NSA-Angriff auf Sim-Karten-Codes
„Super-GAU für die Privatheit von Kommunikation“

Amerikanische und britische Geheimdienste sollen Hersteller von Sim-Karten ausspioniert und Schlüsselcodes für die Handy-Karten abgefangen haben. Die Grünen sind empört und fordern Konsequenzen.
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BerlinMit großer Besorgnis haben die Grünen auf Berichte reagierte, wonach die Geheimdienste der USA (NSA) und Großbritanniens (GCHQ) in großem Stil Verschlüsselungscodes für Sim-Karten gestohlen haben sollen. Fraktionsvize Konstantin von Notz kündigte ein parlamentarisches Nachspiel an. Der Vorgang werde sowohl im Innenausschuss als auch im NSA-Untersuchungsausschuss zur Sprache kommen, sagte von Notz dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Zudem erwarte er von der schwarz-roten Bundesregierung Aufklärung darüber, „welche Konsequenzen man sowohl für den Grundrechtsschutz der Bürgerinnen und Bürger als auch für den Schutz der Wirtschaft vor Ausspähung gedenkt zu ziehen“.

„Sollte es den Geheimdiensten tatsächlich gelungen sein, Schlüsselcodes massenhaft zu erbeuten, wären sie technisch in der Lage, Handy-Gespräche auch ohne richterlichen Beschluss und Mitwirkung der Mobilfunk-Provider abzuhören – ein Super-GAU für die Privatheit von Kommunikation“, sagte von Notz. „Kaum realistisch dürfte die Option sein, alle in Frage kommenden Karten schnellstmöglich auszutauschen.“ 

Der jüngste Fall von Datenspionage zeige zudem, dass die deutsche und europäische Wirtschaft derartigen Angriffen derzeit „offenbar schutzlos ausgeliefert“ seien. „Anlässlich der neusten Enthüllungen müssen wir uns die Frage stellen, welche Teile unserer digitalen Infrastrukturen und IT-Techniken eigentlich noch verlässlich und sicher sind“, sagte von Notz. „Sowohl für unsere Rechtsstaatlichkeit, aber auch für die Wirtschaft ist all dies Gift.“

Man dürfe daher gespannt sein, ob die Europäische Kommission und der deutsche Kommissar für die digitale Wirtschaft, Günther Oettinger (CDU), die neuerlichen Vorfälle zum Anlass nähmen, „sich endlich mit der nötigen Entschlossenheit an der Diskussion über den Grundrechtsschutz in der Digitalen Welt und den Schutz von Unternehmen vor Ausspähung durch Geheimdienste zu beteiligen“.

Der neuerliche Fall von Ausspähung geht aus Dokumenten des Whistleblowers Edward Snowden hervor, die am Donnerstagabend vom Investigativ-Portal „The Intercept“ veröffentlicht wurden. Demnach hat der US-Geheimdienst mit Hilfe der Briten schon vor Jahren den weltgrößten Hersteller von Sim-Karten und anderen Sicherheitschips, das niederländische Unternehmen Gemalto attackiert. Seitdem können die Dienste offenbar die geheimen Schlüssel vieler Smartcards und Sim-Karten mitlesen.

Kommentare zu " NSA-Angriff auf Sim-Karten-Codes: „Super-GAU für die Privatheit von Kommunikation“"

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  • Es geht dabei nicht so sehr um Durchschnittsbürger wie Sie oder ich.
    Man kann mit solchen Sachen aber wunderbar etwa unliebsame Journalisten erpressen oder Politiker - sollten sie doch tatsächlich einmal nicht käuflich sein.
    Oder glauben Sie etwa, dass es Staatskriminalität nur beispielsweise in China oder Nordkorea gibt? ;-)
    Denken Sie immer auch an den Film Matrix (da Hollywood zukünftige Entwicklungen mittlerweile relativ exakt antizipiert):
    "Agent Smith: "Wie sie sehen, richten wir unser Augenmerk schon seit einiger Zeit auf Sie, Mr. Anderson. Es sieht aus, wie wenn Sie ein Doppelleben führen. In einem sind Sie der Programmierer Thomas A. Anderson und arbeiten für eine respektable Softwarefirma. Sie haben eine Sozialversicherungsnummer, zahlen ihre Steuern ... und helfen ihrer Vermieterin den Müll rauszutragen. Das andere Leben führen sie im Computer, tummeln sich dort unter dem Hacker-Name Neo und begehen dort jedes Computerverbrechen gegen das wir ein Gesetz haben. Eines dieser Leben hat eine Zukunft, das andere nicht."

  • WIR sind die Guten - wir dürfen uns über alle Gesetze hinwegsetzen für die Machterhaltung und Sicherheit unserer Eliten äääh unserer Bürger. Selbstverständlich geben wir dem "Souverän" (räusper ;-)) keine Auskunft darüber - denn hier geht es ja im Zweifelsfall um die "nationale Sicherheit" (tolles Totschlagsargument, gelle?).
    Wie sagte schon einer unserer Vordenker so treffend:
    "Das Illegale tun wir sofort, das Verfassungswidrige dauert etwas länger!" (Henry Kissinger)
    Sollten doch tatsächlich Bürger gegen einen solchen brillanten Mann protestieren, dann werden sie von unseren Polit-Marionetten zumindest als ABSCHAUM bezeichnet.
    Ach ja: wie kann man es wagen, auch noch einen Film über einen Verräter zu drehen? CITIZENFOUR sollte doch umgehend verboten werden!
    https://www.youtube.com/watch?v=_0pAuXkFMfw

  • Die RFID Chips in den Pässen lassen sich schon seit langem kopieren:
    http://www.golem.de/0608/46966.html

    Der CCC erklärt, wie man diese Chips klein bekommt:
    http://events.ccc.de/congress/2005/static/r/f/i/RFID-Zapper_de61.html

    Das Problem ist doch, dass der Chip als unkopierbar gilt. Wenn er dann aber doch kopiert wird und an falscher Stelle in ein Lesegerät gehalten wird, dann gilt dies als unanfechtbarer Beweis, dass man zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort war.

    Ebenso unanfechtbar waren ja wohl bisher Telefongespräche mit einem bestimmten SIM oder die DNA Abstriche. Hierzu sollte man sich mal die Fahndung nach einem "Massenmörder" anschauen; am Ende war es die Frau, die die Wattestäbchen verpackt:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Heilbronner_Phantom

    Errare humanum est, nur die NSA hat immer Recht.

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