OECD-Bildungsbericht
Deutschland fällt bei Bildung zurück

Im Krisenjahr 2009 mahnt die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) erst recht: Deutschland bildet zu wenig Akademiker aus und fällt damit im internationalen Vergleich Schritt für Schritt hinter andere Nationen zurück, die wesentlich mehr in die Hochschulbildung investieren. Die Vision vom lebenslangen Lernen erweist sich als Illusion.

BERLIN. Die zaghafte Verteidigungsrede der nationalen Matadore lautet: Die OECD übersieht wie gewöhnlich "das Flaggschiff" der deutschen Bildung, die vielen gut ausgebildeten Facharbeiter.

Doch Barbara Ischinger, Bildungsdirektorin der OECD, lässt sich davon nicht beeindrucken: "Wenn Deutschland gestärkt aus dieser Wirtschaftskrise hervorgehen will, dann ist jetzt der Zeitpunkt, in Bildung und höhere Qualifikation zu investieren", sagte sie bei der Präsentation des diesjährigen Bildungsvergleichs in den 30 OECD-Ländern. Der Zeitpunkt sei günstig: Solange Jobs krisenbedingt rarer sind als in den Boomjahren und die Einkommen niedrig, könne man junge Menschen umso leichter überzeugen, Zeit und Geld in ein Studium zu investieren.

Ischinger lobte zwar auch Fortschritte, die die "Bildungsrepublik Deutschland" vorweisen kann: Mittlerweile schließen immerhin 23 Prozent eines Jahrgangs ein Hoch- oder Fachhochschulstudium ab - Mitte der neunziger Jahre waren es nur 14 Prozent. Doch das "Aber" folgte sogleich: OECD-weit ist die Quote in derselben Zeit von 18 auf 36 Prozent gestiegen.

Deutliche Folge der Akademikerknappheit made in Germany sind aus Sicht der OECD die gestiegenen Einkommensvorteile der Akademiker gegenüber den Facharbeitern. Der Abstand habe sich innerhalb weniger Jahre verdoppelt. Hinzu komme das deutlich geringere Risiko von Akademikern, arbeitslos zu werden.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hingegen verweist auf die 84 Prozent der Deutschen, die mindestens die Hochschulreife erworben oder eine Berufsausbildung absolviert haben - im OECD-Schnitt sind es nur 70 Prozent. Das sei einer der Gründe, "warum Deutschland nach wie vor so gut dasteht", sagte sie. Doch Bildungsdirektorin Ischinger setzt einen anderen Akzent: "Künftig werden im Berufsleben zunehmend allgemeine Kompetenzen wie Flexibilität und Kreativität wichtig sein - die spezialisierte Ausbildung stößt an ihre Grenzen."

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