Notfall-Reserve
Kraftwerke fordern üppige Zahlungen

Um alte Anlagen für den Notfall betriebsbereit zu halten, fordern Kraftwerksbetreiber hohe Zuschüsse. Damit wollen die Unternehmen einem Gesetz zuvorkommen - und erwarten eine umfassende Kostenerstattung vom Staat.
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BerlinDie Kraftwerksbetreiber wollen sich das Bereithalten von Kapazitäten fürstlich entlohnen lassen. Das geht aus dem Entwurf einer Selbstverpflichtungserklärung der Branche hervor, der dem Handelsblatt vorliegt. Die Unternehmen wollen mit dem Vorstoß einer gesetzlichen Regelung zuvorkommen.

Das Bundeswirtschaftsministerium hat es bislang nicht vermocht, eine eigene Regelung zu entwerfen. Mit ihrer Idee haben die Betreiber nun gute Karten - denn die Zeit drängt: Spätestens im nächsten Winter drohen wieder Versorgungsengpässe. Und die Bundesregierung wird allem zustimmen, was einen Blackout vermeidet. Bezahlen müssen die Verbraucher.

Mit den Beschlüssen zur Energiewende waren im vergangenen Jahr gleich acht Kernkraftwerke endgültig stillgelegt worden. Insbesondere im Südwesten Deutschlands sind dadurch die Stromerzeugungskapazitäten knapp geworden. Die Bundesnetzagentur hat darum eine Reihe älterer fossiler Kraftwerke zur "Kaltreserve" bestimmt. Die alten und teilweise höchst ineffizienten Anlagen, darunter ein altes Ölkraftwerk in Österreich, werden angefahren, wenn Engpässe drohen.

Trotz der Kaltreserve bleibt die Situation angespannt. Im vergangenen Februar war eine Engpass aufgetreten, den die Netzagentur in einem Bericht im Frühjahr als sehr ernst bezeichnete. Hinzu kommt, dass einige Betreiber zuletzt angekündigt haben, Kraftwerke stillzulegen, die nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sind.

Mit der Selbstverpflichtung, die der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erarbeitet hat, erklären sich die Betreiber nun bereit, in Kaltreserve oder in Betrieb befindliche Anlagen nicht stillzulegen, wenn sie von den Netzbetreibern als systemrelevant identifiziert worden sind. Voraussetzung dafür soll nach den Vorstellungen des BDEW sein, "dass dem Betreiber die hieraus resultierenden direkten und indirekten Mehrkosten erstattet werden". Die Betreiber wollen sich außerdem verpflichten, Anlagen in Kaltreserve technisch zu ertüchtigen. Auch die direkten und indirekten Kosten der technischen Aufrüstung wollen sie sich erstatten lassen.

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  • @Ihr

    Ich habe einen Tipp für Sie. Sie scheinen ja dem Glauben verfallen zu sein, dass die Großversorger nur so im Geld schwimmen. Warum kaufen Sie sich nicht paar Aktien von denen. Dann profitieren auch Sie vom Gewinn. Gerade wo doch der Aktienkurs so günstig ist, ist das doch eine Überlegung wert. Und das Beste. Wenn Sie Aktionär sind, haben Sie auch noch ein Mitbestimmungsrecht in "Ihrem" Unternehmen. Lieber handeln als schimpfen!

  • @ihr
    Sagen Sie uns mal bitte, sind Sie erkenntnisresistent?

    "Rohstoffkostensenkungen .. erhöhen den Gewinn.
    ....extremen Gewinnsteigerungen begründet??"

    Von was reden Sie?? Schauen Sie mal in die Investors Relations Seiten von EON oder RWE und versuchen Sie mal Ihre "horrenden "Gewinnsteigerungen" zu begründen... Haben Sie nicht verstanden, daß sich die Kurse der Unternehmen seit der faktenfernen "Energiewende" halbiert haben, entsprechend deren Gewinne????

    Schon schlimm, wenn die politische Gesinnung den Verstand kontrolliert und nicht umgekehrt.....

  • Wenn ich das richtig sehe, sind unser Problem momentan marode, zu wenig aufnahmefähige Netze? Diese Problematik wäre m. M. aber bei steigendem Stromverbrauch eh irgendwann aufgeschlagen.

    Der Endverbraucher aber hat auch für den Erhalt, die Instandhaltung, den Ausbau dieser Netze bezahlt. Wo also blieben die Investitionen der Konzerne, denen diese Netze, - gegen Entgelt! - anvertraut waren? Der Atomausstieg stand ja nun schon vor Fukushima fest.

    Ich überlege eben angestrengt, wann ich an den Masten (auch noch Holzmasten)in unserer näheren Umgebung irgendwelche Arbeiter zur Instandhaltung, Erneuerung usw. zu Gesicht bekam. Kann ja gerne 'mal die Nachbarschaft befragen ...

    Warum eigentlich bietet man denen, die man bereits mit Arbeitsplatzverlust "bedient" hat, nicht wenigstens günstigeren Nachtstrom an? Das könnte der gleichmäßigeren Auslastung der Netze und den Menschen dienen.

    Warum spricht man eigentlich immer noch von zentralisierter Stromversorung? Solarstrom, Wind- und Wasserkraft sähe ich persönlich eher in dezentralen Netzen. Damit bliebe auch ein evtl. Ausfall derselben immerhin lokal begrenzt.

    Oder in der Hand des Staates. Diese "Privatisierung" hat den löhnenden Bürger / Endverbraucher doch auf längere Sicht überall nur mehr und mehr gekostet, s. z. B. Wasser in Berlin. Ist ja auch klar, wenn immer mehr Beteiligte an ehemals EINEM Geschäft Erzeuger -> Endverbraucher nun (möglichst leistungslos?) mitverdienen wollen.

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