Auftritt in Saarbrücken
NRW und die Schadenfreude des Herrn Steinbrück

Eigentlich wollte Peer Steinbrück in Saarbrücken über Industriepolitik reden. Doch irgendwann konnte er sich nicht mehr zusammenreißen – und zeigte seine Freude über die Neuwahlen in Nordrhein-Westfalen.
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SaabrückenLange hat Peer Steinbrück an diesem Abend seine Zuhörer auf die Folter gespannt. Dann ist der Punkt gekommen, an dem er es einfach nicht mehr aushält. Genüsslich hatte er zuvor immer wieder Andeutungen gemacht: „Da ich kein politisches Neutrum bin, werde ich nachher noch auf einen anderen Termin zu sprechen kommen.“ Steinbrück strahlt über das ganze Gesicht, als es endlich so weit ist. Dann legt er los: „Eigentlich wollten wir in diesem Jahr alle im Bett bleiben.“ Alle hätten gedacht, es würde nur eine Landtagswahl geben. „Jetzt haben wir drei Wahlen.“ Pause. „Das ändert alles!“ Tosender Applaus setzt ein.

Steinbrück steht am Rednerpult und kann sein Lachen nicht unterdrücken. Er hält kurz inne. „Ja, Ja, es gibt immer Überraschungen im Leben.“ Dann reibt er sich genüsslich die Hände und fährt fort. „Da hat es einen leichten strategischen Aussetzer in Nordrhein-Westfalen gegeben, weil sich jemand das Loch selbst gegraben hat, in das er hineinfällt. Und das wünsche ich mir auch im Saarland.“ Tosender Applaus.

Unter den Zuhörern im Festsaal des Saarbrücker Schloss sind viele SPD-Anhänger, auch Anzugträger und Frauen in vornehmem Kostüm. In knapp einer Woche wählen die Saarländer einen neuen Landtag – und SPD-Spitzenkandidat Heiko Maas hat gute Chancen, Ministerpräsident zu werden. Durch den plötzlichen Umschwung in Nordrhein-Westfalen bekommt die Wahl im Saarland aber einen ganz neuen Charakter: Sie wird zur Generalprobe für den Showdown in Nordrhein-Westfalen. Wie NRW ist auch das Saarland vor allem durch seine starke Industrie geprägt.

Steinbrück ist nach Saarbrücken gekommen, um über Industriepolitik zu sprechen. In manch anderen Parteien sei es ein Vergehen, dieses Wort Industriepolitik überhaupt in den Mund zu nehmen, sagt er. „Wenn man mit denen über Industriepolitik redet, muss man sich hinterher die Zähne putzen.“

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  • Ja, es könnte dieses Jahr zu einer Bundestagswahl kommen.
    Nur, die Wähler wollen so richtig eine linke Bundesregierung nicht. Das heißt in letzter Instanz, dass die böse neoliberale FDP zwar weggeschlachtet würde, aber auch Rot-Grün angesichts dieser Grundstimmung im Volk und
    angesichts von Linken und Piraten im neuen Bundestag
    keine eigene Mehrheit hätte. Viel spricht daher für
    eine Unionsgeführte große Koalitation, da Mutti Merkel, CSU
    immer mit eingerechnet, wohl doch irgendwo bei 35 Prozent
    und dareüber landen wird. Eine solche Koalition der
    wirtschaftlichen Kompetenz und sozialen Sensibilität
    wäre für unser Land auch keineswegs die schlechteste Lösung. Kanzler! Steinbrück ist also nach wie vor nicht angesagt.

  • Dann kommen wohl bald Bundes Neuwahlen.
    www.kodal24.de

  • Die BILD wird dann schon dafür sorgen, dass der der aufgeklärte Bürger das Kreuz an der richtigen Stelle macht."

    Jenau, weil der Axel_Spinner-Konzern und der BertesMann-Konzern rein GAR NIX und überhaubt nix mit den mächtigen Lobbys dieser Welt zu zun hat.
    Seit den 50er/60er Jahren standen immer sehr gut recherchierte ganzseitige kritische Hintergrund-Berichte in der BLÖD-Zeitung und sogten dafür, daß diese elitären Geheim-Beratungen niemand auf der Welt verborgen blieb.
    *Augenzwinkern....räusper...verschluck...rot werd*

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