Gastkommentar
Lindner hat die Substanz

Christian Lindner soll die FDP aus ihrer Krise befreien. Der ehemalige Innensenator Gerhart Baum über die Bedeutung und Rolle des früheren Generalsekretärs für die FDP.
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Christian Lindner ist zum Hoffnungsträger für die gesamte FDP geworden. Gemeinsam mit Wolfgang Kubicki wird er um die Existenz der Partei kämpfen müssen. Lindner muss die Partei aus der tiefen Krise herausführen, in die sie sich vor allem selbst gebracht hat. Dabei muss er im gesamten Themenspektrum des politischen Liberalismus von der Steuer- und Wirtschaftspolitik bis hin zum Datenschutz im Internet das Profil der FDP schärfen. Die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen werden zeigen, ob es ihm gelingt, das Schicksal der Liberalen noch einmal zu wenden.

Lindner hat die intellektuelle liberale Substanz für diese Herausforderung. Er ist ein politisches Talent, das in der Öffentlichkeit auch wahrgenommen wird. Sein Rücktritt als Generalsekretär war für mich durchaus verständlich. Sichtbar wurde dadurch seine Distanz zu manchen Entwicklungen in der Berliner FDP. Das kann ihm jetzt nur helfen. Lindner hat auch keine Scheu und Berührungsängste gegenüber anderen Koalitionsoptionen.

Schon jetzt ist zu spüren, dass sich mit seiner Nominierung der Blick auf die FDP verändert. Er könnte Wähler gewinnen, die ohne ihn die FDP nicht wählen würden. Es gibt berechtigte Hoffnungen, dass die FDP es schaffen könnte. Im Grunde kann Lindner nur gewinnen. Definitiv will er nach Düsseldorf zurück und wird dort auch bleiben – als Landes- und auch als Fraktionsvorsitzender.

Sein Weg ist mit der Landtagswahl nicht zu Ende. Er hat die Chance, gemeinsam mit weiteren Mitstreitern Einfluss auf den künftigen Kurs der FDP zu nehmen. Die Partei hat auch ein Potenzial an fähigen jüngeren Politikern und Politikerinnen, das er aktivieren muss.

Bei allem Positiven zu Lindner dürfen Erwartungen an ihn nicht überhöht werden. Nach wie vor befindet sich die FDP in einer Existenzkrise, aus der sie sich nur selbst befreien kann. Das Institut Allensbach hat festgestellt, dass es der FDP nicht gelungen ist, „den Liberalismus in seiner ganzen Breite darzustellen“. Es ist Politik gemacht worden, „die mit liberalen Prinzipien nicht in Einklang zu bringen ist und die die Bevölkerung nicht mit der Partei in Verbindung bringt“.

Kommentare zu " Gastkommentar: Lindner hat die Substanz"

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  • Ich bin froh, das Christian Lindner Verantwortung übernehmen will und damit die längst überfällige Modernisierung der Partei einleitet. Meine Unterstützung hat er.

  • Ein Gerhard Baum, das ist ein Repräsentatnt einer FDP unter der ich mir noch etwas vorstellen kann. Eine Hildegard Hamm-Brücher ebenfalls. Ein Christian Lindner? Soll sich befassen mit Themen wie Unternehmerische Freiheit verbunden mit gesellschaftlicher Verantwortung? Managergehälter? Auswüchse der Zeitarbeit? Finanztransaktionssteuer und Vertretung von Frauen in Führungsgremien? Eher geht das besagte Kamel durch das Nadelöhr als dass ein Hayek-Verfechter und Neo-Lib sich an solche Themen wagt.

    Christian Lindner soll beweisen, dass das Land eine liberale Partei braucht? Das wird sehr sehr schwer, wen nicht unmöglich und ehrlich gesagt, es gibt Alternativen. Die ausgelaugte FDP braucht - auser ein paar Lobbyisten - niemand mehr.

  • ICh denke und bin der Überzeugung, daß Lindner ein Charakterkopf ist! Die FDP wird viel zu oft pauschal abgeurteilt! Sicherlich war die Sache mit der "Hotelsteuer" völlig daneben (man vergleiche aber die Sätze im europ. Nachbarraum), aber andere Parteien überzeugen oftmals nur wirtschaftspolititsche Inkompetenz. Es muß mehr Sachlichkeit her, wir müssen über Themen reden und nicht über Parteien.

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