OECD-Vergleich
Aufstieg durch Bildung bleibt schwer

Die gute Nachricht: Junge Menschen haben in Deutschland bessere Chancen, einen Job zu bekommen als anderswo. Die schlechte Botschaft: In Nachbarstaaten ist es einfacher, durch Bildung den sozialen Aufstieg zu schaffen.
  • 27

BerlinEin sozialer Aufstieg mit besserer Bildung ist in Deutschland nach wie vor schwer. Laut dem jüngsten OECD-Bildungsbericht erreichen 22 Prozent der jungen Menschen in der Bundesrepublik nicht das Bildungsniveau ihrer Eltern. Nur 20 Prozent der Jüngeren schaffen einen höheren Bildungsabschluss, als ihn Vater oder Mutter besitzen. Im Schnitt der anderen wichtigen Industrienationen sind dies dagegen 37 Prozent. Bei den Vergleichskandidaten fallen auch nur 13 Prozent unter das Bildungsniveau ihrer Eltern zurück.

Besonders Großbritannien, Frankreich, aber auch Italien und Polen verzeichnen im weltweiten Vergleich hohe „Bildungs-Aufsteigerraten“. Beim Gesamt-Bildungsniveau wird Deutschland aus Sicht der Autoren gegenüber anderen Industriestaaten in den nächsten Jahren weiter zurückfallen. Der jährliche Bildungsbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wurde am Dienstag in Berlin vorgestellt.

Während der Süden Europas - vor allem Spanien - derzeit eine hohe Jugendarbeitslosigkeit verzeichnet, ist in Deutschland die Ausbildungs- und Beschäftigungssituation für Jüngere in den Krisenjahren weitgehend stabil geblieben. Der Anteil unter den 15- bis 29-Jährigen, die in der Bundesrepublik ihre Schule bereits verlassen haben und sich weder in Beschäftigung noch in einer Weiterbildungsmaßnahme befinden, liegt mit 12 Prozent deutlich unter dem OECD-Schnitt von 15,8 Prozent. Die absolute Zahl dieser sogenannten jungen Bildungsverlierer zwischen 15 und 29 beläuft sich in Deutschland auf knapp 1,7 Millionen.

Bei der Steigerung der Studentenzahl bescheinigt die OECD Deutschland „moderate Fortschritte“. So würden nach jüngsten Schätzungen voraussichtlich 42 Prozent aller jungen Menschen im Verlauf ihres Lebens ein Studium an einer Universität oder Fachhochschule aufnehmen. 1995 waren dies erst 26 Prozent. Die Zahl der erfolgreichen Hochschulabsolventen stieg in Deutschland im gleichen Zeitraum von 14 auf 30 Prozent eines Altersjahrganges.

Kommentare zu " OECD-Vergleich: Aufstieg durch Bildung bleibt schwer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Sarina

    der Arbeitsmarkt wird übrigens immer globaler. Und man wird nachher den Absolventen den Vorzug geben, die als besser ausgebildet sind. Nach der internationalen Bildungsstatistik werden das nie die beruflich Qualifizierten sein, sondern jene mit Studium.

    in den internationalen Firmen in der Schweiz sind Schweizer in höheren Positionen unterrepräsentiert, weil Beruflich Ausgebildete nicht akzeptiert werden. Langfristig haben die Schweizer dadurch Nachteile - ihre Bürger stellen die schlechter bezahlten Jobs mit weniger Mitsprachemöglichkeit und weniger Anspruch.

    der Arbeitsmarkt wird globaler werden und jedermann, der dann anderswo arbeiten will, sollte den Beruf entsprechend auf dem üblichen Niveau gelernt haben. Eine Krankenschwester aus DE kann in vielen Ländern schon jetzt nur als Hilfsschwester anfangen, obwohl ihre Ausbildung ebenfalls 3 Jahre gedauert hat und sie oft ein Abitur hat.

    in anderen Ländern muss sie immer nachträglich noch studieren bis zu 2 Jahre, um Nurse zu sein trotz gleicher Ausbildungszeit.

