Nur noch 60 Prozent finden einen Ausbildungsplatz
Lehrstellenmangel war 2003 so groß wie noch nie

Die Lehrstellen-Jahresbilanz der IG Metall fiel noch nie so schlecht aus wie 2003. Knapp 150 000 Lehrstellen sind im Vergleich zu 1992 weggefallen.

HB BERLIN. Dies geht aus einer Lehrstellen-Jahresbilanz der IG Metall hervor, die sich auf amtliche Daten von Bundesregierung und Arbeitsämtern stützt. So haben Wirtschaft und Verwaltungen den Jugendlichen im auslaufenden Jahr nur knapp 575 000 Ausbildungsplätze angeboten. 1992 - dem ersten gemeinsamen Bilanzjahr nach der deutschen Vereinigung - waren dies noch fast 722 000.

Waren 1992 noch über 70 Prozent eines Altersjahrganges in einer betrieblichen Ausbildung zu finden, sind es heute nur noch etwas mehr als 60 Prozent, listet die IG-Metall in ihrer Analyse auf. Das betriebliche System der Berufsausbildung habe in den vergangenen zehn Jahren deutlich „Marktanteile verloren“. Der seit Jahren festzustellende Rückgang könne „nicht allein mit der konjunkturellen Lage“ erklärt werden. Eindringlich warnt die IG Metall die Wirtschaft vor einem Ausstieg aus der dualen Berufsausbildung von Betrieb und Schule.

Stärkster Ausbildungsbereich war 2003 den Angaben zu Folge wiederum der Sektor Industrie und Handel mit 308 565 neuen Verträgen. Der Rückgang sei dort gegenüber dem Vorjahr mit 0,9 Prozent relativ moderat ausgefallen, heißt es weiter. Deutlich größere Rückgänge zeigten sich dagegen im Handwerk. Mit 168 257 Verträgen wurden dort 3,2 Prozent weniger Neuabschlüsse gezählt als 2002.

Das Minus bei den Freien Berufen beläuft sich auf 7,2 Prozent. Auch der öffentliche Dienst verzeichnete bei 13 800 Neuabschlüssen einen Rückgang von 6,9 Prozent. Allein die Landwirtschaft hat bei 15 010 Verträgen ein Plus von 7,3 Prozent zu verzeichnen.

Aus Sicht der IG Metall ist die Ausbildungsplatz-Offensive 2003 von Wirtschaft und Politik gescheitert. Das „Klinkenputzen“ für mehr Lehrstellen sei „ohne durchschlagenden Erfolg“ geblieben. Diese Form der Anwerbung von Ausbildungsplätzen sei „kein zukunftsfähiges Modell“, schreibt die Gewerkschaft weiter. Wer die berufliche Ausbildung „vor dem Verfall bewahren und zukunftsfest machen will“, müsse jetzt dafür sorgen, dass wieder mehr Betriebe Jugendliche ausbilden und die anderen Unternehmen ohne Lehrlinge sich an den Kosten beteiligen.

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