Nordrhein-Westfalen Wahl 2017

NRW-Wahl Merkels Nähe ist nicht mehr Fluch, sondern Segen

Eigentlich hatten alle mit einem erneuten Sieg von NRW-„Landesmutti“ Hannelore Kraft gerechnet. Wenn man genauer hinsieht, hat die SPD zwar verloren, aber Armin Laschet ist deswegen nicht der Gewinner dieser Wahl.
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Als Angela Merkel die Landesbühne betrat, war Laschets Nähe zur Kanzlerin plötzlich nicht mehr sein Fluch, sondern sein Segen. Quelle: AFP
Der Merkel-Effekt

Als Angela Merkel die Landesbühne betrat, war Laschets Nähe zur Kanzlerin plötzlich nicht mehr sein Fluch, sondern sein Segen.

(Foto: AFP)

DüsseldorfEin bisschen sieht es so aus, als könnte Armin Laschet (CDU) es selbst noch kaum glauben, dass er der neue Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens wird. Und wer den Wahlkampf in NRW in den letzten Wochen verfolgt hat, der schaut ebenfalls ungläubig auf das Ergebnis. Der klein geratene unauffällige Aachener hat es geschafft, die Sozialdemokraten in deren Herzkammer zu schlagen. Dabei ist die Niederlage der SPD kein Sieg für Laschet. Die eigentliche Gewinnerin heißt Angela Merkel.

Als die Kanzlerin mit festem Schritt die Briloner Schützenhalle Richtung Bühne betritt, geht ein Lächeln über die Gesichter. „Die ist ja ganz schön klein“, raunt einer. Die kleine Frau im grünen Blazer setzt sich zu Armin Laschet und lächelt ihm zu. Sie ist in das tiefste Sauerland gekommen, um ihren Stellvertreter im Wahlkampf zu helfen. Acht Auftritte hat sie in den vergangenen Wochen absolviert. Von Waldbröl, Bonn und Haltern bis nach Brilon. Mehr als 2000 Menschen haben sich in der blau-weiß geschmückten Halle bei Bier, Brezeln und Blaskapelle eingefunden – ein bisschen Bayern im Sauerland. Keine Pfiffe, keine Buhrufe, keine besorgten Bürger.

Die Briloner begrüßen Merkel eher mit wohlwollender Gelassenheit. Hier schätzt man, dass sie erst sondiert und dann reagiert. „Gut, das mit den Flüchtlingen hätte sie anders regeln können“, sagt einer, aber nun habe sie das Ganze ja doch gut hinbekommen. „Es gibt so viele Krisen auf dieser Welt. Ich weiß nicht was Martin Schulz will, aber ich weiß, was Merkel kann“, findet ein stämmiger Rentner.

Die Kanzlerin aus dem fernen Berlin weiß, was die Leute auf dem Land hören wollen. Sie redet über den Stau bis zum Mond, über die Novellierung des Jagdgesetzes und den 600. Geburtstag der ortsansässigen Schützengemeinschaft. Laschet, der am Mittwoch vergangener Woche nach ihr auf die Bühne tritt, kann die Anwesenden nur noch mäßig begeistern. Auf die Frage, was sie von ihm als Spitzenkandidaten halten, verziehen einige nur die Mundwinkel. „Nicht sehr viel“, aber man wähle halt CDU.

Genauso dachten die viele Menschen in Nordrhein-Westfalen: Unscheinbar, zu lieb, zu ähnlich. Immer wieder wurde Laschet vorgeworfen, er sei nicht angriffslustig genug, biedere sich bereits vor der Wahl als Juniorpartner für die SPD an und sei zu nett. Parteikollegen wie Jens Spahn halten bekanntermaßen nicht übermäßig viel von ihm. Als ehemaliger Integrationsminister in der schwarz-gelben Regierung von Jürgen Rüttgers zählt Laschet zur progressiven Mitte seiner Partei.

Wegen seiner politischen Nähe zur Kanzlerin in der Flüchtlingspolitik ist er selbst in seinem eigenen Landesverband umstritten. Auf dem Parteitag der CDU in Münster hatten sich die meisten mit ihrem Schicksal schon abgefunden: Mit Armin Laschet als Spitzenkandidat würde man nicht gewinnen können, da waren sich die meisten einig. Dann betrat Angela Merkel die Landesbühne. Und plötzlich war Laschets Nähe zu Merkel nicht mehr sein Fluch, sondern sein Segen.

Wo immer genug Platz war, versammelten sich mehrere tausend Menschen bei Auftritten der Kanzlerin. Und nur die wenigsten von ihnen kamen, weil sie ihrer Unzufriedenheit Ausdruck verleihen wollten. Sie kamen, weil Merkel ja „doch irgendwie cool ist“ – und sie mal live gesehen zu haben, schon ein Erlebnis sei.

