Norbert Röttgen: Der Zauderer greift an

Norbert Röttgen
Der Zauderer greift an

Norbert Röttgen tritt die Flucht nach vorne an. Bei der Wahl in NRW geht es für den Bundesumweltminister um alles. Nach einem holprigen Start schaltet Röttgen auf dem CDU-Parteitag auf Attacke - und wird belohnt.
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Mülheim an der RuhrSeine Rede dauert noch keine 20 Sekunden, da hat Norbert Röttgen sein Thema gefunden und den Saal auf seiner Seite: Rot-Grün, das müsse man hier gleich am Anfang sagen, „ist gescheitert“. Sie hätten ihre Chance gehabt, „sie haben sie nicht genutzt“. Die Regierung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sei untätig, „eine Regierung im kollektiven Koma, eine Regierung der Ideenlosigkeit“. Und Krafts Kabinett sei eine „Ansammlung namenloser Inkompetenz“. Der Finanzminister etwa könne gar nicht so viel einnehmen, wie er ausgibt, der Wirtschaftsminister betreibe „eine originelle Form der Selbstauflösung“, und die Wissenschaftsministerin „zählt Atomkügelchen in Jülich“.

Für die scharfe Attacke erntet Röttgen zum einen Beifall. Zum anderen erhält er auf der Landesvertreterversammlung in Mülheim an der Ruhr rund 96 Prozent der Stimmen. 238 von 248 Delegierten stimmten mit Ja. Die
Christdemokraten verfehlten damit nur knapp das Beispiel von SPD, FDP und Grünen, die ihr Spitzenpersonal mit überwältigenden Ergebnissen von mehr als 98 Prozent ausgestattet hatten.

Von den 248 Delegierten votierten neun gegen Röttgen, es gab eine Enthaltung. Die CDU stärkte Röttgen damit den Rücken und setzte ein Signal gegen die wochenlangen innerparteilichen Querelen.

Vergessen ist die Kritik an seinen Personalvorschlägen. Der Vorsitzende des Parteibezirks Mittelrhein, Axel Voss, hatte in seinem Zeitungsbericht dazu aufgerufen, die gesamte Kandidatenliste für die Landtagswahl abzulehnen.

Ausgeblendet sind die parteiinternen Angriffe auf Röttgen wegen dessen Beiträge in der Debatte um eine mögliche Anhebung der Pendlerpauschale. Der ehemalige Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, Werner Marnette, hatte Röttgen, scharf kritisiert: „Als Liebling der Kanzlerin müsste er eine Erhöhung der Pauschale ablehnen.  Aber als hinterher hechelnder Stimmenfänger in NRW muss er sich dafür aussprechen, weil dies beim benzinpreisgeschädigten Wähler gut ankommt.“

Nichts zu hören ist mehr von der langen Debatte in der nordrhein-westfälischen CDU über Röttgens fehlendes Bekenntnis, auch im Falle einer Wahlniederlage in Düsseldorf zu bleiben und dafür seine bundespolitische Karriere aufzugeben. In seiner Rede vor der Wahl geht der CDU-Landeschef auf die Diskussionen nicht ein.

Kommentare zu " Norbert Röttgen: Der Zauderer greift an"

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  • Herr Herr Röttgen wird die Wahl haushoch gewinnen. Es stimmt schon, dass die SPD und die Grünen nicht mit Geld umgehen können. Wie kann man es erklären, dass ein SPD-Finanzminister in NRW nicht in der Lage ist, einen Haushalt aufzustellen! Die SPD kann nur Geld verteilen, aber mit weiteren Schulden. Die SPD kann jetzt dem Wähler erklären, wie der Haushalt für das Jahr 2012 aussieht?
    Wie blöd muss ein Wähler sein, nochmals SPD/Grüne zu wählen? Dummheit wählt rot/grün.

  • Von der Uni in den Bundestag. Immer auf Staatskosten gelebt und der will den Bürgen etwas vom Sparen erzählen.
    Wie blöd muss man sein dieses Karrieristen-Duo Lindner/Röttgen zu wählen!

  • Wie unterscheidetet sich Röttgen übrhaupt von Johannes Remmel? Johannes Remmel ist Klimaschutzminister in NRW und Röttgen will demnächst eine Energiewende- und Klimaschutzministerium in NRW schaffen für sein Ziel Energiewende. Das bedeutet noch mehr kostenintensive Photovoltaik und Windkraftenergie. Noch mehr Belastungen für Verbraucher und Industrie. Die liquidieren unseren Industriestandort in NRW völlig um das Klima in 500 Jahren zu "retten".
    Meinetwegen können die Schwarzen demnächst als Juniorpartner mit den Grünen koalieren. Ich werde die CDU jedenfalls nicht mehr wählen.

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