Gastkommentar
Röttgen droht die Künast-Falle

Röttgen sollte nicht den gleichen Fehler machen wie Renate Künast bei ihrer Berlin-Wahl. Wenn der Bundesumweltminister Düsseldorf nur als Karrierestation sieht, könnte er damit bald scheitern.
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Wer auf der Bundesversammlung in Berlin mit nordrhein-westfälischen CDU-Politikern gesprochen hat, hat unisono ein tiefes Unverständnis gespürt, dass der Ministerpräsidentenkandidat Norbert Röttgen nicht als potenzieller Oppositionsführer zur Verfügung steht. Es brechen jetzt jene alten Fronten wieder auf, die sich bildeten, als Röttgen sich in einer Kampfabstimmung gegenüber Armin Laschet als Vorsitzender der NRW-CDU durchgesetzt hatte. Röttgens Start als Wahlkämpfer konnte verheerender nicht sein. Angeblich seien es "Heckenschützen", die parteiintern gegen Röttgen schießen.

Doch es sind gerade seine eifrigsten Unterstützer, die sich jetzt zu Wort melden. Röttgen formulierte im Pluralis Majestatis: "Wir entscheiden selbstständig." Dieser Ausspruch richtete sich auch gegen seine Kanzlerin, die verlangt hatte, dass er sich ganz auf Nordrhein-Westfalen konzentriere. In einem Interview in der "WAZ" hatte sich Röttgen während seiner Kandidatur zum NRW-Landesvorsitz hingegen schon festgelegt: Für ihn sei es "selbstverständlich, auch für die Spitzenkandidatur bei der nächsten Landtagswahl und als Ministerpräsident oder Oppositionsführer zur Verfügung zu stehen".

Man ahnt, dass Düsseldorf für Röttgen nie eine Herzensangelegenheit war, sondern eine Karrierestation, um sich als Vorsitzender der größten Landespartei gegenüber der Kanzlerin als ein potenzieller Nachfolger zu positionieren. Natürlich kann man verstehen, dass Röttgen in einer kargen Oppositionslandschaft nicht versauern will. Man kann argumentieren, wer jetzt schon seine mögliche Oppositionsrolle diskutiert, glaube nicht richtig an einen Wahlsieg. Natürlich ist ein Bundesministerjob attraktiver als der eines Oppositionsführers im Landtag. All das hätte Röttgen vorher wissen müssen.

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Merz als wichtiger Wahlkampfhelfer

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  • Was Röttgen droht, kann den Wählern in NRW eigentlich egal sein. Dass aber die CDU in NRW mit diesem Karrieristen an der Spitze die Wupper runtergehen wird, kann den Bürgern nicht gleichgültig sein.
    Den CDU-Stammwählern bleibt im Mai nur eine Alternative: Den CDU-Direktkandidaten im Wahlkreis mit der Erststimme wählen und die Zweitstimme der FDP geben. Auch der Eintritt in die Partei der Nichtwähler kann angesichts der zur Wahl stehenden Parteien und ihres Spitzenpersonals Sinn machen.

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