Nordrhein-Westfalen
Wahlforscher hält Sieg von Rot-Grün noch für möglich

Der Gründer der Forschungsgruppe Wahlen, Dieter Roth, hält es nicht für ausgeschlossen, dass SPD und Grüne in den letzten Tagen vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen das Blatt noch wenden können.

HB DÜSSELDORF. Roth verwies im "Tagesspiegel" auf die Landtagswahl in Hessen vor sechs Jahren. "Die Entscheidung fiel erst in der letzten Woche vor der Wahl", sagte der Volkswirtschafts-Professor Roth. Zuvor habe CDU-Herausforderer Roland Koch in den Umfragen hinter dem damaligen Ministerpräsidenten und heutigen Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) zurückgelegen. "Wenn auch etwas knapper als jetzt SPD-Ministerpräsident Peer Steinbrück hinter CDU-Kandidat Jürgen Rüttgers", erklärte der Volkswirtschaftsprofesor.

Roth räumte indes ein, dass es SPD und Grünen in Nordrhein-Westfalen an polarisierenden kampagnefähigen Themen fehle, wie es Kochs Unterschriftenaktion gegen die doppelte Staatsbürgerschaft gewesen sei oder die Flutkatastrophe 2002, die der rot-grünen Bundesregierung zum Sieg verholfen habe.

Als Indiz für einen möglichen Stimmungsumschwung wertet Roth, dass Umfragen zufolge mehr als jeder dritte Wähler in NRW noch nicht weiß, bei welcher Partei er am 22. Mai sein Kreuz machen soll. "Immer mehr Leute haben immer weniger Bindungen an die Parteien", erklärt der Forscher. Vor allem, weil sie weder der rot-grünen Regierung noch der schwarz-gelben Opposition eine Lösung der drängendsten Probleme wie Arbeitslosigkeit zutrauen.

In Zeiten solch politischer Perspektivlosigkeit reagierten viele Wähler konservativ, so Roth: "Sie wählen das, was sie kennen". Das könnte der SPD Mut machen, heißt es doch, dass traditionell der Sozialdemokratie zugetane Wähler SPD wählen. Doch die hat zugleich ein Mobilisierungsproblem. "Viele bleiben aus Enttäuschung lieber zuhause", sagt Roth, *"wegen der Agenda 2010 und Hartz IV."

Schon bei der NRW-Wahl 2000 gaben nur 7,3 von 13 Millionen Wählern eine gültige Stimme ab (56,7 Prozent). Diesmal dürften es eher noch weniger sein.

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