CDU-Wahlkampfauftakt
Röttgen will den Wechsel

Auch wenn die Umfragen etwas anderes sagen, die CDU will stärkste Kraft in NRW werden. Der Haushalt ist ein Kernthema. Angela Merkel schaut zu, ob es beim Wähler funktioniert - und plant daraufhin ihre eigene Wiederwahl.
  • 0

BonnAuch vor einem Supermarkt im Bonner Norden bleibt Norbert Röttgen nicht vor Weisheiten verschont. Gern als Vordenker tituliert, steht der Spitzenkandidat der nordrhein-westfälischen CDU vorm Eingang, grüßt, legt hier und da Wahlwerbung in Einkaufskörbe. Da spricht ihn ein älterer Mann mit schlohweißem Haar an. Er wolle gern etwas sagen und beginnt, auf Latein zu referieren: „Was Du auch tust,...“ – er hält kurz inne, übersetzt und fährt dann fort: „... beachte das Ende.“ Das Letztere werde „von keiner Partei berücksichtigt“, klagt er. Als Professor für Chemie habe er den Spruch immer beherzigt. Seine Mitarbeiter seien ihm dankbar gewesen.

Röttgen steht vor ihm, hält seine blauen Werbezettel in der Hand und hört zu. „Sie haben damit recht“, bestätigt er. „Es braucht Mut, heute schon von den Folgen zu reden.“ Die letzten Jahrzehnte habe die Politik „genau das Gegenteil“ getan. „An dem Punkt ist in der Politik ein Wechsel notwendig“, sagt der amtierende Bundesumweltminister.

Den Wechsel will der 46-Jährige und dreifache Familienvater binnen vier Wochen herbeiführen. In Berlin verantwortet er die Energiewende. Im CDU-Wahlkampf verspricht er eine „Politik aus den Augen unserer Kinder“. So will er am 13. Mai im bevölkerungsreichsten Bundesland die Macht übernehmen. In der Union hoffen sie auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der amtierenden Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Am Ende dürfte die Zahl der Parteien im Landtag darüber entscheiden, ob SPD oder CDU den Ministerpräsidenten stellt.

Vor allem aber entscheidet sich für Kanzlerin Angela Merkel, ob ihre zentrale Botschaft – solide Haushalte – beim Wähler verfängt und so als Blaupause für den Bundestagswahlkampf 2013 dient. Schließlich scheiterte die Minderheitsregierung von SPD und Grünen im März am eigenen Haushalt.

Wie in der Umweltpolitik will Röttgen nun als Politiker mit Blick in die Zukunft punkten. Er tritt als Direktkandidat in Bonn und nicht in seiner Heimat, dem Rhein-Sieg-Kreis, an. Dort hätte er einen sicheren Wahlkreis gehabt. Da es aber landesweit knapp wird, will er der SPD ein Direktmandat abjagen.

Kommentare zu " CDU-Wahlkampfauftakt: Röttgen will den Wechsel"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%