Nürburgring
Rheinland-Pfalz steigt aus

Landesvater Beck tritt auf die Bremse: Rheinland-Pfalz zieht sich aus der Betreibergesellschaft des Nürburgrings zurück. Damit setzt die Politik den vorläufigen Schlusspunkt hinter ein Drama aus Pleiten, Pech und Pannen.
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HB MAINZ. Das Land Rheinland-Pfalz zieht sich aus dem Betrieb der Rennstrecke Nürburgring zurück. „Die Geschäfte am Nürburgring werden grundlegend neu geordnet“, sagte Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) am Mittwoch in Mainz. Betrieb und Vermarktung der Rennstrecke soll künftig eine private Betriebsgesellschaft übernehmen, die je zur Hälfte im Besitz der Hotelgruppe Lindner und des Projektentwicklers Mediinvest sein wird.

Die landeseigene Nürburgring-Gesellschaft werde sich aus dem operativen Geschäft zurückziehen und sich auf die Verwaltung der Liegenschaft konzentrieren, sagte Beck. Geschäftsführer Walter Kafitz wird entlassen. Die Nürburgring-Gesellschaft hat in den vergangenen Jahren den Ausbau des Nürburgrings zu einem gewaltigen Geschäfts- und Freizeitzentrum vorangetrieben. Versuche, das Großprojekt überwiegend privat zu finanzieren, scheiterten.

Parallel dazu kletterten die Baukosten auf mehr als 300 Millionen Euro. Anfang Juli musste wegen des Skandals der rheinland-pfälzische Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) zurücktreten. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Beck betonte, die Investitionskosten von 300 Millionen Euro belasteten nicht den Landeshaushalt. Die Finanzierung übernehme die landeseigene Investitions- und Strukturbank. Die künftige Betriebsgesellschaft werde für die Nutzung eine Pacht zahlen, aus der die Investitionen finanziert werden könnten.

Der designierte Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft, Jörg Lindner, sagte, der Nürburgring biete einzigartige touristische Möglichkeiten. Die Lindner-Gruppe sei es gewohnt, komplexe Unternehmen in einem touristischen Umfeld zu führen und Events zu vermarkten. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Nürburgring-Gesellschaft, Ernst Schwanhold, kündigte an, das Land werde die teils erheblichen Kostensteigerungen beim Bau des Geschäfts- und Freizeitzentrums nicht hinnehmen.

„Wer seinem Auftrag nicht gerecht geworden ist, muss sich seiner Verantwortung stellen“, sagte Schwanhold. Das Land werde Regressansprüche „unmissverständlich vorantreiben“. Noch keine Entscheidung ist darüber gefallen, ob am Nürburgring künftig noch Formel-1-Rennen stattfinden werden. Beck sagte, die aktuellen Verträge mit der Formel 1 liefen noch bis 2011. Danach müsse neu verhandelt werden: „Es gibt keine Entscheidung um jeden Preis.“

Der rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende Christian Baldauf bezeichnete das Vorgehen der Landesregierung als wenig überzeugend: „Die Zweifel an der Tragfähigkeit des Projektes können mit den angekündigten Maßnahmen nicht aus der Welt geräumt werden.“ Auch sei bislang nicht ersichtlich, ob die Gesellschafter der neuen Betreibergesellschaft irgendein substanzielles Risiko trügen.

Regierungschef Beck verteidigte erneut die Entscheidung zum Ausbau des Nürburgrings. Durch das neue Geschäfts- und Freizeitzentrum steige die Bruttowertschöpfung in der strukturschwachen Eifel um 53 Millionen Euro pro Jahr. Zudem würden 1.160 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.

Kommentare zu " Nürburgring: Rheinland-Pfalz steigt aus"

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  • Es lebe hoch der Schönredner, Versager und Feigling beck, weil er es immer wieder schafft seine eigne Unfähigkeit anderen anzulasten oder Dumme zu finden.

  • Regierungschef beck verteidigte erneut die Entscheidung zum Ausbau des Nürburgrings. Durch das neue Geschäfts- und Freizeitzentrum steige die bruttowertschöpfung in der strukturschwachen Eifel um 53 Millionen Euro pro Jahr.(Auf dem Wunschzettel!!!) Zudem würden 1.160 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.(Fast ausschließlich 400,00 Euro Jobs, die betonung liegt hier auf Jobs, da man von einer geregelten Arbeitsstelle nicht ausgehen kann.

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