Nur darüber reden wollen sie nicht – auch aus Angst vor politischem Druck
Deutsche Firmen machen gute Geschäfte im Iran

Trotz der politischen Turbulenzen um das Atomprogramm läuft das deutsche Geschäft mit Iran glänzend. Michael Tockuss, Chef der deutschen Handelskammer in Teheran, ist in Hochstimmung: Das Handelsvolumen sei 2004 um mehr als ein Drittel gestiegen. Deutsche Waren im Wert von 3,57 Mrd. Euro, hauptsächlich Maschinen und Industrieanlagen, seien nach Iran gegangen.

HB TEHERAN/BERLIN.Das bevölkerungsreichstes Land des Mittleren Ostens und der zweitgrößte Ölförderer der Opec ist längst der wichtigste Handelspartner Deutschlands in der Region. „Wir erwarten auch 2005 Zuwächse von bis zu 20 Prozent“, sagt Tockuss.

Nicht nur beim Handel, auch beim Aufbau eigener Produktion können sich deutsche Firmen sehen lassen. Die bei der iranischen Organisation für Investitionen, wirtschaftliche und technische Assistenz (OIETAI) registrierten Investitionen in Joint Venture mit deutscher Beteiligung belaufen sich von 1993 bis etwa Mitte 2004 auf fast 900 Mill. Dollar. Bei einer Gesamtsumme von über sieben Mrd. Dollar entfallen damit gut 12 Prozent auf Deutschland.

Neben Größen wie Henkel, Daimler-Chrysler oder Osram finden sich auf der OIETAI-Liste auch die ZF Friedrichshafen AG, die an der Produktion von LKW-Getrieben beteiligt ist oder den Schreibwarenhersteller Staedtler. Wie leistungsfähig manche industriellen Anlagen im Iran bereits sind, zeigt nach Ansicht westlicher Beobachter in Teheran auch die Firma IDEM in Tabriz: Unter der Lizenz von Daimler-Chrysler baut das Unternehmen Motoren für schwere LKW und Busse des Autokonzerns.

Doch obwohl sich das Engagement der deutschen Firmen auch an den amerikanischen Sanktions-Vorschriften orientiert, die keine Investitionen über 20 Mill. Dollar im Land zulassen, will sich in Teheran kein großes deutsches Unternehmen über die Geschäfte äußern, noch nicht einmal anonym. Nicht nur die Sorge vor politischem Druck macht den Firmen Sorge: „Wenn die Kapitalmärkte registrieren, dass wir viel Geschäftsvolumen in einem politisch so riskanten Land haben, könnte sich das negativ auf den Aktienkurs auswirken“, sagt der Sprecher eines DAX-Unternehmens.

Die Vorsicht vieler deutscher Firmen bei ihrem Engagement versteht der iranische Wirtschafts- und Finanzminister Seyyed Safdar Hosseini nicht: „Nehmen sie zum Beispiel den französischen Ölkonzern Total. Trotz der Warnungen der USA investiert er viel in Iran und ignorieren diese Warnungen einfach“, sagt er. Binnen 20 Jahren, so sein Ziel, soll Iran wirtschaftlich die Nummer Eins der Region werden.

Dazu werden ausländische Investitionen benötigt. Experten schätzen, dass Iran jährlich 800 000 Jobs schaffen muss, um das aktuelle Beschäftigungsniveau mit einer offiziellen Arbeitslosenquote von zehn Prozent zu halten. Die Quote dürfte real noch viel höher liegen.

Für Investoren war es daher ein Schock, als sich 2004 das konservative Parlament in zwei Prestige-Projekte einmischte, die schon fertig verhandelt waren: Das erste private Mobilfunknetz und den Betrieb des neuen Flughafens in Teheran, beide mit der Beteiligung türkischer Firmen. Fast acht Jahre lang hatte das Regime zuvor alles richtig gemacht: Ein Investitionsschutzgesetz erlassen, Steuererleichterungen gewährt und private Banken zugelassen. „Im Parlament sitzt das Urgestein der Revolution“, sagt ein westlicher Manager in Teheran. Doch Sorgen über eine Verschlechterung des Investitionsklimas macht er sich nicht: Mit den Abgeordneten lasse sich reden. Immerhin: Der neue Flughafen soll Ende April endgültig öffnen. Welche Rolle das türkische Konsortium dabei spielen wird, ist noch unklar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%