Obama-Berater
Volcker erneuert Kritik an Banken

Besorgt über Angriffe aus dem Kongress auf die US-Notenbank Fed hat sich ihr früherer Chef Paul Volcker geäußert. Sie hätten noch nicht verstanden, dass sich der Finanzsektor grundlegend ändern müsse.
  • 0

BERLIN. Am Rande einer Konferenz des Centers on Capitalism and Society in Berlin sagte er, die Forderungen danach, die regulatorischen Kompetenzen der Fed zu beschneiden oder gar völlig abzuschaffen, kämen zwar aus einer populistischen Ecke, seien aber durchaus ernst zu nehmen. Sollten sie sich wider Erwarten durchsetzen, nähme nicht nur das Vertrauen in staatliche Gestaltungsfähigkeit in Bezug auf die Finanzmärkte ab. Auch das Vertrauen in den Dollar könne Schaden nehmen.

In Bezug auf die geld- und fiskalpolitische Stützung der Wirtschaft ließ der Berater von US-Präsident Barack Obama durchblicken, dass er den Zeitpunkt für eine Kurswende noch nicht gekommen sieht. Es gebe derzeit keine ernsthafte Inflationsgefahr, während die Wirtschaft noch Unterstützung brauche.

Volcker wiederholte die harsche Kritik an den Banken, die er diese Woche in einer Rede geäußert hatte: Sie hätten noch nicht verstanden, dass sich der Finanzsektor grundlegend ändern müsse. Der Beitrag des "financial engineering" zur Steigerung der wirtschaftlichen Produktivität sei völlig überschätzt worden. Wenn der Finanzsektor in den USA zeitweilig 40 Prozent der gesamten Unternehmensgewinne in den USA vereinnahmt habe zeige das, wie schädlich diese Auswüchse tatsächlich seien.

Volcker unterstrich, dass er nach wie vor starker Befürworter der Europäischen Währungsunion sei. Probleme wie das der griechischen Staatsverschuldung ließen sich in den Griff bekommen. Er ließ eine gewisse Skepsis bei der Frage erkennen, ob der Internationale Währungsfonds dabei eine Rolle spielen sollte.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

Kommentare zu " Obama-Berater: Volcker erneuert Kritik an Banken"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%