Nordrhein-westfälische Metallindustrie
Einigung in letzter Minute

Mehrfach hatten die Verhandlungen zwischen IG Metall und Arbeitgebern in Nordrhein-Westfalen in dieser Nacht knapp vor dem Scheitern gestanden. Dann kam nach einem knapp 18-stündigen Verhandlungsmarathon doch noch die Einigung. Dabei gingen die Parteien neue Wege.

HB DÜSSELDORF. Der Abschluss sieht eine dreiprozentige Lohnerhöhung für eine Laufzeit von zehn Monaten ab 1. Juni. Erstmals stimmte die IG Metall zudem der von den Arbeitgebern geforderten Koppelung von Einmalzahlungen an die Lage der Betriebe zu. Die Zahlung kann damit nach oben oder unten abweichen. Sie beträgt für die Monate März, April und Mai insgesamt 310 Euro, präzisierten die Tarifparteien. Zunächst war von einer monatlichen Ausschüttung die Rede gewesen. Die Zahlung könne mit Zustimmung der Betriebsparteien bei einer schlechten Lage des Unternehmens auf Null gesenkt, bei einer guten Entwicklung aber auch verdoppelt werden. Zudem sollen vermögensbildende Maßnahmen als Rentenbaustein gesichert und die Arbeitnehmer besser qualifiziert werden. Das teilten die Tarifparteien in Düsseldorf mit.

Der IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters sagte, er hoffe, dass sich diese Regelung bewähren werde. Er sprach nach der durchverhandelten Nacht von einem „Kompromiss mit Augenmaß“, bei dem es weder Sieger noch Besiegte gebe. Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Martin Kannegiesser betonte, die Unternehmer seien mit dem Abschluss an den „oberen Rand des wirtschaftlich Möglichen unserer Betriebe gegangen“. Der Kompromiss zeige aber auch, dass die Tarifparteien Ergebnisse finden könnten, ohne Konflikte eskalieren zu lassen. Das Ergebnis von drei Prozent sei nur möglich gewesen, weil der Einstieg in die Flexibilisierung der Einmalzahlung gelungen sei. „Dies ist ein neues Element“, betonte er. Es sei „ein wichtiges Signal für die Zukunft“. Auch Peters sagte, er hoffe, dass sich das neue Element bewähren werde.

Man werde nun in allen Tarifbezirken die Verhandlungen zur Übernahme des Ergebnisses für alle insgesamt 3,4 Millionen Beschäftigten der Branche aufnehmen, sagte der IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters. Damit sei ein Streik ausgeschlossen. Der nordrhein-westfälische IG-Metall-Bezirksleiter Detlef Wetzel bezeichnete das Ergebnis der Verhandlungen als „sehr angemessen und sehr fair“. Arbeitgeber-Verhandlungsführer Michael Jäger nannte es „tragfähig und gut“. In der Nacht hatten die Gespräche Wetzel zufolge mehrfach vor dem Scheitern gestanden.

Man habe auch einen Tarifvertrag zur Qualifizierung vereinbart und die Vermögenswirksamen Leistungen in einen Rentenbaustein umgewidmet, sagte Wetzel. Am Samstag sollten dann die Verhandlungen zu verschiedenen Spezialthemen fortgesetzt werden, wie Gesamtmetall mitteilte. Auf der Agenda stehe auch die Neuregelung der Erholzeiten in Nord-Württemberg und Nordbaden.

Die Arbeitgeber hatten am Freitagnachmittag in der siebten Verhandlungsrunde ein neues Angebot vorgelegt, das zwei Lohnerhöhungen um 2,0 Prozent plus Einmalzahlungen vorsah. Dieses hatte die IG Metall aber als unzureichend zurückgewiesen. Zuvor hatte die Gewerkschaft selbst ihre Forderung von 5 auf 3,4 Prozent mehr Geld reduziert, jedoch außerdem eine Einmalzahlung von 0,4 Prozent verlangt.

Auch andere Metall-Bezirke verhandeln über Übernahme des Pilotabschlusses

Nach dem Pilotabschluss in der nordrhein-westfälischen Metall- und Elektroindustrie nehmen auch die anderen Bezirke ihre Verhandlungen wieder auf. Bereits am Samstagnachmittag treffen die Tarifparteien für das Gebiet Nord-Württemberg/Nordbaden zu Gesprächen über die besonders strittige so genannte Steinkühler-Pause, wie der baden-württembergische IG-Metall-Sprecher Kai Bliesner sagte.

Zum Teil am Samstag, am Sonntag und womöglich auch noch am Montag wollten die anderen Bezirke ihre Verhandlungen wieder aufnehmen, wie IG-Metall-Sprecher Georgis Arwanitidis erklärte. Zwischen den Bundesverbänden von Arbeitgebern und IG Metall sei klar, dass der Abschluss von Nordrhein-Westfalen „in allen Bezirken übernommen werden soll“. Ein Streik sei damit abgewendet.

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