Spitzenkandidat in NRW
„Keine Rückfahrkarte für Röttgen nach Berlin“

Bundesumweltminister Röttgen gerät immer stärker unter Druck, seine Karriere ganz auf den wichtigen NRW-Wahlkampf auszurichten. Kein geringerer als CSU-Chef Seehofer trommelt für Röttgens Verbleib in Düsseldorf.
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BerlinBundesumweltminister Norbert Röttgen muss sich nach Ansicht führender Unionspolitiker zwischen einer politischen Karriere in Berlin und Düsseldorf entscheiden. Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer rief Röttgen dazu auf, auch als Oppositionsführer nach Nordrhein-Westfalen zu wechseln. „Wenn ich mich einer Aufgabe verschreibe, dann ohne Rückfahrkarte“, sagte Seehofer der „Süddeutschen Zeitung“.

Der Bundesumweltminister hat bislang offen gelassen, was er im Fall einer Wahlniederlage tun will. Seehofer sagte, er selbst habe in seiner politischen Karriere Sicherheiten aufgeben müssen, das gehöre nach seinem Verständnis dazu. „Ich bin der Meinung - voll für NRW“, sagte der CSU-Chef. Seehofer war im unionsinternen Streit um die Gesundheitspolitik im Jahr 2004 als Vizefraktionschef zurückgetreten und hatte den Vorsitz des Sozialverbandes VdK Bayern übernommen.

Der Vizechef der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Fuchs (CDU), rief Röttgen auf, sich die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner zum Vorbild zu nehmen. Klöckner habe gezeigt, „dass es sich lohnt, sich voll auf ein Land zu konzentrieren“, sagte Fuchs der „Saarbrücker Zeitung“. „Das wird sich für Klöckner rechnen, und das wünsche ich Norbert Röttgen auch“, fügte Fuchs hinzu. Klöckner hatte als CDU-Spitzenkandidatin ihr Amt der parlamentarischen Staatssekretärin in Berlin aufgegeben und war im vergangenen Jahr ganz nach Mainz gewechselt. Auch nach der knappen Wahlniederlage im vorigen Jahr blieb sie in Mainz und wurde Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion.

Auch der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Joachim Pfeiffer, forderte ein dauerhaftes Engagement Röttgens in Düsseldorf. „Eine Chance, in Nordrhein-Westfalen zu gewinnen, hat nur ein Kandidat, der sich ganz und gar der Sache verschreibt“, sagte er. Pfeiffer nannte den früheren Bundesarbeitsminister und nordrhein-westfälischen CDU-Vorsitzenden Norbert Blüm als abschreckendes Beispiel. Diesem sei es nie gelungen, eine Landtagswahl zu gewinnen. „Es hilft unserer Sache nicht, wenn man Wahlen halbherzig angeht“, sagte Pfeiffer.

Der energiepolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Thomas Bareiß (beide CDU), wies die Forderungen dagegen zurück. „Ich halte es nicht für klug, Herrn Röttgen öffentlich Ratschläge zu geben“, sagte Bareiß Handelsblatt Online. „Er muss selber wissen, wie er sich entscheidet, schließlich muss er dafür auch die Verantwortung tragen.“ Bareiß hält es zudem trotz des anstehenden NRW-Wahlkampfs für verkraftbar, dass der für die Energiewende zuständige Minister Röttgen kurzzeitig ausfällt. “Ich sehe keine Gefahr für das große Projekt Energiewende“, sagte der CDU-Politiker. Das Thema sei wie ein „großer Dampfer, der fährt und fährt und auch nicht durch einen Wahlkampf aufzuhalten ist“.

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  • Gut, daß der endlich weg ist. Im Ruhrgebiet gibt es viele Posten und Pöstchen.
    Geboren, Politiker geworden, gestorben. Ganz kleine Nummer.

  • Nach der Wahl kann Herr Röttgen ja zu den Grünen wechseln und Industrieverhinderungsminister werden.

    NRW folgt Berlin --> Arm aber s****!

  • Röttgens Ambitionen mal das Kanzleramt zu beherrschen, sind doch bekannt. Und das kann Merkel doch nun nicht zulassen
    Desweiteren ist er ja alles andere als ein CDU-Mann, sondern eher ein Grüner
    Und außerdem ein absoluter Ehrgeizling, der glaubt, ohne ihn ginge nichts.
    Schon dass er Parteivorsitzender der NRW-CDU wurde, aber gar nicht anwesend war
    Diesen aalglatten Typ wird keiner vermissen, egal wo

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