NRW-Landtagswahl

Hannelore Kraft siegt in NRW

Hannelore Kraft und die SPD haben die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gewonnen. Gemeinsam mit den Grünen verfügt sie nun über eine satte Mehrheit. Auch die FDP und die Piraten feiern - ganz im Gegensatz zur CDU.
Update: 14.05.2012 - 07:30 Uhr 41 Kommentare

Hannelore Kraft zu Tränen gerührt

Düsseldorf/BerlinKantersieg für Rot-Grün, historisches Fiasko für die CDU, Triumph für die FDP: Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen haben Sozialdemokraten und Grüne die bisher fehlende Mehrheit klar geholt - und ein dramatisches Warnsignal für Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gesetzt. SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft kann nun nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis auf stabiler Basis weiterregieren.

Dem vorläufigen amtlichen Endergebnis zufolge, das die Landeswahleiterin in der Nacht zum Montag bekannt gab, verbesserte sich Krafts SPD bei der Landtagswahl am Sonntag auf 39,1 Prozent. Die SPD ist damit erstmals seit zwölf Jahren wieder stärkste Partei in NRW. Ihr Koalitionspartner Grüne kam auf 11,3 Prozent.

Die CDU erreichte nur noch 26,3 Prozent - ihr mit Abstand schlechtestes Ergebnis in Nordrhein-Westfalen überhaupt. Die FDP mit ihrem Spitzenkandidaten Christian Lindner legt auf 8,6 Prozent zu. Die Piratenpartei zieht mit 7,8 Prozent erstmals in den Düsseldorfer Landtag ein. Die Linke scheitert mit 2,5 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde.

Dem vorläufigen Endergebnis zufolge erhält die SPD im Landtag 99 Mandate, die Grünen stellen 29 Abgeordnete. Eine rot-grüne Koalition würde mit 128 Sitzen über eine klare Mehrheit im Landtag verfügen. Die CDU erhält 67 Sitze, die FDP 22 Sitze, die Piratenpartei 20 Sitze.

Die CDU von Norbert Röttgen stürzt auf ihr Rekordtief an Rhein und Ruhr, der Spitzenkandidat tritt als Landeschef zurück. Die im Bund schwer angeschlagene FDP mit ihrem Hoffnungsträger Christian Lindner kehrt noch deutlicher als vor einer Woche in Schleswig-Holstein in die Erfolgsspur zurück. Die Piraten ziehen zum vierten Mal in Folge in ein Landesparlament ein. Die Linke ist raus.

Die Abstimmung im bevölkerungsreichsten Bundesland mit 13,2 Millionen Wahlberechtigten ist dieses Jahr das wichtigste Signal vor der Bundestagswahl im Herbst 2013. Der Aufwind für die rot-grüne Opposition bei der „kleinen Bundestagswahl“ dürfte es Kanzlerin Merkel und ihrer schwarz-gelben Koalition noch schwerer machen - auch wenn sich im Bundesrat praktisch nichts ändert.

Jubel, Trubel, Einsamkeit
Kraft of the SPD celebrates her victory with husband Udo and son Jan in the NRW state elections in Duesseldorf
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Die Wahlsiegerin Hannelore Kraft feiert mit ihren beiden Männer: Ehemann Udo (links) und Sohn Jan. Mit Tränen in den Augen dankt die Spitzenkandidatin der SPD später ihren Anhängern.

Landtagswahl Nordrhein-Westfalen
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Die Sozialdemokraten sind angesichts der großen Vorsprungs vor der CDU kaum zu halten. In Düsseldorf hörten man nur noch „ Hannelore, Hannelore“. Die Nacht im Szeneklub 3001 wird lang - denn „so sehen Sieger aus...“

Landtagswahl Nordrhein-Westfalen - SPD - Grüne
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Auch der Koalitionspartner freut sich vor allem über das Ergebnis für SPD. Die beiden Spitzenfrauen Kraft und Löhrmann können weiter zusammenarbeiten - diesmal sogar mit einer Mehrheit. Und dieses Bündnis scheint auch auf persönlicher Ebene zu funktionieren.

An abandoned tent for an election party of German Environment Minister Norbert Roettgen, top candidate of the Christian Democratic Union party (CDU) is seen following the NRW federal state election in Duesseldorf
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Ganz andere Szenen spielen sich bei der Wahlparty der CDU ab. Die Mitglieder der Union suchen nach dem desaströsen Ergebnis das Weite. Kaum jemand hält es lange auf der Wahlparty in Düsseldorf aus, die Zelte und Stehtische sind schnelle verwaist.

