Obama-Besuch
Historische Symbolik im Überfluss

Viel Zeit für die „wunderschöne Stadt“ Dresden hatte Barack Obama nicht. Auch für einen amerikanischen Präsidenten gebe es Grenzen der Logistik, musste der recht angestrengt und müde wirkende Staatschef zugeben. Dennoch lieferte Obama politische und historische Symbolik im Überfluss.

DRESDEN. Wer gehofft hatte, zumindest einen kleinen Blick auf den amerikanischen Präsidenten erhaschen zu können, wurde enttäuscht. Alles war hermetisch abgeriegelt. Selbst die kurzen Wege in der weitgehend menschenleeren Innenstadt legte der hohe Gast im „Beast“ zurück, seiner riesigen schwarzen Panzerlimousine. Das Bad in der Menge oder ein kurzes Verweilen des Präsidenten am Portal der wiederaufgebauten Frauenkirche erschien den Sicherheitskräften wohl als zu gefährlich.

Die Dresdener hatten also bei kühlem Wetter umsonst an den Absperrgittern ausgeharrt. Zufriedener konnte dagegen die Bundeskanzlerin sein. Von Problemen zwischen Obama und ihr war in Dresden nichts zu spüren. Über eine Stunde lang hatten Angela Merkel und Kanzleramtsminister Thomas de Maizière mit Obama und seinem Stabschef Rahm Emanuel die wichtigsten internationalen Fragen von Nahost, Iran, über Weltwirtschaftskrise bis zum Klimawandel erörtert. In der anschließenden Pressekonferenz im Innenhof des barocken Dresdener Stadtschlosses lobte Merkel vor allem die „bedeutende Rede“, die Obama am Vortag in Kairo als Dialogangebot an die islamische Welt gehalten hatte.

Obama stellte seine Reise nach Europa in den Zusammenhang mit seinem Aufenthalt im Nahen Osten. Der verbindende Gedanke ist die „Durchbrechung des gegenseitigen Hasses“ zwischen Israel und den arabischen Ländern, wie er in Kairo gefordert hatte. Jetzt sei er nach Europa gekommen, um an den Gedenkfeiern zum 65. Jahrestag der Landung der Alliierten an der Normandieküste teilzunehmen, sagte der Präsident in Dresden. Damit wolle er den Einsatz der Soldaten und der Veteranen würdigen. „Die Landung der Alliierten war aber auch der Anfang vom Ende des 2. Weltkriegs“, betonte Obama. „Aus dieser Tragödie ist am Ende ein vereintes Europa entstanden mit Israel und Deutschland als engen Partnern. Das zeigt: Es gibt die Möglichkeit zur Versöhnung.“

Obama war bemüht, Gerüchte über ein distanziertes Verhältnis zwischen ihm und Merkel im Keim zu ersticken. „Deutschland ist ein enger Freund und ein entscheidender Partner der USA“, lobte der Präsident seine Gastgeberin. „Das Verhältnis zwischen beiden Ländern und beiden Regierungen ist außerordentlich gut.“ Er verstehe sich gut mit Merkel und „ich freue mich auch, dass wir eine Lösung bei Opel gefunden haben, obwohl es keine leichte Sache ist, große Automobilkonzerne zu stabilisieren.“ Gefragt, warum er sein Programm in Deutschland denn immer weiter verkürzt habe, ließ Obama, der nach den Reisestrapazen recht angestrengt und müde wirkte, seinen Charme spielen. Auch für einen amerikanischen Präsidenten gebe es Grenzen der Logistik, meinte er lächelnd mit Blick auf Angela Merkel. „Außerdem hat man ja nur 24 Stunden am Tag, und es gibt so viel zu erledigen.“

Die gute Laune wich jedoch aus den Gesichtern, als nach Gunatanamo gefragt wurde. Die bisherige Weigerung Deutschlands, nach der angekündigten Schließung des völkerrechtswidrigen Lagers einige Gefangene aufzunehmen, hatte für Stirnrunzeln in Washington gesorgt. Jetzt sagte Obama nur, man habe nicht um feste Zusagen gebeten „und die Bundeskanzlerin hat auch keine gegeben“. Die Frage der Gefangenenfreilassung sei „komplex und wird sicher noch zwei bis drei Monate dauern.“

Als politischen Punktgewinn konnte Merkel dagegen die Ankündigung Obamas werten, die USA würden zum Kopenhagener Weltklimagipfel mit „konkreten Reduktionszielen“ anreisen. Nachdem Amerika beim Klimaschutz „lange Jahre hinter Europa lag“, sei er „optimistisch, dass wir jetzt eine Führungsrolle einnehmen werden“, versprach Obama. Es müsse zwar noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, aber beim Klimawandel wolle man mehr vorweisen als nur vage Ziele.

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