Und die Kanzlerin gab sich locker, entspannt und scherzte auf der Bühne. Die sonst so ruhige und rationale CDU-Chefin wirkte plötzlich angriffslustig. Zeitweise sogar fast populistisch, wie in Aachen, als sie über Staus in der Länge von der Erde bis zum Mond spricht. „Sie sind doch nicht dümmer als die Menschen in Bayern. Wenn es Ihnen hier schlechter geht, liegt das daran, dass die Politik das Problem ist”, rief Merkel der Menge entgegen und erntete lauten Jubel. „Man kann mittlerweile wirklich schon von einem Merkel-Effekt sprechen“, sagt auch Politikwissenschaftler Stefan Marschall von der Universität in Düsseldorf.

Schulz hat sich zurückgehalten
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14 Kommentare zu "NRW-Wahl: Merkels Nähe ist nicht mehr Fluch, sondern Segen"

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  • @Herr Günther Schemutat

    "Die Wut und die Angst!"

    Ihrem Kommentar kann nur ein Ideologe, Ignorant oder Verblödeter widersprechen.

    Das die Angst steigen wird, dessen bin ich mir auch sicher. Bei der Wut allerdings wird das zumindest nicht anteilig im gleichen Verhältnis wie bei der angst sein - es sei denn, Sie meinen damit die Wut derer, die alle Aspekte und Folgen der machtpolitischen Praktiken von Merkel & Co. jetzt schon abschätzen können und deshalb nicht besonders erpicht darauf sind, die in ihrer Gesamtheit auch noch ausbaden zu müssen.

    Die Masse der Wähler muss aber, wie die Wahlergebnisse beweisen, unbedingt erst "ausbaden", um deren Wut überhaupt erst auszulösen.

  • @Herr Arnold Dreis

    Könnte es nicht sein, dass die SPD das Thema "merkelsche Flüchtlingspolitik" vor allem deshalb nicht zum Wahlkampfthema gemacht hat, weil es ihr um die Stimmen der in NRW reichlich vorhandenen wahlberechtigten Muslime ging?

    Schon vergessen, dass die noch vor wenigen Woche versucht haben, die Landesverfassung zugunsten eines Wahlrechts für Goldstücke, die nur seit ein paar Jahren hier leben (egal, ob die z. B. Rechtsmittel gg.eine Abschiebung mißbräuchlich anwenden - nur ein Beispiel), zu ändern, um auch an deren Stimmen zu kommen? Oder haben Sie das einfach verdrängt?

    Für mich hat die SPD zu Recht die Macht verloren - dank einer immer selbstherrlicher auftretenden und agierenden Kraft, deren Selbstherrlicht auh im Wahlkampf zu ihrer hochverdienten politischen Bedeutungslosigkeit geführt hat.

    Da kann ich nur sagen - weiter so. Schafft euch endlich selbst ab.

  • @Herr Grutte Pier15.05.2017, 17:30 Uhr

    Neuwahlen wären dann sicher die Option - und zwar solange, bis wieder jemand CDU und/oder SPD wählt :)

    Aber eigentlich wollte ich mit der Frage zu dem Undenkbaren darauf hinaus, was für "demokratisch" kuriose "Wahlerwillen" in Abhängigkeit von der Wahlbeteiligung zustande kommen können.

  • Es ist kaum zu verstehen, wie kurz das Gedächtnis der Wähler ist.
    Merkel, die Verursacherin der ganzen Unsicherheiten durch ihre Flüchtlingspolitik,erklärt sich nun als Retterin.
    Das ist wie wenn ein Feuerwehrmann Feuer legt und dann auftaucht um zu löschen.
    Außerdem der Unterschied CDU zu SPD beträgt nur ca. 2 %
    Die SPD hat sie bei diesen Themen nicht angegriffen, aus Rücksicht oder aus Machtgier, dadurch hat sie verloren.

  • @Herr Peer Kabus 15.05.2017, 16:24 Uhr

    ganz ohne CDU und SPD?
    gelbe Minderheitsregierung oder Neuwahlen....

  • Die Wahl in NRW ist für Merkel genauso wie ein Kaugummi unter dem Schuh. Klebrig.. geht nicht ab, hindert am gehen.

    Wer Merkel weiter in den Himmel hebt, der hat was nicht verstanden. Aber warten wir die Bundestagswahl ab. Wenn Laschet im September nichts vorweisen kann in NRW und es gibt ein weiter so , gibt es Überraschungen.

