NRW-Wahl
Röttgen, der Hasardeur

Der CDU-Spitzenkandidat in Nordrhein-Westfalen ist angezählt, bevor er durchstartet: Weil er sich nicht ohne Wenn und Aber für Düsseldorf entscheidet, wirkt sein Wahlkampf unglaubwürdig. Er versucht es trotzdem.
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DüsseldorfVon der Alternative „Berlin oder Düsseldorf“ will Norbert Röttgen nichts mehr hören. Keine Fragen von Journalisten, und auch keine Beiträge seiner Vorstandskollegen. „Wir hatten im Landesvorstand lange kontrovers diskutiert, aber jetzt ist Kampfzeit“, begründet der CDU-Spitzenkandidat für die Wahl in Nordrhein-Westfalen die Tatsache, dass er jede Personaldebatte unterbunden hat. Und er weiß, welches Risiko er damit eingeht: „Es gibt eine Linie – und derjenige, der sie entschieden hat, übernimmt die volle Verantwortung“.

Politik und Medien in Düsseldorf und Berlin debattieren Röttgens persönliche Karriereplanung, doch der Bundesumweltminister kämpft. Ganz allein und nicht zuletzt gegen die eigene Kanzlerin.

Für diesen Dienstag hatte er kurzfristig zu einer Pressekonferenz eingeladen, um „das erste Mitglied seiner Regierungsmannschaft“ zu präsentieren. Noch am Vortag war debattiert worden, ob womöglich der frühere Unionsfraktionschef und Merkel-Widersacher Friedrich Merz als Schwergewicht in Röttgens Schattenkabinett einzieht.

Doch jetzt präsentiert Röttgen seine Anwärterin für den Posten der Ministerin für Bundesangelegenheiten und Europa in der Staatskanzlei: die Staatssekretärin und nur Experten bekannte Ursula Heinen-Esser. Dieser Vorschlag, so sagt  Röttgen ganz im Ernst, spreche dafür, „wie gut die CDU personell und inhaltlich für die Regierungsübernahme aufgestellt“ sei. Zum Thema Merz fällt kein Wort.

Danach hagelt es Fragen. Und die muss Röttgen allein beantworten. Mache es ihn nicht stutzig, dass auch Vertreter des eigenen Lagers eine klare Ansage erwarten, im Falle der Niederlage als Oppositionsführer in Düsseldorf zu bleiben und das Amt des Bundesumweltministers aufzugeben? So wird der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach zitiert, der in der NRW-Landesgruppe gesagt hatte, eine Festlegung Röttgens würde die Siegeschancen am 13. Mai deutlich verbessern.

Nein. Röttgen zögert längst nicht mehr, er kämpft. Gegen alle Widerstände. Fast schon trotzig räumt „Muttis Schlauster“ indirekt ein, auch von der Kanzlerin Angela Merkel in Richtung Düsseldorf gedrängt worden zu sein. Aber „wie die Grünen nicht machen, was Trittin will“, so entscheide die CDU in Nordrhein-Westfalen „ganz allein und eigenständig“.

Kommentare zu " NRW-Wahl: Röttgen, der Hasardeur"

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  • Röttgen arbeitet mit Hochdruck auf das Ende seiner Polirkarriere zu. Der Druck der Öffentlichkeit, der Partei, der Medien und der politischen Gegner wird ihn am Ende dazu zwingen, sich zu entscheiden. Tut er es trotzdem nicht, wird er eine verheerende Niederlage kassieren, sodass er auch bundespolitisch nicht mehr zu halten sein wird. Dann haben wir diesen gestriegelten aalglatten Karrieristen endlich los.

  • um was geht es ? um NRW und deren Bürger oder um das Machtgehabe von der Person Röttgen und der schwarzen Partei.

  • Die CDU hat schon verloren
    Wer einen solche arroganten nichtssagenden Typen der nru an seinem eigenen Wohlergehen interessiert ist, zum Spitzenkandidaten kürt, ist selbst Schuld.

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