NSU-Prozess
Zschäpe will Böhnhardt und Mundlos „nur mit Sekt“ ertragen haben

Waffen, Unterschlupf, gefälschte Papiere: Dass das Terror-Trio NSU Helfer hatte, galt als gesichert. Nun hat die Angeklagte Namen genannt. Sie selbst habe die Zeit beim NSU nur mit Alkohol ertragen, erklärte Zschäpe.

MünchenDie mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe hat in ihrer von einem ihrer Anwälte verlesenen neuen Erklärung mehrere Neonazis als Helfer genannt. So habe der Anführer der Chemnitzer „Blood & Honour“-Gruppe, Jan W., eine Waffe beschafft, hieß es am Donnerstag im NSU-Prozess in der Erklärung. Das habe ihr Uwe Böhnhardt erzählt. Dabei sei auch von einem Schalldämpfer die Rede gewesen. Darüber hinaus nannte sie die Namen weiterer Helfer, die das Trio bei sich versteckten, Wohnungen mieteten oder Papiere oder Krankenkassenkarten zur Verfügung stellten. Davon waren die meisten bereits bekannt und teilweise im Prozess als Zeugen gehört worden.

Ein besonders enges Verhältnis habe sie zu dem als Terrorhelfer angeklagten André E. und dessen Frau gehabt. Mit der Frau sei sie „befreundet“ gewesen und habe diese ab 2006 bis zum Auffliegen des NSU regelmäßig getroffen. Meist seien sie mit den Kindern der Familie E. auf einen Spielplatz gegangen.

Zschäpe gab an, sie habe sich in der Zeit mit Böhnhardt und Mondlos resigniert in den Alkohol geflüchtet. „Für mich waren die Tage nur mit dem Konsum von Sekt, den ich bei Aldi oder Penny kaufte, erträglich“, ließ die Angeklagte ihren Verteidiger Hermann Borchert erklären. In den Jahren bis zum Auffliegen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ sei sie regelmäßig angetrunken oder betrunken gewesen.

Bereits im Dezember hatte sie jede Mitwirkung an der Mordserie der Gruppe bestritten. Ihre Freunde Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hätten die Taten begangen und sie jeweils danach informiert, bekräftigte Zschäpe nun. Böhnhardt und Mundlos brachten sich bei ihrer Enttarnung im Jahr 2011 den Ermittlungen zufolge selbst um.

Zschäpe und vier mutmaßliche Helfer der Gruppe sind angeklagt, für die Ermordung von neun Männern griechischer und türkischer Abstammung und einer Polizistin sowie für zwei Anschläge und 15 Raubüberfälle mitverantwortlich zu sein. „Die Gewaltanwendungen, insbesondere die Mordtaten und Bombenanschläge, verurteile ich zutiefst“, bekräftige Zschäpe. Sie habe ihre beiden engen Freunde, mit denen sie zusammen untergetaucht war, jedoch nicht davon anhalten können. „Sie ließen sich von mir nicht beeinflussen. Sie ließen sich von mir auch nichts sagen.“ Sie hätten ihr nicht vertraut und befürchtet, sie werde bei einer Festnahme unter Druck alles verraten.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%