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NRW will Kommunen einspannen: Ordnungsämter machen Jagd auf Geldwäscher

Geldwäscher erwirtschaften in Deutschland Milliarden. Ausgerechnet NRW, das die meisten Steuer-CDs kauft, gibt sich beim Kampf gegen Geldwäsche zahm. Jetzt plant das Land, die Aufgabe an die Ordnungsämter abzuschieben.

Die Karnevalisten haben die Mitarbeiter des Ordnungsamts Düsseldorf im Blick, womöglich jagen die demnächst auch Geldwäscher. Quelle: dpa/picture alliance
Die Karnevalisten haben die Mitarbeiter des Ordnungsamts Düsseldorf im Blick, womöglich jagen die demnächst auch Geldwäscher. Quelle: dpa/picture alliance

DüsseldorfDer Job eines städtischen Ordnungshüters in Köln ist vielfältig: Die rund 100 Mitarbeiter, die das Ordnungsamt auf die Straße der Millionenstadt schickt, kontrollieren Gaststätten, überwachen das Glasverbot an Karneval, spüren Schrottfahrräder auf, schauen, ob die Hunde in den Parks von ihren Besitzern auch angeleint wurden. In Zukunft wird ihre Arbeit noch abwechslungsreicher: Denn die rot-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen plant, die Geldwäschekontrolle in die Hand der kommunalen Ordnungsämter zu legen. Gegenüber Handelsblatt Online bestätigte das NRW-Wirtschaftsministerium entsprechende Überlegungen.

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Das Vorhaben löst Proteste aus. „Kriminalitätsbekämpfung ist definitiv keine kommunale Kernaufgabe“, sagt Kai Abruszat, kommunalpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion in NRW, Handelsblatt Online. „Kontrollpflichten bei der Geldwäsche der kommunalen Familie zu übertragen, die dafür kein ausreichendes und kompetentes Personal besitzt, führt zudem zu einer Zersplitterung der Zuständigkeiten.“

Und Robert Kilp, Ordnungsamtsleiter in Köln, antwortet auf die Frage, ab wann seine Behörde Geldwäscher jagt? „Am liebsten gar nicht. Das macht keinen Sinn, und das haben wir dem Land auch so gesagt.“

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Die Bundesregierung verschärft den Kampf gegen Geldwäsche, um Terrorismus und organisierter Kriminalität den Geldhahn abzudrehen. Verkäufer hochwertiger Produkte macht sie zu Hilfssheriffs.

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Rund 50 Milliarden Euro werden laut OECD-Bericht in Deutschland jährlich kriminell erwirtschaftet, rund zehn Milliarden Euro fallen in NRW an, schätzt der Bund der Kriminalbeamten (BDK). Sebastian Fiedler: „Wir haben es hier mit internationaler Kriminalität zu tun, die können wir nicht mit Kleinstaaterei bekämpfen.“

Doch das Geldwäschegesetz sieht genau das vor: Während der Finanzsektor zentral von der Bafin kontrolliert wird, liegt die Aufsicht für den Nicht-Finanzsektor in den Händen der Bundesländer. Eine Initiative des Bundesrats von vergangenem Herbst, auch für diese Geschäftsbereiche eine zentrale Aufsichtsbehörde einzurichten, lehnte die Bundesregierung ab.

Welche Strafen Steuertricksern drohen

  • 10.000 Euro hinterzogen

    Hier wird in der Regel eine Geldstrafe verhängt, die in etwa einem Jahresnettoeinkommen des Steuerpflichtigen entspricht.

  • Tagessätze

    Die Strafverfolgungsbehörden ermitteln die Geldstrafe nach so genannten Tagessätzen. Der Geldbetrag für einen Tagessatz soll dem Tagesnettoeinkommen entsprechen.

  • Berechnung des Tagesatzes

    Hat jemand ein Jahreseinkommen von 50.000 Euro brutto und Abzüge von 20.000 Euro für Steuern, Versicherungen und ähnlichem, so wäre der Tagessatz 82 Euro (gerechnet: 30.000:365).

  • Anzahl der Tagessätze

    Bei einer Hinterziehung von 10.000 Euro werden in der Regel 365 Tagessätze verhängt. Das bedeutet im Beispielsfall 365x82 = 29.930 Euro. Die Geldstrafe läge also bei rund 30.000 Euro.

  • Verhältnis zur hinterzogenen Steuer

    Bei hohen Einkommen kann laut Experten die Strafe durchaus höher als die hinterzogene Steuer sein. Schließlich soll sich Steuerhinterziehung ja nicht lohnen.

  • 20.000 Euro hinterzogen

    Bei 20.000 Euro kommt man zu rund 440 Tagessätzen. Die Strafe läge im Beispielsfall dann 36.080 Euro.

