecken zu bleiben“.

CDU-Politiker Röttgen forderte gegenüber dem Handelsblatt seine Partei auf, die Diskussion über die Wahlanalyse bis nach den Koaltionsverhandlungen zu verschieben: "Wir haben doch alle in den letzten Wochen die Erfahrung gemacht, dass Geschlossenheit die Voraussetzung von Erfolg ist", sagte Röttgen. Man befinde sich in Koalitionsverhandlungen mit der SPD. "Das hat Vorrang. Wenn wir unsere Vorstellungen durchsetzen wollen, müssen wir uns darauf konzentrieren", sagte Röttgen.

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