Nordrhein-Westfalen
Eon nennt angebliche Vergnügungstrips „Informationsreisen“

In Nordrhein-Westfalen schlägt eine Korruptionsaffäre um den Essener Energieriesen Eon-Ruhrgas hohe Wellen: 100 Kommunalvertreter sollen sich von dem Konzern zu Vergnügungsreisen haben einladen lassen. Doch sowohl Eon als auch die Eingeladenen setzen sich nun zur Wehr.

HB ESSEN. Der Sprecher von Eon-Ruhrgas, Helmut Roloff, nannte die Reisen zu Gasplattformen „reine Informationsreisen mit straffem Programm“. Zu anderen Reisen, zum Beispiel nach Barcelona, Brügge oder St. Petersburg, deretwegen ebenfalls ermittelt wird, sowie zum Vorwurf, dass zum Teil auch Ehegatten mitfuhren, wollte Roloff sich wegen des laufenden Verfahrens nicht äußern.

Auch mehrere beschuldigte kommunale Unternehmen oder deren Aufsichtsräte wehrten sich gegen die Vorwürfe. „Bei der Reise nach Norwegen ging es zu 100 Prozent um Information, ein touristisches Programm gab es nicht, und es waren keine Ehegatten dabei“, sagte der Geschäftsführer der Stadtwerke Burscheid, Siegfried Thielsch. Er bestritt, dass die Burscheider Aufsichtsräte zu Gunsten von Eon als Gasversorger beeinflusst werden sollten: „Der Geschäftsführer entscheidet über Verträge und berichtet dem Aufsichtsrat lediglich. Deshalb kann bei uns eine Vorteilsannahme gar nicht vorliegen.“

Die Stadtwerke Essen stuften eine von Eon finanzierte Reise nach Barcelona als dienstlich ein, weil es auch ein Fachprogramm gegeben habe. Der Frechener Bürgermeister Hans-Willi Meier (CDU) verteidigte eine Reise nach Belgien, an der er 2003 mit dem Hinweis, dass Eon der Finanzier gewesen sei, „war uns nicht bekannt“.

Die Ermittlungen der Kölner Staatsanwaltschaft waren im Mai 2005 ins Rollen gekommen. Den Ermittlern war anonym ein Zeitungsbericht über die Fahrt von Aufsichtsratsmitgliedern zu einer Bohrplattform zugeschickt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte deshalb Durchsuchungen veranlasst, unter anderem der Eon-Zentrale. Das dabei gefundene Material hatte den Blick der Ermittler auf zahlreiche weitere Reisen gelenkt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen mehr als 100 Aufsichtsräte von 30 kommunalen Versorgungsunternehmen sowie gegen fünf Eon-Mitarbeiter. Der Vorwurf gegen die Kommunalpolitiker lautet Vorteilsannahme, der gegen die Eon-Mitarbeiter Vorteilsgewährung. Es wird geprüft, ob die Essener Eon systematisch zu Vergnügungsreisen einlud, um kommunale Entscheider für künftige Lieferverträge wohlwollend zu stimmen. Die Reisen kosteten jeweils bis zu 120 000 Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%