Muss Röttgen gehen?
In der NRW-CDU wetzen sie schon die Messer

An einen Wahlsieg am Sonntag glaubt in der CDU keiner mehr. Die Frage ist: Muss Spitzenkandidat Norbert Röttgen nach einer krachenden Niederlage den Parteivorsitz in Nordrhein-Westfalen räumen?
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Seit Wochen verharrt die CDU bei schwachen Umfragewerten, eine Niederlage am Sonntag scheint sicher, allenfalls eine Große Koalition noch erreichbar. In der Partei wird nun spekuliert, ob Röttgen nach dem Landtagswahl noch Vorsitzender des Landesverbandes bleiben kann.

„Wenn das Ergebnis unter 30 Prozent bleibt, wird er wohl aufgefordert werden zu gehen“, sagt ein hochrangiger nordrhein-westfälischer CDU-Politiker zu Handelsblatt Online. Aber selbst wenn die CDU knapp über 30 Prozent landet, hätte Röttgen für die Christdemokraten das schlechteste Landtagswahlergebnis seit 1950 geholt.

Stoff für eine Personaldiskussion gibt das allemal. Für Röttgen wäre der Verlust des Parteivorsitzes ein unrühmliches Ende, nachdem er sich den Posten erst vor zwei Jahren in einem Mitgliederentscheid gegen Armin Laschet erkämpft hatte. Röttgen holte rund 55, der ehemalige Integrationsminister Laschet rund 45 Prozent.

Die CDU Nordrhein-Westfalen lag damals moralisch am Boden. Sie hatte unter Jürgen Rüttgers erst fulminant die jahrzehntelange Vormachtsstellung der SPD gebrochen, war aber nach nur fünf Jahren wieder schmählich abgewählt worden. Röttgen galt in dieser Situation als  Hoffnungsträger, der den Christdemokraten eine Machtperspektive eröffnen sollte. 

Wer aber käme nach Röttgen? Wirklich breit ist das Personaltableau der CDU nicht. Armin Laschet hat immer noch eine starke Position in der Partei. Er wäre ein Nachfolge-Kandidat, aber er wird kaum offen als Königsmörder auftreten wollen. Das sähe wie eine Retourkutsche für den verlorenen Mitgliederentscheid aus.

Der zweite starke Mann im Landesverband ist Ex-Arbeitsminister und Oppositionsführer Karl-Josef Laumann. Er gehört zum Arbeitnehmerflügel der CDU und  pflegt einen guten und engen Draht zu den Gewerkschaften. In der Partei ist er allgemein anerkannt, ein bodenständiger und sympathischer Westfalen mit dem Hang zum erfrischenden Poltern. Für die Führung der Christdemokraten wäre er aber womöglich einen Hauch zu weit links, außerdem gilt er als zu loyal, um Röttgen zu stürzen.



Laschet und Laumann würde aber wahrscheinlich die Aufgabe zukommen, die CDU in eine Große Koalition zu führen, wenn Rot-Grün die Mehrheit verpasst und die SPD ein solches Bündnis mitmacht. Wenn es so weit kommt, „werden die beiden das wohl übernehmen müssen“, heißt es in der CDU. Ob Röttgen dann gleichzeitig Parteichef an Rhein und Ruhr bleiben will und kann, ist eine andere Frage.

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  • Es war doch von Anfang klar, dass man mit diesem arroganten Typen keine Wahl gewinnen kann
    Keinerlei Kenntnisse, keine soziale Kompetenz, nur Überheblichkeit.
    Das ist doch aber genau das, was auch die Mehrheit der Politker in Berlin auszeichnet. Unterstes Mittelmaß, mehr haben wir nicht mehr
    Laumann hätte das von Anfang an machen sollen.
    Er ist bodenständig, er weiß was für NRW gut ist, er ist bei den Menschen
    Ich hoffe nur, die CDU it so klug und wählt nicht Laschet als Nachfolger. Laschet gehört nicht in die CDU, er sollte zu den Grünen gehen, er ist Türkenliebhaber 1. Klasse, bei ihm sind die Deutschen 2. Wahl.
    So was brauchen wir hier ebenfalls nicht

  • Nach der von Herrn Röttger förmlich herbeigeführten Niederlage durch sein überhebliches Wesen, wäre Herr Laumann der Begriff für Stabilität, Fachintelligenz und Bürgernähe. Sein rhetorisches Talent eignet sich nicht für einen "Blender", aber seine Kompetenz ist überzeugend. Dessen sollte sich diese Partei bewußt sein und ihn zum Erfolgsgipfel unterstützen.

  • Zeigt dieser Artikel nicht plakativ auf, warum die Piraten einen solchen Zulauf haben? Die Parteien beschaeftigen sich mit sich selbst, mit ihren Machtspielchen, sind nicht ehrlich nach innen und nach aussen. Es geht nicht um die Buerger oder gar das Land, es geht ausschliesslich um die Macht und dann deren Missbrauch. Aber, Mutti lebt es ja vor, hat gelernt beim Meister, dem korrupten Kohl. Mutti's Schlauester ist eine einzige Lachnummer, schoen das er sich selbst demontiert ha, da musste Mutti gar nicht beissen. Bin mal gespannt auf die Statements, die er am Sonntag nach der Wahl abgibt, und wer ihm aus der BundesCDU beispringt. Wahrscheinlich wird Mutti ihn nach Bruessel entsorgen, da kann er die Pfeifentruppe aus abgehalfterten MP's ergaenzen und muss nicht darben.

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