  • Regionale Unterschiede

    Es ist bekannt, dass in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich streng bestraft wird. Eine interne Tabelle weist dies nach. Insofern gelten die hier genannten Strafrahmen nicht absolut, sondern sind lediglich Faustregeln.

  • Schwere Vergehen

    Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes (Az. 1 StR 525/11) ist die Chance, auch bei schweren Steuervergehen um eine Haftstrafe herumzukommen, deutlich gesunken. Die Karlsruher Richter haben mit ihrer Entscheidung ein Urteil des Landgerichts Augsburg kassiert, das einen Unternehmer wegen 1,1 Millionen Euro hinterzogener Steuern nur zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt hatte. Dieses Strafmaß sei zu gering, entschied der BGH. Das Urteil liegt im Trend, glaubt Martin Wulf von der auf Steuerstrafrecht spezialisierten Kanzlei Streck Mack Schwedhelm: „In der Tendenz ziehen die Sanktionen an“, sagt der Jurist.

Mit dem Geldwäschegesetz nimmt der Gesetzgeber eigentlich die Geschäftsleute in die Pflicht. Es schreibt vor, bei hohen Bargeldsummen den Ausweis den Kunden zu kontrollieren, die Unterlagen aufzubewahren und merkwürdige Transaktionen dem Landeskriminalamt und dem Bundeskriminalamt zu melden. „Passt ein Kunde nicht zum Geschäft, dann ist diese Verdachtsmeldung vorgeschrieben“, erklärt BDK-Experte Fiedler.

Von Autohändlern oder aus der Immobilienbranche kämen in Deutschland aber so gut wie keine Verdachtsmeldungen. „Mehr als 90 Prozent aller Anzeigen macht die Finanzwirtschaft“, sagt Fiedler, der den Grund dafür in der zentralen Aufsicht durch die Bafin sieht. Banken wüssten, dass ihre hausinternen Maßnahmen gegen Geldwäsche – geschulte Mitarbeiter, technisches Knowhow – von den Wirtschaftsprüfern kontrolliert würden.

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Auto- und Immobilienhändler müssten dagegen von den Bundesländern überprüft werden. In Bayern ist das Thema „Kampf der Geldwäsche“ im Innenministerium angesiedelt, andere betrauen ihre Bezirksregierungen damit, in Schleswig-Holstein kümmern sich bereits die Ordnungsämter darum. „NRW kopiert leider das schlechteste Beispiel“, sagt Fiedler.

  • 20.04.2013, 12:37 Uhrmargrit117888

    Dafür hat das Ordnungsamt gar keine Zeit. Dei müssen ja ab 1. Mai erst mal alle Kniepen und Kaffees kontrollieren um evt. Raucher aufzustöbern.
    Das sit wichtiger, als Ordnung im Land zu schaffen

  • 20.04.2013, 08:38 UhrZweistein

    Ein klarer Beweis, wie stark Frau Kraft schon abgewirtschaftet hat.
    Finanzkontrolle ist Sache der Finanzbehörden. Oder hat NRW den Bereich der Geldwäsche jetzt widerstandslos der Mafia abgetreten?

  • 20.04.2013, 07:55 Uhrmon_yburns@central.banktunnel.eu

    Richtig ist: Ordnungsämter sperren Ihnen die Sozialleistungen und geben stattdessen Gutschein - NUR FÜR LEBENSMITTEL - aus. Also exploizit nicht für Pzutmittel. Und dann wundern Sie sich wenn die Leute ihre Buden nicht mehr säubern.

    Sie sperren den Leuten die Konten weil sie Angst vor PAPRETSORMS von AMNESTY INTERNATIONAL ud ANONYMOUS haben, Festnetz (=Fax) Flarates machen es möglich. Unter dem Vorwand von"Spam" werden Email-Server (auch im Ausland) lahmgelegt mit denne allein mit Behörden, Presse und - vom Petitionsrecht Gebrauch machend - mit Abgerodneten von Europaparlament, Bundestag, Landtag und dem Bundespräsidialmat!

    Deshalb können Morddroher und tatvollendete Mordversucher weiter frei draußen herumlaufen. Udn sie halten sich für helden wenn sie DROGENDEALER or der ABscheibung bewahren (Einzelfälle ÜBERPFÜFT ist so). Die gazen Linken unter den Lehreren sind Helfer der organisierten Kriminalität.

    http://central.banktunnel.eu/madbarber.jpg
    http://img17.imageshack.us/img17/4239/madbarber.jpg
    http://o9.imgsrc.ru/s/sch-einesystem/6/32241186SuQ.jpg

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