NSU-Prozess unterbrochen
Zschäpe kann sich nicht mehr konzentrieren

Die Anklage im NSU-Prozess wirft Beate Zschäpe auch Mordversuch vor. Sie habe die Wohnung des Trios angezündet, Opfer seien ihr egal gewesen. Zeugen lassen auch eine andere Deutung zu. Dann wird der Prozess unterbrochen.

MünchenHat Beate Zschäpe bei ihrer Flucht den Tod zweier Menschen riskiert? Das hat am Mittwoch das Oberlandesgericht München im NSU-Prozess aufzuklären versucht. Der einzigen Überlebenden der „Zwickauer Zelle“ wird in der Anklage unter anderem Mordversuch vorgeworfen, weil sie nach dem Suizid ihrer beiden Komplizen die Wohnung angezündet haben soll, um Spuren zu verwischen. Dabei habe sie den Tod von zwei Handwerkern in Kauf genommen, die normalerweise im Dachgeschoss arbeiteten. Zur Zeit der Explosion machten diese allerdings außerhalb des Hauses Pause.

Die entscheidende Frage: Wusste Zschäpe, dass die Männer nicht im Haus waren? Wartete sie vielleicht, bis sie weg waren? Das würde den Vorwurf des Mordversuchs entkräften. Aus Sicht der Verteidigung dürfte die Befragung der beiden Handwerker und des Hausverwalters am Mittwoch durchaus zufriedenstellend gelaufen sein.

Übereinstimmend berichteten die Zeugen, dass die Treppe laut knarzte. Überhaupt sei das Haus recht hellhörig gewesen, meinte einer der Handwerker. Bei der Arbeit hätten sie Radio gehört. Gegen 15 Uhr hätten sie das Haus verlassen, um in einer nahen Bäckerei Kaffee zu trinken. Er sei noch kurz zurückgekehrt und habe das Auto weggefahren, berichtete der 50-jährige Maurer. „Dann hat's nen Knall getan.“ Er sei hingerannt und habe gesehen, dass die Wand fehlte.

Viel Kontakt mit den drei mutmaßlichen Terroristen hatten weder die Handwerker noch die Hausverwaltung. Der Hausverwalter berichtete allerdings von einer Begegnung, von der ihm Handwerker berichtet hätten. Demnach sollte im September 2011 das Kellerabteil der Untergetauchten aufgebrochen werden. Man habe nicht gewusst, wem der Keller gehörte. Zschäpe habe das mitbekommen und habe ein „Heidentheater“ gemacht. Der Maurer wiederum konnte sich an diesen Vorfall nicht erinnern - er hatte allerdings auch sonst einige Erinnerungslücken.

Den Terroristen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) wird eine Reihe größtenteils fremdenfeindlicher Anschläge zur Last gelegt, darunter zehn Morde. Beate Zschäpe ist als Mittäterin an allen Attentaten angeklagt.

Am Abend wurde der Prozess wegen Konzentrationsproblemen Zschäpes unterbrochen. Der Vorsitzende Richter hatte zunächst eine Verhandlungspause angeordnet und Zschäpe von einem Notarzt untersuchen lassen. Der habe „keine auffälligen Befunde“ festgestellt, sich aber auch nicht in der Lage gesehen, die Konzentrationsfähigkeit zu beurteilen, sagte der Richter anschließend. Auf die Feststellung von Zschäpes Verteidigung, dass sie der Verhandlung nicht mehr „mit der nötigen Konzentration“ folgen könne, unterbrach der Richter die Sitzung.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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