Die Stärke der Frau Kraft

Aus der Troika wird eine Quadriga

Der Sieg von Hannelore Kraft in NRW befeuert die Suche nach einem SPD-Kanzlerkandidaten. Sie selbst hat sich aus dem Rennen genommen - für 2013. Doch danach ist Kraft die gefährlichste Konkurrentin von Kanzlerin Merkel.
12 Kommentare

Singen mit der Siegerin

Berlin/DüsseldorfAls Hannelore Kraft am späten Sonntagabend zur Wahlparty der SPD zurückkehrt, wirkt sie geradezu befreit. Tanzenden Schrittes bahnt sie sich ihren Weg durch die feiernden Genossen, der ganze Stress des Turbo-Wahlkampfs, das Warten auf die Ergebnisse, die Interviews des Wahlabends - das alles liegt jetzt hinter ihr. Später steht die Landesmutter auf der Bühne und singt „New York, New York“, den Klassiker von Frank Sinatra.

„If I can make it there, I’ll make it anywhere“, heißt es in dem Refrain. Wenn ich es hier schaffe, kann ich es überall schaffen.

Ob das auch für Kraft selbst gilt? Davon will sie am Abend ihres großen Sieges nichts wissen. Schon im Wahlkampf hatte die Ministerpräsidentin immer wieder ausgeschlossen, nach einem möglichen Wahlerfolg als Kanzlerkandidatin nach Berlin zu wechseln. "Mein Wort gilt", sagt sie in Düsseldorf in die Kameras.

Für Kraft hat sich die Diskussion damit erledigt. Für andere in der SPD fängt sie erst an. "Ob die Troika heute Geschichte ist?" fragt Björn Böhning, Chef der Senatskanzlei unter Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), per Twitter im Internet. Der Koordinator der SPD-Linken in Parteivorstand, Ralf Stegner, spottet: "welche Troika?" Und der netzpolitische Sprecher der SPD im Bundestag, Lars Klingbeil, gibt Orientierung über die neue Formation: "Heißt das Quadriga?". SPD-Chef Sigmar Gabriel, der selbst Teil der Troika ist, befeuert die Debatte noch, indem er am Samstag sagt, natürlich sei Kraft als Regierungschefin des bevölkerungsreichsten Landes eine "denkbare Kanzlerkandidatin". Gabriels Zusatz, "aber sie hat es ausgeschlossen", geht im Siegstaumel der SPD fast unter.

Nach dem Triumph von Düsseldorf gibt es keinen Zweifel daran: Die SPD-Troika hat Zuwachs bekommen, aber wohl keine Kanzlerkandidatin. Zumindest noch nicht. Denn hinter das Wort, das sie ihren Wählern an Rhein und Ruhr gegeben hat, kann Kraft ohne Glaubwürdigkeitsverlust kaum zurück. Allerdings hat die 50-Jährige der Bundes-SPD das lang ersehnte Aufbruchsignal für die Bundestagswahl 2013 beschert, dass rot-grüne Mehrheiten möglich sind. Und deshalb wir die amtierende und künftige Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens künftig auch in Berlin ein gehöriges Wörtchen mitzureden haben.

Ein altes Zirkuspferd sorgt für Ärger
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

12 Kommentare zu "Die Stärke der Frau Kraft: Aus der Troika wird eine Quadriga"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Eines ist ja wohl Fakt, Steinbrueck pflegt sein ruppiges Image, das er dabei oft jegliche Kinderstube vermissen laesst, wird gern uebersehen. Das er aus NRW ein erhebliches Paeckchen an Filz und Verfehlungen mit sich rumtraegt, wird leider auch zu oft verschwiegen. Der Mann ist ziemlich korrupt, machtversessen und intolerant. Im Prinzip ist er ein neurotischer Egomane, der nichts in der Politik verloren hat. Nur, die Alternativen sind auch nicht berauschend, Steinmeier, der krachende Wahlverlierer, der so undemokratisch war, gleich nach der verlorenen Wahl den Fraktionsvorsitz fuer sich zu reklamieren, bevor die Parteigremien ueberhaupt Zeit hatten die Niederlage und ihre Ursachen zu analysieren,und Gabriel, naja, auch so ein erfolgreicher Wahlkaempfer. Kraft wird auf den Schild gehoben, um sie zu demontieren, das machen die drei ganz geschickt. Man will sie in die Zwickmuehle zwingen, sich vielleicht doch fuer Berlin zu entscheiden, damit wuerde sie dann auch unglaubwuerdig und die drei koennen weiter ihre Spielchen machen. Die SPD kann Erfolg nicht.

  • Wenn alles in Ordnug wäre. Wenn schon die Macht verloren, so wollen wir wenigstens die Meinungshoheit innehaben. Lesen Sie doch einfach woanders, wo Sie direkt im Bildungsspektrum Erfolg vorweisen können. Da liest selten auch mal jemand tiefergehen. Noch Fragen?