    Die Wähler NRW sind wie gesagt verzweifelt und einige haben auch AFD gewählt
    als Startfenster für die Bundestagswahl. SPD,GRÜNE,CDU und FDP haben alle nicht ihr Vertrauen wie schon gesagt. Sie sehen was ich seit Monaten überall sehe,
    die Angst geht um . Man muss sich nur in Schulen umsehen in den Städten , die Kinder erzählen zu Haus wie es wirklich da abläuft. Politiker und Grüne vertuschen es wie bei mir in Hamburg.

    Das Jahr 2017 ist noch nicht zu ende , es wird sich von Tag zu Tag steigern.

    Die Wut und die Angst!

  • @Herr Grutte Pier

    "Erstaunlich ist, dass auch in NRW wieder knapp 65% der Wähler der Meinung waren, .."

    Man stelle sich vor, diese 65 % hätten sich nicht an der Wahl beteiligt ;)

    Wie und wer dann wohl mt wem Koalitionsverhandlungen führen würde, nachdem Lindner Güne & AfD ausgeschlossen hat?

  • Sehr geehrte Frau Witsch,

    woher wissen Sie eigentlich, wer die NRW-Wahl gewinnen hat? Dass der Erfolg Frau Merkel gehört und nicht etwa Armin Laschet?

    Ich habe nichts dagegen, wenn jemand eine Meinung vertritt. Allerdings würde ich es begrüßen, wenn jemand abwägend Pro und Kontra gegenüberstellt. Kurz und gut, ich bin für Diskussion.

    Aber ich wehre mich gegen apodiktische Behauptungen. Es bringt uns nicht weiter, wenn Diskussionsteilnehmer den Besitz der absoluten Wahrheit für sich reklamieren. Ich plädiere dafür, auch andere Meinungen ausdrücklich zu erwähnen und als gleichwertig gelten zu lassen.

  • Herr Peer Kabus15.05.2017, 14:37 Uhr

    Wenn es der AfD tatsächlich darauf ankäme, die Verhältnisse in Deutschland wieder zu normalisieren, müsste sie sich schon wirklich glaubhaft präsentieren.

    Davon ist die AfD genauso weit entfernt, wie diese unerträglichen Altparteien. Ich vermag da keinen Unterschied zu sehen, denn es streiten sich in der AfD immer die gleichen, namentlich indiskutablen Figuren um ihre persönliche Macht, statt dafür, Realpolitiker hinter und vor ein durchdachtes und gut vertretbares Parteiprogramm zu stellen.

    Um die Machtoptionen der etablierten Parteiendiktatur zu brechen, müsste es die AfD aus meiner Sicht sogar fertigbringen, für eine 2. – neue- Oppositionspartei in Wahlkämpfen zu werben.

    Konkret meine ich damit das Potential an Nichtwählern und die Wähler der sonstigen Parteien, die unter ferner liefen mit teilweise nicht unerheblichen Prozentzahlen politisch völlig ungenutzt bleiben und damit den Altparteien den Machterhalt sichern.

    Es würde zu dem die AfD glaubwürdiger machen, plakatierte sie z. B. wie folgt:

    „Wenn Sie nicht die AfD wählen können oder wollen, so wählen Sie geschlossen eine ganz bestimmte Partei, statt ihre Stimme unter ferner liefen nutzlos verschwinden zu lassen. Wir schlagen vor, z. B. (die Freien Wähler, oder, oder) zu wählen, damit diese Partei ebenfalls über 5 % kommt."

    - Aber so etwas ist auch von der AfD nicht zu erwarten. Die beschäftigen sich lieber mit Intrigen und dem Erhalt ihrer ganz speziellen Programmtik, die nicht in dem Programm beschrieben sit.

  • wie üblich, "biegt" man sich die Ergebnisse, je nach Parteien-Standpunkt, nun so zurecht, dass es "passt".

    Für die SPD waren ausschließlich landespolitische Themen entscheidend, der SPD-"Retter" St. Martin "die Lokomotive" Schulz hatte darauf keinen Einfluss.
    Für die CDU ist nun selbstverständlich die "ewige" Merkel der große Sieger, da "Nähe" nicht mehr "Fluch sondern Segen" bringt.

    Es ist anzunehmen, dass der Rauten-hörige Laschet vor allem mit dem Zutun eines W. Bosbach punkten konnte.

    Was in der Praxis, wahrscheinlich im Zusammenspiel mit der bunten, nach allen Seiten offenen F.D.P. , zukünftig "hinten herauskommt", wird eher dürftig sein.

    Erstaunlich ist, dass auch in NRW wieder knapp 65% der Wähler der Meinung waren, dass die Parteien , die maßgeblich in den unterschielichsten bunten Machtkonstellationen für die Mißstände in den Ländern (wie im Bund) verantwortlich zeichnen, nun "Lösungen" haben.

    Es bleibt zum Abschluss wieder nur an Albert Einstein zu erinnern:
    „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“

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