NRW-Kandidaten lassen auf Plakaten Parteilogo weg
Wo einst SPD stand, prangt jetzt nur ein Herz

Es geht um ein gelbes Herz. „Bonn“ steht darin und man erkennt gleich das offizielle Ortseingangsschild, das einprägsam umgemodelt wurde. Mit diesem Herz wirbt Oberbürgermeisterin (OB) Bärbel Dieckmann auf Plakaten für die nordrhein-westfälischen Kommunalwahlen im September. Das Logo ihrer Partei ist nicht darauf zu sehen.

DÜSSELDORF. Deshalb muss die SPD sich mit dem Vorwurf herumschlagen, einige Kandidaten verleugneten ihre Partei, wie das Magazin „Der Spiegel“ am Montag schrieb. Auch der Bürgermeister-Kandidat für Bergneustadt und Ex-Bundestagsabgeordnete, Friedhelm Julius Beucher, hat sich entschlossen, ohne Parteilogo zu werben. „Ich muss mich vom Negativtrend der SPD abkoppeln“, sagte er dem Nachrichtenmagazin.

Beucher begründete seine Strategie im Gespräch mit dem Handelsblatt: Er wolle den Wählern „klarmachen, dass sie nicht über die Rentenreform und Hartz IV entscheiden, sondern darüber, wo in Bergneustadt Straßen gebaut werden“. Außerdem wüssten in der Stadt fast alle, welcher Partei er angehöre. Mit Beucher werben sieben von 17 SPD-Ratskandidaten ebenfalls ohne Parteilogo.

Im Falle Bärbel Dieckmanns soll das SPD-Präsidium, dem sie ebenfalls angehört, bei einer Schaltkonferenz am Montag sogar „gelacht“ haben, hieß es. Schließlich sei ja in Bonn allgemein bekannt, dass sie der SPD angehöre. Der Sprecher der nordrhein-westfälischen SPD, Dirk Borhart, sagt zu dem Thema eher süffisant: „Ein Alligator im Baggersee.“ Der Bonner SPD-Unterbezirkschef und Hauptstadt-Parlamentarier Ulrich Kelber spricht von einem „Sommerloch-Thema“. Dieckmann sei auf Parteibroschüren, Wahlkampfzeitungen der SPD zu sehen und eben auch auf Plakaten ohne Parteilogo, aber mit besagtem Herzen. Die OB-Wahl sei eine „Persönlichkeitswahl“, sagte Kelber. Allerdings räumte Kelber letztlich auch ein: Bärbel Dieckmann erreiche „viel mehr Menschen, als die SPD es kann“. Die 55-Jährige sei halt auch bei CDU-Anhängern beliebt.

Der OB-Kandidat für Hagen, Peter Demnitz, bestätigte, es habe „Überlegungen landauf, landab gegeben“, ob und wie mit dem Parteilogo geworben werden sollte. „Wir kriegen Gegenwind aus Berlin“, sagte Demnitz. Trotzdem plakatiert er das rote Parteikästchen: „Ich werde die SPD nicht hinter mir verstecken.“

Thema tief hängen, heißt die Devise bei der SPD. Einigen Wahlkampfhelfern stößt so etwas jedoch auf. Auf Nachfrage im Kreis Mettmann und im Kreis Neuss empfand so mancher die Strategie von Beucher, aber auch von Dieckmann, als „unmöglich und heuchlerisch“.

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