NRW-Wahlkampf
Excel-Norbert und die fuchsige Hannelore

Im TV-Duell verliert sich der CDU-Herausforderer im nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf, Norbert Röttgen, im Zahlensalat. Doch Amtsinhaberin Hannelore Kraft braucht Zeit, bis sie den Widersacher hinter sich lässt.
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KölnWäre dies ein Fußballspiel, man schaute in die Statistik, und die würde besagen: Mindestens 80 Prozent aller Zahlen, die in diesem Fernsehduell in die Debatte zwischen den beiden Spitzenkandidaten angebracht wurden, kamen von Norbert Röttgen: Vier Milliarden Schulden oder 3,6 Milliarden, 90.000 Kita-Plätze oder 16.000 Kita-Plätze, 6 Prozent, 20 Prozent, wieder irgendwelche Komma-Milliarden, Prozentangaben. Dem Zuschauer wird ganz schwindlig von all den vielen Zahlen, die der CDU-Herausforderer in die Kamera referiert.

Und das ist sein Problem an diesem Abend in der Kölner Vulkanhalle, einem Industriebau im einstigen Arbeiterviertel Ehrenfeld: Er kommt nicht rüber in diesem Studio ohne Zuschauer, er hat oft gute Argumente, aber er verzettelt sich in seinem Zahlensalat, er will den Wähler mit tiefgehender Statistik überzeigen. Ihm quasi vorrechnen, was er zu wählen hat. Er findet für alles und jedes eine Zahl in seinem Kopf. Er übertreibt dieses Stilmittel eines Redners vollkommen. Er wirkt wie eine wandelnde Excel-Tabelle.

Gleich am Anfang der Debatte steigt Röttgen mit der Zahlenkanonade ein, als es um Kinderbetreuung geht, um Plätze in Kitas und wie viele nun noch alte CDU-Regierung geschaffen hat und wie viele Rot-Grün. Und auch beim zweiten wichtigen Thema dieses Wahlkampfs, dem Haushalt, wirft Röttgen mit Zahlen um sich. Überhaupt wirkt er überkorrekt, ein Musterschüler. Das bringt ihm nicht gerade Sympathien. Als Moderatorin Gabi Ludwig von der Mehrheit der Deutschen spricht, die für den Atomausstieg war, da wirft er ein „ist“ in das Studio. Bitte? „Die Mehrheit ist für den Atomausstieg“, sagt er und stammelt ein „immer noch“ hinterher.

Und nun kommt Hannelore Krafts größte Schwäche: Sie wirkt fuchsig, zumindest in der ersten Hälfte des Duells, sie reagiert unwirsch. Sie steigt auf Norbert Röttgens Angriffseröffnung ein. Nennt 400 Millionen hier, spricht von Pro-Kopf-Verschuldung, von Milliarden. Lächelt spöttisch-aggressiv, blickt böse, als wolle sie sagen: „Was will das Jüngelchen eigentlich von mir...“ Man merkt, dass Röttgen sie ärgert. Röttgens Vorwürfe zum Eingang dieser hart geführten Debatte, sie wolle eine Kita-Pflicht einführen, kontert sie noch gelassen, aber beim Thema Haushalt wirkt sie zunehmend gereizt. Vielleicht weil das ihr wunder Punkt ist.

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Beim Mindestlohn konnte Röttgen nur verlieren

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