Obamas Wahlkampfberater bei der SPD
Messinas Trickkiste

Mit Wahlen kennt sich Jim Messina aus. 2012 war er der Kopf von Obamas Kampagne. Jetzt erklärt er SPD-Politikern seine Strategie. Und er macht ihnen Mut: Vergesst die Meinungsumfragen, sie sind nichts wert.

BerlinHier im Gasometer in Berlin-Schöneberg, wo sonst Günther Jauch mit seinen Gästen plaudert, öffnet Jim Messina am Samstagnachmittag seine Trickkiste. Messina, geboren 1969 in Denver, Colorado, gilt als Social-Media-Experte. Er weiß, wo man politikmüde Wähler abholt, wie man dazu Smartphone und Computer einsetzt, mit Facebook, Twitter und Instagram spielt.

Seine zentrale Botschaft an alle SPD-Wahlkämpfer: Beackert euer persönliches Umfeld, lasst dabei niemals locker und nutzt dazu die Möglichkeiten des Internets. Entscheidend sei es, dass Wahlkämpfer ihre Freunde und ihre Familie überzeugten, dabei dürfe man „bis an die Grenze des Stalkings gehen“, sagt er lächelnd.

Routiniert spult er ein paar beeindruckende Fakten ab: 90 Prozent der Obama-Wähler habe man über Facebook kontaktiert. Man habe auf eine Liste mit 28 Millionen E-Mail-Adressen zurückgreifen können. Die Mails, die man versandt habe, seien von einer Gruppe von 500 bis 1000 Menschen in vielen Versionen getestet worden, ehe man sie an den ganz großen Verteiler gegeben habe. Zugleich räumt Messina aber ein: „Die Technik ist nur ein Werkzeug.“

Ob Messinas Tricks in Deutschland überhaupt funktionieren können, ist fraglich. Bei der Beschaffung von Kontaktdaten gelten in den USA sehr laxe Regeln. Und Politik und Social Media haben zwischen Flensburg und Garmisch noch nicht so recht zueinander gefunden. Während Barack Obama bei Facebook 45 Millionen Fans hat, sind es bei Angela Merkel 1,3 Millionen, bei SPD-Chef Sigmar Gabriel weniger als 40 000. Obama hat mehr als 50 Millionen Twitter-Follower, Gabriel knapp 50 000. Merkel ist dort gar nicht vertreten.

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