  • Es steht Ihnen frei, sich Ihre Informationen aus SPD-nahen Blättchen zu holen. Niemand zwingt Sie hier mitzulesen.
    Im Übrigen, lieber "flok", sind Sie hier schon mehrfach mit Kommentaren aufgefallen, die sich offensichtlich gegen die Meinungsfreiheit richten.
    Hoffen Sie etwa auf eine Einladung zum nächsten Bilderberger-Treffen ? ;-)

  • wenn erst einmal der Peer seine Bilderberger Rolle gespielt hat, bekommt er auch einen Aufsichtsrat-Posten. Die FED / CITY belohnt immer brave Gefolgsleute.

    Peer Bilderbogen hat sich damals bei dem Aufkauf der FED-Giftpapiere / West-LB sehr verdient gemacht und zum Dank dafür wird er nun Bundeskanzler.

    WestLB-AffäreKontrolleur ohne Kontrolle
    Montag, 21.07.2003, 00:00 • von FOCUS-Korrespondent Karl-Heinz Steinkühler
    NRW-Ministerpräsident Steinbrück ist seinen Pflichten als Aufsichtsrat nicht nachgekommen
    Fragen nach seiner Rolle bei der WestLB-Krise mag Peer Steinbrück (SPD) überhaupt nicht. Als vor wenigen Tagen ein Fernsehreporter vom nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten wissen wollte, ob er nicht als früherer Finanzminister die riskanten Kreditvergaben der NRW-Landesbank hätte kennen müssen, schob ein Steinbrück-Mitarbeiter das Mikrofon des Journalisten einfach beiseite.

    Die Nerven liegen blank in der Düsseldorfer Staatskanzlei. Zusätzlich zum parlamentarischen Untersuchungsausschuss droht wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten bei den Landesgesellschaften nun ein weiterer in Sachen Landesbank.
    ...


  • Verschwörungstheorien und Beleidigungen - mehr ist von den Kommentaren hier leider nicht zu erwarten. Bitte, liebe Redaktion, schließen sie dieses Forum oder wählen sie zur Veröffentlichung nur solche Kommentare aus, die sich nicht als shitstorm qualifizieren.

  • Sehr schön dargestellt, volle Zustimmung.
    Insofern ist das Geplänkel um den SPD-Kanzlerkandidaten nur ein Scheingefecht. Die Wahlen kann man sich grundsätzlich auch sparen, da das Ergebnis bereits feststeht. Das Schlimme ist nur: Gegen den Bilderberger-Peer ist selbst der Gaz-Gerd ein Waisenknabe...

  • Bedauerlicherweise gibt es in der politischen Landschaft Deutschlands gegenwärtig nicht eine einzige Person, die sich einer Kanzlerschaft würdig erweisen könnte. Da freuen sich derzeit Piraten und SPD...aber keiner hat auch nur ansatzweise eine Vorstellung davon, wie wir unsere zukünftigen Probleme bewältigen können. Wenn ich die geschlossenen SPD-Riege von Eurobonds reden höre, wird mir schlecht. Vielleicht hätte Frau Nahles und ihresgleichen lieber mal einen Grundkurs in Ökonomie belegen sollen statt 20 Semester Germanistik und Politik zu studieren. Dann würde es vielleicht auch am Grundverständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge und Spieltheorie nicht fehlen. Ich tue mich schwer damit, eine politische Riege als demokratisch legitimiert zu betrachten, nur weil dem deutschen Volk ECHTE Alternativen zu diesen Taugenichtsen im Bundestag vorenthalten werden. Wählt bitte das geringste Übel und freut euch dann über eure Demokratie...ich finde die Bezeichnung Diktatur der Unfähigen passender für unser politisches Systemm!!

  • Troika ist ja schon auf gewisse Weise eine Übertreibung.
    Aber nun auch noch eine Quadriga daraus machen zu wollen: das läßt eher auf hohe Ambitionen von Journalisten schließen:
    nicht weiter schlimm: indes irgendwie auch sehr eifrig beflissen dabei - unsere Journalisten.

  • Die CDU muss herunter gefahren werden.

    Nur so kann dann Herr Steinbrück der nächste BILDERberger Kanzler für Deutschland werden.

    Die Propagandamaschine, um ihn als populär in der deutschen Bevölkerung darzustellen, ist bereits angelaufen. So soll gemäss dem Politbarometer des ZDF Steinbrück zu den beliebtesten Politikern Deutschlands gehören und wird als die Nummer eins geführt. Das ist vielversprechend für den Politiker, der seit Monaten an einer Kanzlerkandidatur bastelt, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt. Die meisten Deutschen halten Steinbrück angeblich derzeit für den aussichtsreichsten Herausforderer von Kanzlerine Merkel, wie eine Forsa-Umfrage Ende Mai ergab.

    Sagenhaft wie hier die Meinung nicht erfragt sondern gemacht wird. Man erzählt den Deutschen mit angeblichen Umfragen wen sie als Kanzler gut finden sollen. Man versucht Steinbrück als gleichen pragmatischen Politikertypen darzustellen, wie Helmut Schmidt und Gerhard Schröder, die beide Kanzler wurden, obwohl sie innerhalb der SPD nicht zu den beliebtesten Parteimitgliedern gehörten. Ist ja auch klar warum, sie hatten mit der Sozialdemokratie nichts am Hut, sondern waren Vertreter der Bilderberger und ihrem Programm.


  • 4 * 0 = 0,00

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%