NRW-Wahlkampf
"Liebe Heuschrecken, liebe Neoliberale"

Um Friedrich Merz war es in letzter Zeit still geworden. Von CDU-Chefin Merkel degradiert, hatte er sich aus den ersten Reihen der Union verabschiedet. Doch im Hintergrund wirkt der 49-Jährige unermüdlich weiter. Im nordrhein-westfälischen Wahlkampf mischt er sich gar in die "Heuschrecken-Debatte" ein - mit Erfolg.

HB GÜTERSLOH. Gleich mit seiner Anrede hat Friedrich Merz das Publikum für sich gewonnen: "Liebe Neoliberale, liebe Turbokapitalisten, vielleicht sind auch Heuschrecken unter ihnen, liebe Heuschrecken." Es scheint so, als wolle ein Sauerländer aus der Union dem Sauerländer aus der SPD, Parteichef Franz Müntefering, nun einen Kontrapunkt setzen.

"Wir haben nicht zu viel Kapitalismus in Deutschland. Wir haben zu wenig Marktwirtschaft", sagt Merz am Dienstagabend im vollbesetzten Saal des Parkhotels im nordrhein-westfälischen Gütersloh, der Heimstatt der Traditionsunternehmen Bertelsmann und Miele. Die Organisatoren von Wirtschaftsrat und Deutsche Bank in Gütersloh hatte ihn lobend als "scharfzüngig" angekündigt, und er erfüllt die Erwartungen der Gäste.

Neuerdings ist der 49-Jährige für eine Anwaltskanzlei tätig und berät den Hedgefonds TCI, der Großaktionär der Deutschen Börse ist. Merz steht also auf Seiten derer, die nach Münteferings Kritik am "Heuschrecken-Kapitalismus" unter Generalverdacht geraten sind. "Man sollte unaufgeregt auf das Thema reagieren", empfiehlt er. Man dürfe es aber nicht unterschätzen. Denn viele Menschen verstünden die Grundlagen der sozialen Marktwirtschaft nicht mehr.

Abseits der aktuellen Kapitalismus-Debatte unterstreicht Merz in Gütersloh, warum er in der Union als Wirtschafts- und Finanzexperte zurzeit wieder hoch gehandelt wird. Fraktionsvize Wolfgang Bosbach sagt, es wäre "wünschenswert, wenn Friedrich Merz die Felder Wirtschafts- und Finanzpolitik für die Union wieder mehr öffentlich besetzen würde."

Parteichefin Angela Merkel hat daraufhin betont, es sei "nicht die Zeit für Personaldiskussionen". Merz habe sich freiwillig zurückgezogen. Allerdings bleibt seit einem halben Jahr nicht verborgen, mit welchem Impetus und Leichtmut der frühere Fraktionschef im Bundestag politisch aktiv ist, sei es bei Hintergrundgesprächen, internen Veranstaltungen oder Kongressen.

Als Mitglied einer mehrköpfigen Zukunftskommission von CDU-Spitzenkandidat Jürgen Rüttgers im NRW-Landtagswahlkampf bestimmt er die Wirtschaftsprogrammatik. Mit Rüttgers, so scheint es, hat er sich zusammengerauft. Sie treten gemeinsam auf wie etwa in Gütersloh und spielen sich die Bälle zu. Merz wirkt bereitwillig mit, Grundlagen für einen politischen Wechsel zu legen.

Seite 1:

"Liebe Heuschrecken, liebe Neoliberale"

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%