Notenbank
Weber muss sich neue Fachleute suchen

Falls Thilo Sarrazin aus dem Vorstand der Bundesbank scheidet, muss eine kompetente Neubesetzung her. Damit könnte Präsident Axel Weber seinen Wunschvorstellungen von einer Muster-Notenbank ein Stück näher kommen.
  • 0

FRANKFURT. Jede Krise bietet die Chance zum Neuanfang. Jahrelang hat die Bundesbank dagegen gekämpft, nach dem Übergang der geldpolitischen Verantwortung auf die Europäische Zentralbank (EZB) in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Dann wurden ihr auch noch gegen den ausdrücklichen Wunsch ihres Präsidenten Axel Weber gleich mehrere neue Vorstandsmitglieder aufgezwungen, mit denen es nicht gerade leichter fiel, sich in der Euro-Zone als besonders effiziente Notenbank zu profilieren. Doch gerade der von vielen geforderte Rausschmiss von Vorstand Thilo Sarrazin könnte die Chance bieten, Webers Wunschvorstellungen ein Stück näher zu kommen, die Bundesbank als Muster-Notenbank im Euro-Raum zu etablieren.

Im Rahmen ihrer mehrjährigen Strukturreform hatten sich die Frankfurter vorgenommen, in fünf Kerngeschäftsfeldern - der Geldpolitik, dem Finanz- und Währungssystem, der Bankenaufsicht, dem Bargeld und dem unbaren Zahlungsverkehr - ihre analytischen und praktischen Fähigkeiten auszubauen und zu vernetzen. So wollte die Bundesbank mit ihrer Expertise das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) "noch wirkungsvoller unterstützen und damit zur Stabilität des Euros und des Finanzsystems beitragen".

Klar ist, dass die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise die immense Bedeutung der Finanzstabilität und der Bankenaufsicht in den Vordergrund gerückt hat. Die globale Finanzkrise habe gezeigt, wie wichtig stabile Finanzsysteme seien, hatte Weber im März 2009 betont. Aus ebendiesem Grund habe die Bundesbank ihre Expertise in einem Zentralbereich zusammengefasst. Einen Finanzstabilitätsbericht, der sich hauptsächlich auf Deutschland konzentriert, veröffentlicht die deutsche Zentralbank nun jährlich, und das seit 2007.

Weber wird außerdem in seiner Funktion als Bundesbankchef Mitglied des geplanten, bei der EZB angesiedelten "European Systemic Risk Board", der Risiken an den Finanzmärkten frühzeitig aufspüren soll. Das Expertengremium muss zwar noch vom Rat der Finanzminister und dem EU-Parlament gebilligt werden, soll aber bereits Anfang nächsten Jahres mit der Arbeit beginnen. Schon deshalb wird das Interesse der Bundesbank an Finanzmarktthemen weiter wachsen.

Seite 1:

Weber muss sich neue Fachleute suchen

Seite 2:

Kommentare zu " Notenbank: Weber muss sich neue Fachleute suchen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%