NSU-Prozess
Zeuge will mit Tatwaffe nichts zu tun haben

Die Bundesanwaltschaft wirft einem Zeugen vor, die wichtigste Mordwaffe des NSU-Trios nach Jena gebracht zu haben. Vor Gericht streitet der Mann das vehement ab. Den Prozess bereichert er nur um ein paar wirre Aussagen.
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MünchenIm Münchner NSU-Prozess hat die Vernehmung eines Zeugen aus der mutmaßlichen Unterstützerszene ein weiteres Mal nur wenig Aufschluss gebracht. Der Mann stritt am Dienstag vehement ab, mit der Beschaffung der Pistole vom Typ „Ceska“ etwas zu tun zu haben. Genau das vermutet aber die Bundesanwaltschaft.

Die „Ceska“ spielt im Verfahren gegen den „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) mit der Hauptangeklagten Beate Zschäpe eine zentrale Rolle, weil neun der zehn Morde, die der Terrorgruppe zugeschrieben werden, mit ihr begangen wurden.

Belastet hatte den Zeugen der Betreiber eines rechtsradikalen Szeneladens in Jena. Er will die Pistole bei ihm bestellt und von ihm in Empfang genommen habe. Der Zeuge räumte ein, den Geschäftsmann zu kennen, will aber nie mit ihm über die Waffe gesprochen haben. „Das war kein Gesprächsthema.“

Nachfragen von Richter und Nebenklägern erbrachten bisweilen bizarre Antworten. Auf die Frage, ob er Leute mit Waffen kenne, antwortete der Zeuge: Er kenne viele Leute, die Messer besäßen, „in der Küche, 15 Stück, ist doch Wahnsinn“.

Dass auf einer seiner Computerfestplatten Nazi-Musik und Anleitungen zur Sprengstoffherstellung gefunden wurden, erklärte der Mann so: Er habe für Bekannte Daten gesichert und vergessen, diese von seiner eigenen Platte zu löschen. Zum Fund einer Sturmhaube in seinem Auto meinte er, die benutze er manchmal zum Fahrradfahren, „das sieht schon verschärft aus“.

Der Zeuge bestritt außerdem, die Angeklagten oder Personen aus ihrem näheren Umfeld zu kennen. Auch die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos habe er nie bewusst erlebt. Lediglich einen Mann aus der Szene habe er kennengelernt, mit dem er vorübergehend gemeinsam im Gefängnis saß. Seine politische Überzeugung beschrieb er so: „Ich bin links und rechts, wollen wir mal so sagen.“

Ein Foto, das ihn auf einer rechtsradikalen Demonstration zeigte, kommentierte er mit der Aussage, da sei er nur eine Stunde gewesen und dann zu einer linken Demo gegangen. Mit der T-Shirt-Parole „Nationaler Widerstand“ eines seiner Mitdemonstranten konfrontiert, sagte er: „Für mich ist das alles Spaß.“

Am Mittwoch geht das Verfahren mit der Vernehmung eines Polizeibeamten weiter, der nach dem Mord an einem Internetbetreiber im April 2006 in Kassel ermittelte. Diese Tat ist deshalb besonders rätselhaft, weil ein Beamter des Verfassungsschutzes zur Tatzeit in dem Café war.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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