Wirtschaftsflügel
CDU hat Sehnsucht nach Friedrich Merz

Der NRW-Wahlkampf könnte zur großen politischen Bühne für Friedrich Merz werden. Der ewige CDU-Star soll seinem Parteifreund Norbert Röttgen zum Sieg verhelfen. Nutzt Merz die Gelegenheit für ein Polit-Comeback?
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BerlinEigentlich war er nie ganz weg: Friedrich Merz, der einstige Unions-Fraktionschef im Bundestag hatte sich im Sommer 2009 von der Politik verabschiedet – nach einer Meinungsverschiedenheit mit Kanzlerin Angela Merkel. Seitdem arbeitet er wieder als Anwalt. Die Politik hat der Finanzexperte aber nie ganz an den Nagel gehängt. Immer wieder hat er sich in politische Debatten eingemischt, etwa zu Fragen der Euro-Schuldenkrise. Doch von einem Polit-Comeback wollte er bisher nichts wissen, dabei hat er selbst bei seinem Abschied betont, dass er nur eine Pause einlegen wolle. Merz hielt sich in Reserve.

Nun, im nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf, könnte seine Stunde wieder schlagen. Denn es gibt nicht viele Politiker mit einem Charisma wie Merz. Und da das auch für die Union gilt, wird jetzt, da sich die SPD gemeinsam mit den Grünen aufmacht, die NRW-Wahl uneinholbar für sich zu entscheiden, der Ruf nach Merz wieder lauter.  Seinen Rückzug verübeln ihm zwar immer noch viele in der CDU. Die Kritiker sehen aber zunehmend ein, dass man auf Merz, dem glänzenden Rhetoriker und Wirtschaftsfachmann, nicht verzichten kann.

Das dürfte auch das Kalkül von Norbert Röttgen gewesen sein, als er Merz gebeten hat, ihn in den kommenden Wochen beratend zu unterstützen. Wie diese Unterstützung konkret aussehen soll, ist bisher nicht bekannt. Klar ist nur, dass Merz nicht in ein etwaiges Schattenkabinett Röttgens einziehen will. Für ihn sei ein Engagement nur „unterhalb der Ebene eines politischen Amtes“ denkbar, betont er.

Diese Zurückhaltung finden die Hüter des Unions-Wirtschaftsprofils aber nicht ganz so glücklich. Der Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU, Josef Schlarmann, macht jedenfalls im Gespräch mit Handelsblatt Online keinen Hehl daraus, dass er ein größeres Engagement von Merz in NRW wünscht. „Mit Friedrich Merz würden sich die Wahlchancen der CDU in Nordrhein-Westfalen deutlich verbessern. Voraussetzung ist allerdings, dass Friedrich Merz ein ernsthaftes Comeback in die Politik in Erwägung zieht und sich dazu auch öffentlich bekennt“, sagte Schlarmann. Zugleich zollt er Merz aber großes Lob dafür, dass er überhaupt bereit ist, in NRW mitzumischen. Als Berater sei er ein „echter Gewinn“ für das Röttgen-Team und für Nordrhein-Westfalen. „Friedrich Merz steht für wirtschaftliche Kompetenz, die einmal das Markenzeichen der CDU gewesen ist“, sagt Schlarmann.

Der Chef des Parlamentskreises Mittelstand, der größten Einzelgruppierung innerhalb der Unionsfraktion, Christian von Stetten, geht sogar noch einen Schritt weiter als Schlarmann und äußert die Hoffnung, dass Merz im Falle eine Wahlsiegs von Spitzenkandidat Röttgen eine Rückkehr in die Politik als Minister in Erwägung zieht. „Friedrich Merz wäre eine Bereicherung  für jede Regierung - auf Landes- und auch auf Bundesebene“, sagte von Stetten Handelsblatt Online.

Der Parteienforscher Gerd Langguth hält Merz sogar für den besseren Spitzenkandidaten. Ihm rechnet er bessere Siegchancen gegen die SPD-Kandidatin Hannelore Kraft bei der anstehenden Landtagswahl aus als mit Röttgen. „Das große Manko von Röttgen ist, dass er sich offensichtlich eine Rückfahrkarte ins Berliner Umweltministerium offen halten will. Unter diesen Umständen ist es für ihn kaum möglich, Frau Kraft zu beerben“, sagte der Professor an der Universität Bonn Handelsblatt Online. „Es wäre besser gewesen, er hätte Friedrich Merz gleich die Aufgabe eines Spitzenkandidaten übertragen.“ Merz habe „ein starkes politisches Selbstbewusstsein, mit dem ein normales Landes-Ministeramt nicht verträglich wäre, vermutlich auch nicht das eines Superministers“, fügte Langguth hinzu.

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  • Werter Torsten,

    "Ich verstehe überhaupt nicht, Herr Bastian, auf Grund welcher Aussage Sie mir eine Argumentation unterstellen ..."

    Da gibt es eigentlich nicht viel zu verstehen: Man kann nur sehen, was man eben sehen kann, und vor allem - man kann nur verstehen, was man eben verstehen kann.

    Dem durchschnittlichen Forenlurch ist es doch egal, was Sie schreiben, er hat eine Meinung und die will er eben herauslassen. Sie sind nur das Vehikel.

    Ihr Einwurf war übrigens mehr als gerechtfertigt und hat die Schwäche des Artikels unerbittlich offengelegt: Das HB ist auch nicht mehr, was es mal war - so wenig wie der Spiegel oder die ZEIT. Das Niveau der Deutschen Presse ist in den letzten 2 Jahrzehnten so rapide gesunken, daß man die Lektüre nur noch aus der Perspektive eines Forschenden, der einer aussterbenden Gattung beim Krepieren zuguckt, zu ertragen ist.

  • Ich wiederhole

    NRW benötigt eine Finanzkapazität aus den Bund oder von außerhalb ohne risiko komplementär aus der CDU oder der FDP, die in den kommenden schwierigen fünf Jahren, die Menschen im heterogen NRW finanziell und wirtschaftlich richtig begleitet und realsitische Haushalte aufstellen kann. NRW ist bankrott jenseits der witzigen Solidiskussion

  • Merz Merz ?
    Friedrich Merz ??

    Ach ja, das doch der Abgeordnete, der zusammen mit Otto Schily,
    seine Nebeneinkünfte nicht offenlegen wollte,
    weil er als Bundestagsabgeordneter ja soo wenig Geld verdient
    und sooo wenig zu tun hat, dass er auch noch als Anwalt arbeiten muss !

    Schon deshalb ist der Typ bei mir unten durch !!
    Ein Abgeordneter, der seinen Job ernst nimt
    sollte doch eigentlich einen Fulltime-Job haben ...

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