Wahlkampf NRW
Mutti hilft im Schuldenwahlkampf

Per Hubschrauber fliegt CDU-Chefin Angela Merkel zum Wahlkampfauftakt der Partei in Nordrhein-Westfalen ein. Ein paar aufmunternde Schlagworte für Kandidat Norbert Röttgen, dann ist die Kanzlerin auch schon wieder weg.
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MünsterKurz bevor Angela Merkel zu den wummernden Bässen eines Techno-Beats von Sicherheitsleuten durch die Menge bugsiert wird, reißt doch noch der Himmel auf. Sonne, dann wieder Wolken, wieder ein paar Strahlen Sonne, immerhin kein Regen, sagt Ex-NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann. „Wenn tolle Kanzler reisen, hat auch Münster schönes Wetter“. Aber es ist zu kalt für diese Jahreszeit, dieser Frühlingswahlkampf an Rhein und Ruhr fühlt sich ein wenig an wie Martinssingen im November, und da hätte man jetzt schon gerne etwas Wärmendes, Strahlendes.

Aber das hat auch die Kanzlerin nicht so recht zu bieten, und als sie endlich zur großen Politik kommt, zum Weltlauf, da spricht sie zwar indirekt von so sonnigen Ländern wie  Griechenland, Spanien oder Portugal, aber das wärmt auch nicht, denn: „Es gibt Länder in Europa, die sind gezwungen, harte Maßnahmen durchzuführen, weil sie so fest in den Händen der Finanzmärkte sind, dass sie überhaupt nichts mehr selbst entscheiden können.“ Und das, meint die Kanzlerin, dürfe Deutschland nicht passieren. „Es geht darum, dass wir weiter selbst über unsere Zukunft entscheiden können“.

Willkommen im traditionell schwarz wählenden Münster. Mutti, wie die Kanzlerin und CDU-Chefin im Berliner Politikbetrieb ein wenig despektierlich genannt wird, Mutti hilft im Schuldenwahlkampf der nordrhein-westfälischen CDU. Mit ihr gehen die Christdemokraten in den Schlussspurt bis zur Wahl am 13. Mai. Achtmal wird sie noch an Rhein und Ruhr auftreten, im bevölkerungsreichsten Bundesland, trotz ihres engen Terminkalenders.

Mit dem Hubschrauber ist sie aus Berlin eingeflogen, jetzt spricht sie auf dem Domplatz, Im Hintergrund die Sandstein-Doppeltürme des Münsteraner Doms, gut 2000 Menschen sind gekommen, plus das Übliche: Johlende Jusos und protestierende Atomkraftgegner. Hinter der Menge hat die Junge Union einen Schuldenberg aufgebaut, aufblasbar, sechs, sieben Meter hoch, sieht aus wie eine riesige Hüpfburg, nur würde man direkt abrutschen und unsanft landen, versuchte man, darauf herumzuspringen.

Unsanfte Landung, Absturz, das Bild würde Norbert Röttgen jetzt gefallen, dem Spitzenkandidaten der CDU, der seinen ganzen Wahlkampf auf das Thema Schuldenabbau aufgebaut hat. Das und noch ein bisschen Energiewende. Plus ein paar übliche Politiker-Auf-Auf-Parolen. Wie: Das Land nach vorne bringen. „Wir können die Bayern nicht nur im Fußball schlagen“, ruft Röttgen, und die Menge applaudiert laut und johlt. Dortmund ist nicht weit, dort schießt sich gerade schwarz-gelber Zauberfußball zum zweiten Meistertitel hintereinander,  und der eigene Verein, Preußen Münster, spielt Dritte Liga. Da darf man als Münsteraner schon mal freudig johlen bei so einem schönen Spruch. In Gelsenkirchen hätte sich Röttgen den nicht erlaubt.

Kommentare zu " Wahlkampf NRW: Mutti hilft im Schuldenwahlkampf"

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  • Unsere Mutter Beimer ist sehr streng mit ihren Untertanen. 75% müssen an Steuern und Abgaben und Arbeitgeberanteilen aus ihrem erarbeiteten Geld an Mutti überlassen - Sie weis besser mit dem Geld umzugehen als wir. Mutti Staat lässt uns aber noch ein "Taschengeld" von 25% übrig - davon können wir leben! und... ja eigentlich nur leben eben. Aber Mutti und Onkel Wolfi werdens schon richten, noch ein paar Prozentpunkte Steuern mehr, und schon ist die Euro-Krise gelöst - ihr werdet's erleben wenn ihr nicht vorher auswandert.

  • Frau Merkel muß das Sorgerecht entzogen werden!

  • p.klemme
    vollste Zustimmung. Das hbe ich vor Monaten schon einmal gesagt

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