Neuwahlen in NRW
Letzte Chance für die FDP

Für die Liberalen zeigt sich bei der NRW-Wahl, ob sie eine Niederlage im Bund abwenden können. Wie sollen sie das schaffen? Umfragen sehen die Partei bei zwei Prozent.
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Düsseldorf/BerlinMan kannte das gar nicht mehr in der FDP. Mehrfach gelangten NRW-Landeschef Daniel Bahr und Fraktionschef Gerhard Papke zuletzt positiv in die Medien. Das Duo sammelte Pluspunkte mit ihrem Widerstand gegen Pläne der Landesregierung, den Ladenschluss zu beschränken. Sogar zustimmende Anrufe aus der Bevölkerung habe es gegeben, schwärmten Liberale.

Gestern wich die Euphorie - mit der Ablehnung des rot-grünen Haushalts erzwang die FDP die Auflösung des Landtags. Das Problem: In Umfragen steht sie bei zwei Prozent. Es droht das Aus im größten Bundesland. Damit wird die Wahl auch entscheidend für die Zukunft von Bundesparteichef Philipp Rösler. Der hat von seinem Zwischenhoch, als er der CDU den Bundespräsidentschaftskandidaten Joachim Gauck aufzwang, nicht profitiert. Im Saarland und in Schleswig-Holstein droht die FDP ebenfalls zu scheitern - das wäre wohl das Ende von Röslers Karriere.

Zwar sagte die parlamentarische Staatssekretärin Ulrike Flach gestern: „Eine Demokratie, in der alle nur mit Rücksicht auf Umfragen agieren, können wir nicht wollen.“ Dennoch wächst die Angst. In der Partei kursiert ein Szenario, wonach Rösler die Landtagswahlen verliert und dann von Fraktionschef Rainer Brüderle als Übergangschef abgelöst wird. Ob das reicht? „Wir können das erste Mal in der Bundesrepublik sehen, wie eine der etablierten Parteien stirbt“, sagt FDP-Kenner Joachim Behnke von der Zeppelin-Universität.

„Die FDP hat das Problem, dass niemand weiß, wofür man sie braucht.“ Außerdem ist unklar, wer sie in den NRW-Wahlkampf führen wird. Mit Bahr, Papke und Ex-Generalsekretär Christian Lindner gibt es drei Schwergewichte. „Gerhard Papke ist sicher erster Ansprechpartner“, sagte der Bundestagsabgeordnete Marco Buschmann. Andere sehen Bahr und Lindner in der Pflicht. Beide sind prominent, verkörpern eine breiter aufgestellte FDP.

„Vielleicht können wir ja durch überzeugende Personen gewinnen“, sagt ein Abgeordneter. Beide hielten sich gestern bedeckt. Lindner sagte noch am Dienstag: „Ich halte nichts davon, so jung in ein Spitzenamt zu gelangen. Es sieht komisch aus, wenn eine Regierungslimousine vorfährt und jemand aussteigt, der gerade noch Schülersprecher gewesen sein könnte.“

Bliebe der eher unbekannte Papke. Ob er Rösler helfen kann? Der Parteichef bleibt vorsichtig: „Es ist richtig, dass wir der Schuldenpolitik nicht die Hand gereicht haben“, sagte er. Zu den Chancen bei der Wahl schwieg er.

Sven Prange
Sven Prange
Handelsblatt / Ressortleiter Report und Namen
Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Neuwahlen in NRW: Letzte Chance für die FDP"

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  • 2 - x !
    Weg mit der Partei der Besserverdienende. Braucht kein Mensch!

  • Es gibt andere FDP- Landtagsabgeordnete, die der deutsche Michel nicht kennt: Zum Beispiel A. Freimuth, G. Piltz, J. Stamp, R. Sterck usw.
    Die Aussprache über den Nachtragshaushalt im Bund ist erst am 21. März und FDP- Bundesabgeornete die im Bild gezeigt werden sind bekannt.

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