Piraten im Aufwind
„Morgen ist der Bundestag dran“

Mit großer Euphorie feiern die Piraten ihr Wahlergebnis in Nordrhein-Westfalen in einer alten Fabrikhalle. Dabei legen sie alle Bescheidenheit ab. Und das nächste große Ziel ist schon klar.
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DüsseldorfSchon vor der Verkündung des Wahlergebnisses bereitet das Organisationsteam der Piraten die Gäste der Wahlparty auf die erste Hochrechnung vor. „Wir müssen den anderen zeigen, dass wir die geilsten überhaupt sind,“ ruft ein Pirat von der Bühne in den Saal. Deshalb sollen alle Gäste um 18 Uhr, wenn die Fernsehteams ihre Live-Schalte zum Parteitag machen, sich am Balken vor der Bühne versammeln.

Während die meisten Piraten draußen grillen, sind im Partysaal zunächst mehr Journalisten als Piraten. Doch je näher die erste Hochrechnung rückt, desto mehr Piraten drängen sich vor der Bühne. Neben ihr prangt ein großes schwarzes Plakat mit einem Piratenschiff und dem Slogan „Sailling through political Hell“. Große silberne Rohre an der Decke zeugen davon, dass der Saal hier im Zakk in Düsseldorf früher eine Fabrikhalle war. 

Viele Gäste haben sich für den Abend in orange und schwarz - den Farben der Piraten – gekleidet. Ein Mann trägt einen schwarzen Anzug mit orangem Hemd und schwarzer Krawatte. Ein anderer hat sich die Haare orange gefärbt. Die exotischsten Exemplare posieren schon vor den Kameras. Zum Beispiel ein Pirat mit einem Hanf T-Shirt und Rastalocken.

Dann ist es soweit. Lauter Jubel setzt ein, die Gäste reißen die Arme in die Luft, und orange Luftballons fliegen durch die Luft. Auf der Leinwand erscheint das Ergebnis der Piraten. Mit rund acht Prozent der Stimmen zieht die noch so junge Partei locker in den Landtag ein, der dritte in Folge. Der Jubel ist groß, doch bei manchen beginnt nun ein kurzes Bangen.

„Oh, das wird knapp,“ ist die erste Reaktion von Robert Stein. Der 33-jährige Unternehmer  kandidiert auf dem 15. Listenplatz. Damit er sicher in den Landtag kommt, müssen die Piraten fast acht Prozent erreichen. Je nachdem, wie viele Direktmandate die SPD bekommt. Stein will noch nicht ganz glauben, dass er es geschafft hat.

Als der Landesvorsitzende Michele Marsching auf die Bühne ans Mikro tritt, hat er feuchte Augen. Er bedankt sich für einen „geilen Wahlkampf.“  „Wir haben heute Geschichte geschrieben,“ ruft Marsching in den Saal.  Vor zwei Jahren habe es niemand für möglich gehalten, dass es den Piraten gelingen würde, in den Landtag einzuziehen.

Auch der Spitzenkandidat der Piraten, Joachim Paul, legt auf der Bühne jegliche Zurückhaltung ab. „Die Zukunft der Demokratie liegt in Nordrhein-Westfalen,“ ruft er und setzt im nächsten Satz noch einen drauf. „Morgen ist der Bundestag dran.“ Die Wählerinnen und Wähler hätten bestellt, ab morgen werde geliefert. Dann bittet Paul alle Kandidaten auf die Bühne. Dort heben sie ihre Hände für eine La Ola und lassen sich feiern.

Auch Robert Stein ist auf der Bühne. Inzwischen hat sich die Anspannung bei ihm schon etwas gelegt. Es dauert nicht mehr lange bis auch er die Gewissheit hat, dass er im nächsten Landtag vertreten ist.

Im Unterschied zu Robert Stein war ein anderer Pirat schon vor der Verkündung des Wahlergebnisses ganz relaxt. Für den Wahlmanager der Piratenpartei, Lukas Lamla, war es heute der erste Tag seit ganz langer Zeit, an dem er ruhig schlafen konnte. Der 28-jährige Berufsfeuerwehrmann hat den Wahlkampf der Piraten organisiert und war dafür zwei Monate im Dauereinsatz. Umso erleichterter war er schon heute Nachmittag. „Heute bin ich mit dem Gefühl aufgewacht, dass ich am Ergebnis nichts mehr ändern kann. Das war sehr beruhigend.“

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent

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  • Nun mal langsam mit den jungen Pferden.

    Die wesentlichen Wählerstimmen kommen von Protestwählern. Einst hat davon die Linke provitiert, sie hat nicht geliefert und nun ist das Interesse weg. Einen kleinen Knick in der Wählergunst gab es für die Piraten jetzt schon bei der NRW-Wahl.
    Wenn bis zur Bundestagswahl kein schlüssiges Konzept für Deutschland vorliegt, werden Träume platzen.
    Selbst wenn die Piraten ein schlüssiges Konzept erarbeiten würden, so werden sie aufgrund ihrer Transparenz erfahren, daß die Union aus Altpiraten besteht und die sich im Ideenklau bestens auskennen.

  • Das ist ja leider eine sehr tendenziöse Berichterstattung. Das Programm sollte sich der Autor auch noch einmal durchlesen, da steht deutlich mehr und deutlich sinnvolleres, als das Handelsblatt einem hier glauben machen will. Es spricht eher die Angst vor diesem unverstandenen Phänomen aus dem Artikel und die ist begründet: Die Freiheit wird sich durchsetzen und ist in unserem demokratischen Land zum Glück nicht so leicht aufzuhalten.

  • Ist es nicht der vierte Landtag in Folge?

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