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Norbert Röttgen: Sieg für „Muttis Klügsten“

Der zuletzt intern kritisierte Umweltminister baut nun als neuer Chef der NRW-CDU seine Machtbasis aus. In der Mitgliederbefragung am Sonntag konnte Röttgen sich knapp gegen seinen Konkurrenten durchsetzen.

Norbert Röttgen: Der Bundesumweltminister konnte sich bei der Mitgliederbefragung knapp durchsetzen. Quelle: dpa
Norbert Röttgen: Der Bundesumweltminister konnte sich bei der Mitgliederbefragung knapp durchsetzen. Quelle: dpa

BERLIN. Den Durchmarsch an die Spitze des größten Landesverbandes der CDU hatte Norbert Röttgen bereits vorempfunden. Schon Tage vor der am späten Sonntagabend abgeschlossenen Mitgliederbefragung machte der Bundesumweltminister im kleinen Kreis deutlich, worum es wirklich geht: Schon im nächsten Frühjahr könne es in Nordrhein-Westfalen zu Neuwahlen kommen, wenn die rot-grüne Minderheitsregierung bei der parlamentarischen Durchsetzung eines Haushalts scheitern sollte, spekulierte er. Für diesen Fall, trommelte Röttgen, müsse die CDU gewappnet sein. Will sagen: Nur mit ihm an der Spitze könnten die Christdemokraten nach dem Ende der Ära Rüttgers quasi aus dem Stand heraus einen neuen und jungen Spitzenkandidaten aufbieten, der beim Wähler im bevölkerungsreichsten Bundesland wieder eine reale Chance hätte.

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Doch aller demonstrativen Zuversicht zum Trotz: Die Erleichterung über den knappen Sieg bei der Befragung der rund 160 000 CDU-Mitglieder in NRW war Röttgen nach Verkündung der Entscheidung deutlich anzusehen. Mit 54,8 Prozent konnte sich der Bundesumweltminister nur vergleichsweise knapp gegen seinen Konkurrenten Armin Laschet durchsetzen. Der frühere Integrationsminister hatte es immerhin auf eine Zustimmung von 45,2 Prozent der Mitglieder gebracht. Zwar wertete der smarte Rheinländer Röttgen das Ergebnis geschickt „als Beleg für die Lebendigkeit“ der nordrhein-westfälischen Union. In Wahrheit jedoch war Röttgen froh, dass die Entscheidung zu seinen Gunsten ausging, nachdem Umfragen zuletzt eher auf eine Niederlage des Bundespolitikers hatten schließen lassen.

Das größte Problem von Röttgen ist und bleibt die starke Beanspruchung durch sein Berliner Ministeramt. Der Posten im Kabinett von Angela Merkel erfordert nicht nur ständige Präsenz in der Hauptstadt, sondern auch auf internationalen Umwelt- und Klimakonferenzen, von den zahlreichen EU-Verpflichtungen in Brüssel einmal ganz zu schweigen. Wie der Vater von drei Kindern das alles künftig auch noch mit seiner Zusage unter einen Hut bringen will, als Landesvorsitzender vor Ort Präsenz zu zeigen, wird sein Geheimnis bleiben.

Dennoch geht Röttgen gestärkt aus dem internen Duell der NRW- CDU hervor. Weder ist ihm die Spitzenkandidatur im nächsten Landtagswahlkampf zu nehmen noch ein Anspruch auf einen der vier Posten als stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU. Den Machtzuwachs kann der 45-jährige Meckenheimer gut gebrauchen – war er doch wegen seiner atomkritischen Haltung beim Ringen um das Energiekonzept zuletzt stark unter Beschuss der Wirtschaftspolitiker in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion geraten.

Auch seine Sympathie für Schwarz-Grün hilft „Muttis Klügstem“, wie Röttgen in Berlin spöttisch genannt wird, derzeit kaum weiter. Dennoch: Der Sieg in NRW hat ihn vor einem schmerzlichen Karriereknick bewahrt.

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