Wahlkampfaffäre
Ex-Merkel-Sprecher steckt hinter Schmutzkampagne

Die Wahlkampfaffäre wächst sich für die nordrhein-westfälische CDU immer mehr zu einem PR-Desaster aus. Die CDU ist über die ungewollte Schmutzkampagne einer Werbeagentur gegen Ministerpräsidentin Kraft entsetzt.
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Der Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen hat seinen ersten Aufreger: Hinter einer fragwürdigen Internet-Schmutzkampagne gegen NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft steckt ein ehemaliger Sprecher von CDU-Chefin Angela Merkel. Franz-Josef Gemein ist Inhaber der Werbeagentur „Friedsam und Gemein“ mit Sitz in Wiesbaden, die die fragwürdige Kampagne auf dem sozialen Netzwerk Facebook ins Leben gerufen hat. Er war stellvertretender Bundessprecher der CDU von 2000 bis 2002. Gemein ist auch heute noch Mitglied der CDU, bestätigte er Handelsblatt Online; eine Position in der Partei habe er nach seiner Zeit als Sprecher aber nicht mehr innegehabt.

Die Agentur hatte auf Facebook eine Seite unter dem Titel „Weniger Kraft“ freigeschaltet. Darauf sind etliche fragwürdige Motive zu sehen: So wird Ministerpräsidentin Hannelore Kraft mit geöffnetem Schädel gezeigt, aus dem Seifenblasen steigen. Auf einem anderen Plakatmotiv wird die rot-grüne Minderheitsregierung als Stinktier gezeigt. Geschmückt sind die Motive mit dem Logo „Besser Röttgen“ – das in orange gehalten ist, der Farbe der Bundes-CDU.

Die nordrhein-westfälische CDU zeigt sich über die ungewollte Wahlkampfhilfe entsetzt. „Wir lassen prüfen, ob man juristisch dagegen vorgehen kann“, erklärte eine Sprecherin auf Nachfrage von Handelsblatt Online. In Blogs war spekuliert worden, dass die CDU hinter der Kampagne stecke. Die NRW-CDU dementierte umgehend. Die Affäre war durch Blogger ins Rollen gebracht worden: Unter anderem hatten die Blogs „Indiskretion Ehrensache“ und „Ruhrbarone“ die Facebook-Kampagne aufgegriffen und die CDU als Urheber der Kampagne vermutet – unter anderem auch weil die Werbeagentur in ihrer Kundenliste die CDU Deutschland aufführte.

Diesen Kundenhinweis auf die CDU hat Werbeagentur-Inhaber Franz-Josef Gemein gestern dann von der Homepage genommen, wie er Handelsblatt Online gegenüber zugab. Er habe dies getan, weil er nicht den falschen Eindruck erwecken wolle, die CDU habe etwa mit der Aktion zu tun. Vor einigen Jahren war Gemein für die CDU Deutschland tätig gewesen, dieses Mal nicht. Jetzt handele sich um eine „private Initiative“, die „komplett ehrenamtlich läuft“.

„Es geht darum, die Dinge zuzuspitzen“, erklärte Gemein. Er habe mit der Kampagne darauf hinweisen wollen, was während der rot-grünen Regierungszeit „alles nicht gelaufen ist“.

Mitarbeit: Markus Neumeier

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  • Die CDU ist heute das, was einst die faktisch untergegangene FDP war - die politische Vertretung der Konzerne und des Hochkapitals. Die Diplomaten der Mächtigen, die den Schafen nahebringen was sie wollen sollen.

    Sie steht nicht für mehr christliche Werte und auch nicht für Demokratie.

    Und die SPD ist eine CDU mit sozialen Feigenblättlein.

    Die beiden Parteien sollten sich zusammenschließen und künftig als SED auftreten. Söldner der Europäischen Demokratiefeinde. Oder auch Sozialterroristen der Elite Deutschlands. Weitere Vorschläge ?

  • Das wäre mal ein Grund für eine Klage wegen Urheberrechtsverletzung: das Ding wurde von der Bild-Zeitungskampagne geklaut.

  • Mit landespolitischen Themen kann sich wohl keiner mehr auseinandersetzen. Wäre vom IQ auch zu viel verlangt. Aus der Dummheit geboren kommen dann solche miesen Trails in die Netzwerke. Der zweite Namensteil der Agentur (Gemein) sagt eigentlich alles. Das Internet und all die so tollen Netzwerke machen und systematisch kaputt. Es merkt nur keiner!!!

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