Oberbürgermeister-Amt
Schramma stürzt Kölner CDU in Dilemma

Nach dem überraschenden Verzicht des Kölner Oberbürgermeisters Fritz Schramma auf eine erneute Kandidatur als Stadtoberhaupt sucht die CDU fieberhaft nach einem Ersatz. Zwei prominente Persönlichkeiten gaben den Christdemokraten bereits einen Korb.

HB KÖLN. „Wir wollen keinen Schnellschuss, sondern werden das sehr sorgfältig ausdiskutieren“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion, Karl Jörg Klipper, am Montag der Nachrichtenagentur AP. Mit einer Entscheidung sei in den nächsten Tagen zu rechnen. Zwei mögliche Nachfolge-Kandidaten erteilten der Kölner CDU bereits eine Absage.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach und Konrad Adenauer, Enkel des früheren Bundeskanzlers, hatten wenige Stunden nach dem Rückzug Schrammas erklärt, am 30. August nicht um den Posten des Kölner Oberbürgermeisters ins Rennen gehen zu wollen. Die Kandidatur wäre „zweifellos eine reizvolle Aufgabe“, sagte Bosbach der „Kölnischen Rundschau“ zufolge. Aber er könne nicht im Rheinisch-Bergischen Kreis für den Bundestag kandidieren und sich gleichzeitig um das Amt des Oberbürgermeisters von Köln bewerben.

Zu möglichen anderen Nachfolgern für Schramma wollte sich die Kölner CDU am Montag nicht äußern. „Namen werden wir keine nennen“, erklärte Klipper. Das Amt des Kölner Oberbürgermeisters sei eine große Herausforderung und ein großer Eingriff in die Lebensplanung, sagte Klipper. Potenzielle Nachfolge-Kandidaten müssten daher die Möglichkeit haben, in Ruhe über diese Frage nachzudenken. Am späten Dienstagnachmittag wollten Fraktion und Parteivorsitzende zu weiteren Gesprächen zusammenkommen.

Knapp einen Monat nach dem Einsturz des Historischen Stadtarchivs hatte Schramma am Sonntag erklärt, er ziehe seine Kandidatur für die Kommunalwahlen wegen der wachsenden Kritik an seinem Krisenmanagement zurück. Der 61-jährige CDU-Politiker sagte, er sehe in diesem Schritt die einzige Möglichkeit, das Unglück aus dem Wahlkampf herauszuhalten. Parteifreunde äußerten Bedauern; die nordrhein-westfälische SPD-Vorsitzende Hannelore Kraft sprach dagegen von einem „überfälligen Schritt“.

Bis Mitte Juli muss der neue Oberbürgermeisterkandidat der Kölner CDU offiziell feststehen. Der Vorsitzende der Kölner CDU, Jürgen Hollstein, zeigte sich zuversichtlich schon bald einen Nachfolger Schrammas präsentieren zu können. Dieser muss sich allerdings auf einen harten Wahlkampf einstellen. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Omniquest für den „Kölner Stadt-Anzeiger“ und den „Express“ ergab, dass fünf Monate vor der Kommunalwahl SPD und Grüne in Köln mit klarer Mehrheit vorn liegen. Danach kommen die Sozialdemokraten auf 35,1 Prozent der Stimmen, die Grünen auf 19,6 Prozent. Für die CDU votieren 26,1 Prozent der Befragten, für die FDP 10,6 Prozent. Die Befragung fand vor Schrammas Ankündigung statt, nicht mehr anzutreten. Der ehemalige Kölner Polizei- und Regierungspräsident Jürgen Roters (SPD), der für SPD und Grüne antritt, vereinte 50 Prozent der Stimmen auf sich.

Klipper räumte ein, dass die CDU in Köln in einer schwierigen Lage sei. Die derzeitigen Probleme seien jedoch auch eine Chance auf einen Neubeginn. „Und darauf setzen wir jetzt“, betonte er.

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