Landtagswahlen Nordrhein-Westfalen
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Ein Bild mit Symbolkraft: Kurz vor der Analyse im Wahlstudio ist Hannelore Kraft völlig gelöst. Norbert Röttgen straft zumindest in diesem Fall einige seiner Kritiker Lügen. Im Wahlkampf habe er seine Gefühle nicht in Spiel gebracht - heute sieht man ihm seine Stimmungslage jedoch genau an.

Landtagswahlen Nordrhein-Westfalen FDP
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Die FDP konnte zwar nicht annähernd so viele Prozentpunkte erreichen wie die Union, doch die Stimmung hätte bei den Liberalen nicht besser sein können. Spitzenkandidat Christian Lindner hat die Partei von Zwei-Prozent-Stimmungstief befreit und feiert den Erfolg mit seinen Anhängern. Seine Popularität könnte nun für Parteichef Rösler zum großen Problem werden.

Landtagswahl Nordrhein-Westfalen
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Dieses Bild war vor ein paar Monaten noch undenkbar: jubelnde Liberale. Doch die Auferstehung ist geglückt - und die Erleichterung deshalb umso größer. Viele hatten die FDP eher im Bereich „Sonstige“ als im Düsseldorfer Landtag vermutet.

Kraft sagte: "Ich freue mich darüber, dass wir mit Rot-Grün weitermachen können, das war unser Ziel." Für die Bundestagswahl bedeute das Wahlergebnis in Nordrhein-Westfalen ein klares Signal für Rot-Grün. Sie selbst denke aber nicht daran, nach Berlin zu gehen. "Im Bund rufen immer schon einige, darüber freue ich mich auch, das ist auch eine Ehre für mich", sagte die 50-Jährige. "Aber ich habe meine Aufgabe hier. Mein Wort gilt."

SPD-Chef Sigmar Gabriel betonte indes in Berlin: "Natürlich ist das so, dass ein so überzeugendes Ergebnis dazu führt, dass sie eine denkbare Kanzlerkandidatin wäre." Wenn Kraft aber Nein sage, dann habe dies Geltung.

SPD und Grüne in Berlin werteten das Düsseldorfer Ergebnis als Signal für den Bund. Das sei eine "krachende Niederlage" für Bundeskanzlerin Angela Merkel, sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. Auch Grünen-Chef Cem Özdemir sprach von einer "klaren Ansage" auch für Berlin. "Für uns ist das Rückenwind", sagte Özdemir im ZDF. "Der Wechsel ist 2013 möglich. Jetzt liegt es an uns, was wir daraus machen."

Für Grünen-Chefin Claudia Roth ist Rot-Grün „möglich im Bund“ - auch Merkels Politik sei abgewählt worden. Die Forschungsgruppe Wahlen befand in ihrer Analyse, in NRW habe Rot-Grün gezeigt, dass trotz Konkurrenz durch die Piraten eine Mehrheit jenseits von Schwarz-Gelb möglich sei. Das Ergebnis sage aber „noch lange nichts darüber aus, wie die Bundestagswahl ausgeht“. Ähnlich sah es Röttgen: „Ich glaube, dass im Bund die Lage eine andere ist.“ In Schleswig-Holstein hatte es für SPD und Grünen zusammen noch nicht ganz gereicht, dort läuft es derzeit auf ein Dreierbündnis mit dem Südschleswigschen Wählerverband SSW hinaus.

Rot-Grün kann bis zu 30 Mandate hinzugewinnen
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41 Kommentare zu "NRW-Landtagswahl: Krafts Kalkül geht voll auf"

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  • @Merkel-Waehler-sind-dumm

    Glauben sie, dass die zur Zeit größten Probleme Europas seit dem 2. Weltkrieg keine Rolle bei einer NRW-Wahl spielen? Merkel hat jetzt das Problem, dass Schröder auch hatte. Bloß in der Gegenrichtung. Merkel ist mit der illegalen Übernahme von Schulden Südeuropas so weit links, dass fast schon "Die Linke" zustimmen könnte (von SPD und Grüne ganz zu schweigen).

    Durch Schröder wurde der Geldhahn für die eigenen Armen zugedreht, damit dann Reiche in Südeuropa keine Steuern mehr zahlen müßen. Den ersten Teil hat Schröder erledigt, den zweiten Teil will Merkel auf einer beispiellosen dreisten und illegalen Art durchboxen. Deshalb ist die CDU nur noch Abschaum und deshalb wählt die keiner mehr!

  • @ flodders,
    nachdem der Landtag sich im Feb 2012 mehrheitlich die Diäten um 500 EURO/Monat erhöht hatte, um sich im März aufzulösen, ist wohl davon auszugehen, dass die nun größere Mehrheit der Volksvertreter dem Bürger ebenfalls 500 EURO/Monat aus den Steuerhaushalt zugesteht - oder?!

