Nordkorea-Gespräche
Spiel mit dem Feuer

Nordkorea verhandelt seit Montag mit der internationalen Gemeinschaft über sein Nuklearprogramm. Die Einigungschancen sind gering. Ein Scheitern könnte nicht nur einen Rüstungswettlauf in Asien anheizen, sondern auch den Atomwaffensperrvertrag diskreditieren.

DÜSSELDORF. Der Auftakt der Gespräche war denkbar schlecht. Ohne Beendigung aller Sanktionen gebe es keine Verhandlungen über das Atomprogramm, ließ Pjöngjangs Unterhändler Kim Kye Gwan kategorisch wissen. Um keine Zweifel aufkommen zu lassen, setzte er noch einen drauf: Nordkorea sei jetzt Atommacht, folglich handele es sich bei den Gesprächen um Abrüstungsverhandlungen.

Am Montag liefen in Peking die so genannten Sechs-Parteien-Gespräche über die Beendigung des nordkoreanischen Nuklearprogramms nach mehr als einjähriger Unterbrechung wieder an. Aber von einem Durchbruch sind sie weit entfernt.

Pjöngjangs Maximalforderungen kommen nicht von ungefähr. Die Nordkoreaner kehren politisch gestärkt an den Verhandlungstisch zurück. Am 9. Oktober hatte das Regime von Kim Jong-Il die letzten Zweifel über den Stand der Technik hinweggewischt. Der unterirdische Atomversuch löste weltweit Besorgnis aus, zerstörte zugleich aber letzte Illusionen. „Im bisherigen Spiel waren wir die Verlierer“, räumt Südkoreas Unterhändler Chun Young Woo ernüchtert ein. Die jahrelangen Bemühungen um eine Befriedung der koreanischen Halbinsel hatten bislang kein greifbares Ergebnis erzielt.

Jetzt hofft das international isolierte Regime in Pjöngjang, aus einer Position der Stärke weiteren Boden zu gewinnen. Nordkorea will mehr als die Aufhebung der Finanz- und Handelssanktionen, die die USA und die Uno verhängt haben. Als Vorleistung für eine atomare Abrüstung verlangt Nordkorea den Bau eines Leichtwasserreaktors sowie internationale Sicherheitsgarantien. Sonst würde das Land sein Abschreckungspotenzial noch weiter ausbauen.

Nordkoreas Gesprächspartner am Verhandlungstisch – USA, China, Russland, Südkorea und Japan – sind wenig geneigt, auf die Bedingungen Pjöngjangs einzugehen. Zumal das Misstrauen nach wie vor groß ist. Denn die Taktik Nordkoreas empfinden nicht nur Hardliner in Washington als schlichte Erpressung. Schließlich hat die Regierung in Pjöngjang schon mehrfach gegen Versprechen verstoßen: gegen die 1992 erzielte Einigung mit Südkorea über eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel, gegen das 1994 mit den USA vereinbarte Abkommen, das Nordkorea im Gegenzug für die Beendigung des Atomprogramms die Lieferung von Leichtwasserreaktoren in Aussicht stellte, und gegen die im September 2005 getroffene Vereinbarung, alle nuklearen Waffen für einen Ausbau der Energielieferungen, für Sicherheitsgarantien und Wirtschaftshilfen zu beseitigen.

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