Schlussspurt der SPD
„Dieses Mal gewinnen wir“

Vor der Wahl am Sonntag strotzt die SPD vor Selbstbewusstsein. In der Bochumer Jahrhunderthalle lässt sich Hannelore Kraft bereits wie eine Siegerin feiern. Die Alphatiere der SPD-Troika wirken neben ihr wie Statisten.
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BochumEs ist ein bisschen wie bei „Wetten dass..?“. Am Ende stehen alle gemeinsam auf der Bühne, die Bergleute in ihren schwarzen Knappen-Uniformen, die jugendlichen Tänzer, die Akrobatengruppe, und klatschen im Takt der wummernden Bässe. Geschenke werden überreicht, Küsschen verteilt und in der Mitte steht ein strahlender Blondschopf. Nur dass der nicht Thomas Gottschalk, sondern Hannelore Kraft heißt und sich auch nicht von Heidi Klum herzen lässt, sondern mit Sigmar Gabriel Vorlieb nehmen muss.

Die SPD zelebriert den krönenden Abschluss einer zweimonatigen Phase, die als „Turbo-Wahlkampf“ in die Landesgeschichte Nordrhein-Westfalens eingehen wird. Sie hat dazu nach Bochum eingeladen, in die „Herzkammer der Sozialdemokratie“, wie Parteichef Sigmar Gabriel es formuliert. Zum Schlussspurt hat die Partei alles aufgeboten, was in ihr Rang und Namen hat: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck, die ostdeutsche Vorzeigefrau Manuela Schwesig und natürlich die Troika der potenziellen Kanzlerkandidaten, zu der neben Gabriel auch Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und der frühere NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück gehören.

Wer auf einen großen Auftritt des Männer-Trios gehofft hatte, wird enttäuscht – an diesem Abend soll die ganze Aufmerksamkeit Hannelore Kraft gelten. Für die Wahlkämpferin aus Mülheim ist sich selbst SPD-Chef Gabriel nicht zu schade, den Einheizer zu spielen. „Begrüßt mit mir die bisherige und neue Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft“, ruft er in das Mikrofon, und die Genossen im Publikum jubeln.

Die Sozialdemokraten in NRW strotzen nur so vor Selbstbewusstsein. So groß wie vor dieser Wahl war ihre Zuversicht schon lange nicht mehr. 2010 hatte sich die SPD ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CDU geliefert, fünf Jahre zuvor hatte Peer Steinbrück eine krachende Niederlage eingefahren. Vergessen und vorbei, in diesem Jahr stellt sich die Partei ganz auf Sieg ein. „Letztes Mal hat die SPD gewonnen, weil die Menschen den Rüttgers leid waren“, sagt Gabriel, „dieses Mal gewinnen wir, weil sie Hannelore Kraft wollen.“

Letzte Umfragen sehen die SPD bei 37 Prozent, die CDU unter Herausforderer Röttgen liegt weit abgeschlagen bei gerade einmal 30 Prozent. Und der Abstand wurde in den vergangenen Tagen wieder größer. Der Vorsprung weckt riesige Erwartungen – was für die SPD nicht ohne Risiko ist. Denn sollte es am Wahlabend nicht für Rot-grün reichen, wäre das für die Genossen eine herbe Enttäuschung. Zwar könnte Hannelore Kraft wohl weiterregieren, entweder mit einer großen Koalition, oder mit einem Ampel-Bündnis, doch bliebe das so dringend erhoffte Aufbruchsignal für den Bund aus. Gabriel weiß um dieses Risiko. „Wir dürfen uns nicht zu sicher fühlen“, sagt der SPD-Chef und appelliert er an die Parteianhänger, am Sonntag auch zur Wahl zu gehen. „Erst wählen gehen, dann die Blumen kaufen, denn am Sonntag ist auch Landesmuttertag.“

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Kraft entschuldigt sich bei ihrer Mutter

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  • "Man kann zu Schröder stehen wir man will, die Agenda 2010 war nötig"

    Nein.
    Im Gegenteil.
    Sie diente ausschlißelich dazu, die Arbeitnehmerrechte auszuhöhlen, abzubauen und zu vernichten. Rechte, für die Arbeiter teilweise über 200 Jahre gekämpft hatten.
    Während die Arbeitnehmerrechte von Schröder mit einem Federstrich ausradiert wurden, senkte man den Spitzensteursatz und sorgte dafür, dass Arbeitnehmer heute versuchen müssen von Löhnen zu existieren, die das Wort nicht wert sind: LOHN.

    Schröder von der SPD war es, der den Sozialstaat zerstört hat.

    Heute haben wir ausschließlich Raubtierkapitalismus!
    Und während der Gummistiefel Schröder dem Volk vollkommen zu unrecht eine "Mitnahmementalität" vorwarf, setzte er sich selbst an die Spitze von Gasprom!- TOLLE MIT-NAHME-LEISTUNG!

  • Richtig.
    Man kann keine der etablierten Parteien mehr wählen.
    Sie wollen alle den Deutschland vernichtenden ESM und Fiskalpakt. Es sind allesamt Hochverräter!

  • Lindner hat bislang überall versagt, siehe Moomax GmbH, nach Insovenz ein Verlust von 1,2 Millionen Euro, oder sein Versagen in der Werbeagentur, bei der er selbst Mitbegründer war.
    Die FDP, die bei "mehr Netto vom Brutto" ausschließlich die Hoteliers meinte, die bevorzugt wurden, weil deren Spenden für die FDP so reichhaltig ausfielen.
    Ausgerechnet dieser durch und durch unfähigen Arbeitgeberpartei wollen Sie Ihre Stimme geben?
    Dann gute Nacht!
    Ich kann es nicht fassen.

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