  • Es ist schon seltsam,bei Wahlen in Deutschland.Noch vor Wochen
    lag die FDP noch nicht bei 2%, am Tag der Wahl plötzlich über 8%. Das gleiche war ja auch in Schleswig-Holstein zu beobachten. Wäre es nicht Zeit, auch internationale Wahlbeobachter in Deutschland einzusetzenen? Zum Wahlverhalten kann man nur sagen, die Metzger haben sie selbst gewählt, obwohl man nicht mehr weiß,wen man Wählen soll.Aber die Grünen und Piraten, da kann man nur noch den
    Kopf schütteln.Deutschland schafft sich eben ab.

  • Drohungs und Einschüchterungsversuche wie seit 1998 anhaltend damit nicht eggen den Drogenabhängigen in Bad Homburg ausgesagt wird-

    http://img801.imageshack.us/img801/5235/201205130815fenster.jpg

  • SP i das die Mädels die bei Scheidungsfolgekosten BAFÖG Betrügen aus Frankfurt/Main Goldstein. - Kennen aber den Untershcied zwischen unverheiratet und Verheiratet nicht wie dei betrügerin Birgit Meissner von Schulze Fische Backhausen.

  • Tot für merkozy, - es lebe (Merk)Hollandes!
    Ein anderer Wind bläst Merkel ins Gesicht, eine andere
    Epoche hat begonnen, - sie ist wieder mal zu spät gekommen,
    und den Rest, kennt sie, als Kind des Kommunismus wohl
    am allerbesten .

  • Ach ja, liebes HB, ich bin entsetzt:

    Habt Ihr kein Bild von Frau Kraft auftreiben können, wo sie mit einer fetten schwarz-behaarten Warze auf der Nase einen Besen reitet?????

    Das würde sich doch toll neben dem "Quartalsirren" Hollande machen.

  • Rainer

    >> Vergessen sie nicht den "Nichtwähler"(stärkste Partei)

    Nichts für ungut, aber man kann sich die Dinge nicht so drehen, wie man sie halt so braucht: Gerine Wahlbeteiligungen sind in der Regel immer die Grundvoraussetzung für den Wahlerfolg populistischer Parteien.

    Nur, ahem, wie passt das zu den 1.4% für ProNRW???

    Ich bin kein Soz, ich würde die nie wählen, aber die Frau Kraft hat da einen geradezu triumphalen Wahlerfolg hingelegt, der läßt sich auch nicht mit Spökenkiekerei kleinreden.

    Das muss der Neid ihr lassen, wie man so schön sagt. Ich kann mir auch über das Ergebnis von Lindner freuen, und die würde ich ja nun wirklich nicht ums Verrecken wählen.

    Wahlen sind nun mal kein "Krieg", eher so etwas wie eine Bundesliga und diesmal ging der Pokal halt an die Dortmunder und die Bayern gucken dumm mit einem 2:5 in die Wäsche. Das nächste mal, mal sehen ...

    Kurz, ein erfreuliches Wochenende.

  • KG Sturm

    präzise beschrieben.

    Aber: Man kann denen das über ein halbes Jahr lang fast Tag für Tag erzählen - die kapieren das immer noch und denken, SIE seien Deutschland.

    Sind sie aber nicht und deshalb stimmt Ihr "Armes Deutschland" nicht. Das hier sind nur halbbetrunkene Stammtischschwätzer.

    "Der" Deutsche, der hat ltztes Jahr bewiesen, daß er sich von diesen Schmalspurirren nicht ins Bockshorn jagen läßt, keine EURO-Panik-Attacken bekommt und vollkommen unerregt hofft, daß alles schon irgendwie gut geht.

    "Der" Deutsche ist mittlerweile so cool, daß man in absehbarer Zeit damit rechnen kann, daß wir hier - nein nicht die Scharia - die SIESTA einführen werden, damit für die Freund ein Südeuropa noch was an Arbeit übrigbleibt ;-)

    Ein schöner Tag. Danke FDP! Ohne Euch hätten die in NRW nicht wählen dürfen und jetzt wissen sowohl die CDU als auch die Linke, wohin der Zug fährt ...

  • Grauenhaft, wenn man sich hier durch die Kommentare liest könnte einem nur noch schlecht werden. Alle sind blöde, Politiker sowieso, niemand kann man vertrauen, ich weiß sowieso alles besser, ihr werdet schon sehen was ihr davon habt, meine Steuern werden sinnlos verschwendet, usw. Jetzt denke ich an folgendes Sprichwort: Bevor jemand den Kopf schüttelt, sollte er darüber nachdenken ob er einen hat. Armes Deutschland, das sind die Wähler auf die wir stolz sein können. Es sind die selben die noch niemals eine Gemeinde- oder Stadtratssitzung besucht haben.

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