Nur bedingt Wettbewerb durch neue Anbieter
Kartellamtschef warnt vor nationalen Champions

Bundeskartellamtspräsident Ulf Böge bewertet die Aktivitäten der großen Energiekonzerne, über Billigmarken das Preisgefüge bei Strom und Gas aufzubrechen, mit großer Zurückhaltung.

BERLIN. Bundeskartellamtspräsident Ulf Böge bewertet die Aktivitäten der großen Energiekonzerne, über Billigmarken das Preisgefüge bei Strom und Gas aufzubrechen, mit großer Zurückhaltung. „Offensichtlich fragen sich die Großen, was sie in den vergangenen Jahren falsch gemacht haben. Das ist an sich schon zu begrüßen. Allerdings entsteht durch diese neuen konzerneigenen Anbieter nur bedingt Wettbewerb“, sagte Böge dem Handelsblatt. Die neuen Gesellschaften unterböten lediglich Standardtarife, die zum Teil sehr überzogen seien. „Die Kunden sollen sich nicht blenden lassen. Unternehmen mit marktbeherrschender Stellung haben keinen Grund, etwas zu verschenken“, sagte Böge.

Eon bietet seit kurzem über eine neue Billig-Tochter Strom und Gas an. RWE arbeitet an einem ähnlichen Konzept. EnBW betreibt mit Yello bereits seit Jahren einen Billiganbieter im Strombereich. Das Unternehmen prüft ähnliche Aktivitäten im Gassektor.

Böge kritisierte Bestrebungen der Politik, die Entstehung nationaler Champions zu fördern. „Nationale Champions erhalten Marktmacht, mit der sie mittelständische Unternehmen vernichten und damit den Wettbewerb empfindlich stören können“, sagte Böge.

Der Kartellamtspräsident verteidigte außerdem die Pläne zur Verschärfung der Preismissbrauchsaufsicht im Energiebereich.

Das vollständige Interview mit Ulf Böge lesen Sie in der Mittwoch-Ausgabe des Handelsblatt.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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