Wahlkampf live
Willkommen im Piraten-Hauptquartier

Vor einer Woche haben die NRW-Piraten ihre Wahlkampfzentrale in Essen bezogen. Ein anonymer Spender hat der Partei die Räume bis zur Wahl überlassen. Handelsblatt Online hat einen Blick hinter die Kulissen geworfen.
  • 48

EssenDie Piratenpartei kann sich derzeit vor den Anfragen von Lobbyisten kaum retten. „Wer von euch möchte denn zur Podiumsdiskussion beim Bundesverband deutscher Milchbauern“, fragt NRW-Landeschef Michele Marsching seine Parteikollegen. Die kleine Runde um Spitzenkandidat Joachim Paul und Wahlkampfmanager Lukas Lamla ist nicht grade begeistert. „Ich habe eine Laktose-Allergie“, murmelt Paul. Ob es nun die Milchbauern sind oder der Interessenverband Jagd - alle interessieren sich für die Meinung der Piraten. Die Wahlkämpfer haben jede Menge Arbeit. 

Vor einer Woche haben sie ihre neue Wahlkampfzentrale im Essener Stadtteil Steele bezogen. Ein anonymer Spender hat den Piraten die Räume bis zu den Wahlen am 13. Mai überlassen. Und so haben sie im obersten Stockwerk des Hauses, in dem sonst Anwälte und Ärzte ihre Praxen haben, Quartier bezogen. Eigentlich sollten die Räume renoviert werden – doch für den Wahlkampf wurden die Renovierungsarbeiten unterbrochen.

Hier in der Dachgeschosswohnung laufen nun alle Fäden im Wahlkampf zusammen: Fast die gesamte Führungsriege der NRW-Piraten ist versammelt - neben Spitzenkandidat Paul, Wahlkampfmanager Lamla und Parteichef Marsching zum Beispiel Simone Brand (Listenplatz 5).  Auch Ines Schorsch packt kräftig mit an. Sie ist die Büroleiterin und bis zum Wahltag ehrenamtlich für die Piraten im Einsatz. „Wir haben das hier auch ein bißchen gemütlich eingerichtet, um Leute zu empfangen“, erzählt sie.

Die 31-Jährige hat zuvor als Beamtin im gehobenen Dienst gearbeitet. Für ihre Parteiarbeit muss sie nun auch Nachtschichten schieben. Ständig klingelt ihr Telefon – bis spät Abends. Um ab und zu wenigstens ein kleines bisschen Ruhe zu haben, will sie sich eine neue Handynummer zulegen. „Ich brauch auch mal Schlaf. Ich habe seit sieben Tagen nicht mehr warm gegessen,“ sagt Schorsch.

Derzeit geht es für die Piraten vor allem darum, genug Unterstützer-Unterschriften für ihre Direktkandidaten zu finden. Die Piratenpartei hat diesmal in allen 128 Wahlkreisen von NRW eigene Direktkandidaten bestimmt – und jeder von ihnen braucht für die Zulassung zur Wahl 100 Unterstützerunterschriften.

Seite 1:

Willkommen im Piraten-Hauptquartier

Seite 2:

Burn-Out Symptome bei Wahlhelfern

Kommentare zu " Wahlkampf live: Willkommen im Piraten-Hauptquartier"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Margritt17888

    "Christlich-kulturelle Feiertage?"

    Also, der Postillon titelte unlängst "Millionen Seutscher sind Jesus dafür dankbar, sich für ein paar freie Tage geopfert zu haben".

    Spatz, Christentum ist _Empathie_, also etwas, was Ihnen - meiner Kenntnis nach - irgendwie abgeht. Christliche Traditionen jenseits der Rituale, an die Sie sich vielleicht klammern mögen, ebenso, die beinhalten die Solidarität mit den Schwächeren.

    Davon kann ich in Ihren Posts nur selten etwas erkennen, also denke ich mal, Sie mißbrauchen das Christentum nur als Abgrenzung gegen "Andersgläubige".

    Die Vorstellungen der Piraten hingegen stehen durchaus in der Tradition des Nazareners, der war im Grunde ein Revolutionär und Kommunist, wollte alles teilen (Flatrate) und war besorgt um die Schwachen (Grundeinkommen).

    Jesus würde die Piraten wählen ...

  • @sirleon

    Sehr schön.

    Ich find's übrigens toll, daß die Piraten für die Freigabe weicher Drogen sind - was die Grünen ja seit drei Jahrzehnten nicht auf die Reihe bekommen.

    Wenn ich in einer der Tankstellen in der Region - und zwar in jeder xbeliebigen - an der Theke stehe, sehe ich überall Rizzla-Papers in Übergröße im Angebot, in einer hier ganz in der Nähe kann man sogar ein Bong-Set kaufen. Daraus schließe ich mal messerscharf, daß hier gekifft wird, bis sich die Balken biegen.

    Weiche Drogen sind also offensichtlich längst Teil des Mainstreams, nur scheint das - warum auch immer - nicht in der Politik angekommen zu sein.

    So gesehen betrachte ich die Praten als "Aufräumer" mit längst obsolet gewordenen Tabus, zwei Spuren radikaler als die Grünen.

    Nur, sorry, wählen könnte ich die erst, wenn sie selbst verstehen würden, in welcher Tradition sie stehen, der "emanzipatorischer Bewegungen". Im Moment sind sie ja noch ein bißchen zu "postmodern", sprich: sie hantieren mit Zeichen, deren Herkunft sie nicht kennen.

    Aber das wird schon noch.

  • Ein PR-Mann?
    Ich bin ein ganz normaler Politik interessierter Bürger.
    Wir können uns auch Herrn Röttgen anschauen.
    Kandidat der CDU für das Amt des Ministerpräsidenten.
    Der richtige Platz für einen Mann, der, wäre es nach seinem Willen gegangen ab 2007 Hauptgeschäftsführer beim BDI tätig werden wollte. Das war von der Wirtschaft ja auch gewünscht. Warum nicht.
    Hätte er nicht darauf bestanden sein Bundestagsmandat trotzt des Postens beim BDI bis zum Ende der Legislaturperiode im Herbst 2009 weiterzuführen. Dass hagelte von allen Seiten auch aus der Wirtschaft heftige Kritik. Darauf hin zog Norbert Röttgen seine Zusage für den Chefposten beim BDI im Juli 2006 zurück und blieb im Bundestag.
    Auch Frau von Dinther kandidiert wieder.
    Also wählbar? Kompetent? Na ja.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%