NSU-Prozess im Kommentar
War Beate Zschäpe zentrale Figur oder Mitläuferin?

248 Prozesstage haben Beobachter, Opfer und Angehörige im NSU-Prozess auf ihre Aussage gewartet. Doch wer sich Antworten von Beate Zschäpe erhoffte, wurde enttäuscht. Stattdessen: nur Ausflüchte. Ein Kommentar.
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Als der West-Berliner Kommunarde Fritz Teufel im Jahre 1967 einmal von einem Richter aufgefordert wurde, sich zu erheben, spottete der Anführer der Berliner „Spaßguerilla“: „Wenn’s denn der Wahrheitsfindung dient!“ Wahrheitsfindung ist Ziel jedes Prozesses, zumal jedes Strafprozesses.

Auch im Münchner NSU-Prozess – es geht da seit über zwei Jahren schon um die Aufklärung von zehn Morden, zwei Bombenanschlägen und 15 Bank- und Raubüberfällen, ausgeführt sämtlich von der rechtsradialen Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU), also von Beate Zschäpe, Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt – steht natürlich die Wahrheitsfindung im Mittelpunkt. Statt sich zu diesem Behufe zu erheben, hat die erstmals lächelnde, den Reportern willig zugewandte Hauptangeklagte Beate Zschäpe den Mund aufgemacht. Nach 248 Prozesstagen des Schweigens.

Auf Anraten ihrer Verteidiger hatte sie bisher zu allen Taten, zu allen Vorwürfen, zu allen Begleitumständen und Personen geschwiegen. Zur Wahrheitsfindung hatte sie bisher nichts beigetragen. Im Gegenteil: Regelmäßige Prozessbeobachter gewannen das Bild einer reuelosen, kalten Angeklagten, die selbst die herzerweichendsten Fragen der Opfer-Angehörigen nicht scherten.

Rein juristisch gesehen ist das ihr Recht. Rein menschlich gesehen bestätigte ihr Verhalten den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, man habe es bei der Angeklagten nicht mit einer schieren Mitläuferin, sondern vielmehr um eine zentrale, wenn nicht gar die zentrale Figur bei der Planung und Ausführung des rechtsradikalen und rassistischen NSU-Terrors zu tun.

Wie erwähnt: zehn Menschen, Unschuldige, Ausländer mussten ihr Leben lassen. Selbst für hartgesottene Beobachter: wahrlich kein Pappenstiel, wahrlich eine fürchterliche Bilanz dieser deutschen Terroristen. Kein Wunder also, dass sich viele Betroffene, Beobachter und nicht zuletzt das Gericht von Zschäpes Statements mehr als nur eine kursorische, flüchtige und ausflüchtende Antwort auf die drängenden Fragen erhofften: Den Fragen des Gerichts, und auch denen der Öffentlichkeit.

Doch sie alle wurden enttäuscht. Statt konkreter Einlassungen waren die Ausführungen Zschäpes von dem offenkundigen Bemühen getragen, eine langjährige Verurteilung mit dem Zusatz der „besondere Schwere der Schuld“ abzuwenden.

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War Beate Zschäpe zentrale Figur oder Mitläuferin?

Seite 2:

Drohende Verurteilung wegen „besonderer Schwere der Schuld“

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    Beste Grüße aus der Redaktion.

  • Vielleicht damit, dass wir denen auch den Mund verboten haben. Habe einen Ostdeutschen im Bekanntenkreis, der "lernte" erstmal, das die Geschichte nicht so war, wie er es gelernt hatte. Der sagt übrigens heute: "Die Geschichte (also das Fach) ist nicht so wie Ihr es gelernt habt."! Muss aber aufpassen, dass er eben nicht in eine Ecke gedrängt wird. Obwohl er kein Nazi ist und schon gar nicht ein Holocaust-Leugner.

  • Unbeschreiblich blöd.

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