    andere Länder wie Schweden haben sie bisher ! akzeptiert und die Ausbildung für äquivalent zum schwedischen Bachelor gehalten wg. der Dauer von 3 Jahren. Durch den EQR wird sich das künftig ändern, da die deutsche Schwester in der niedrigen Stufe 4 landet, alle anderen in der Stufe 6. Dann wird die evtl. auch in Schweden nicht mehr akzeptiert werden und noch studieren müssen. Ist ja niedrig eingeordnet worden, kann folglich nicht so gut sein, wenn Hauptschule reicht.

    weltweit ist das ein Studium, immer öfter nur noch Bachelor. Hilfsschwestern kommen anderswo mit Kurzstudium in Stufe 5 EQR, die deutsche Schwester gerade mal in Stufe 4. Auf eine Stufe mit Schulabschluss anderswo.

    das zieht sich durch alle Berufe so weiter durch. Deshalb schon werde ich niemanden zu einer Ausbildung in DE raten, da dequalifiziert man sich geradezu - man lernt 3-3,5 Jahre und wird eingruppiert wie im Ausland ein Crashkurs von einem Jahr.

  • @Sarina

    sämtliche Ausbildungen in DE werden immer an das niedrigste Bildungsniveau angepasst, obwohl viele Deutsche vorher einen höheren Schulagbschluss erwarben. So gibt man offiziell Hauptschulniveau vor, selbst dann, wenn Berufe anspruchsvoller sein könnten.

    so gesehen lernen die anderen auf Abiturniveau und dem Niveau langer Schulbildung und DE immer nur auf Hauptschulniveau und dem Niveau von 9 Jahren Schulbildung.

    als jemand, der in DE 2 Ausbildungen absolviert hat, bevor er studiert hat, kann ich nur bestätigen, dass das Niveau vieler Ausbildungen in DE sehr niedrig ist, sogar niedriger als das vergleichbarer Studiengänge im Ausland.

    Das fängt mit zu wenig Theorie an, hört bei mangelnder Qualitätskontrolle in der Praxis auf. Was man da lernt, kann extrem in der Qualität variieren. In manchen Ausbildungen lernt man kaum was, sondern sitzt nur blöd rum, in anderen auch mal was falsches, weil niemand die Unterrichtenden kontrolliert und es kaum Praxisanleitung gibt.

    ich halte die Qualität in DE für niedrig in vielen Bereichen. Oft sogar mit Absicht niedrig gemacht. Abiturienten die eine Ausbildung machen lachen oft darüber, wie einfach das gemacht wird und sehen zu, dass sie danach noch studieren.

    als Abiturient ist jede Ausbildung Verschwendung. Dann degradiert man sich wieder zum Hauptschüler.

    wieso passen wir eigentlich alles an eine sterbende Schulform theoretisch Unbegabter an in DE?

    man könnte meinen, ein Großteil der Einheimischen wären theoretisch unbegabt, wenn man das so macht.

    leider ist das Kerngedanke dahinter -- das Niveau absichtlich nach unten manipulieren, weil man Großteile der eigenen Bevölkerung für total verblödet hält.


    für die wenigen Kinder in meiner Verwandtschaft (DE hat ja immer weniger) kommt nur ein Studium in Frage und vor einer Ausbildung kann ich nur jedem abraten: keine oder kaum Aufstiegsmöglichkeiten und wenn, dann mit hohem zeitlichen Aufwand.

    Das andere ist der Weg nach oben weltweit.

  • @Sarina -- und die Qualität der entsprechenden Studiengänge im Ausland ist oftmals auch noch besser als hier.

    in den Krankenhäusern in DE werden Krankenschwestern oft ohne Praxisanleiterinnen ausgebildet -- was die also wirklich unter Anleitung lernen, steht in den Sternen. Denn es findet ja oft keine Anleitung statt.

    eingesetzt werden die als volle mitarbeitende Arbeitskräfte -- zum Lernen ist da oft nicht genug Zeit

    nur Anschauungspädagogik ist ganz schön unprofessionell.

    und natürlich ist Pflege weltweit ein Studium, denn Pflegewissenschaften gibt es im Ausland schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts -- wo findet also die Weiterentwicklung dieser Disziplin vor allem statt?

    Na im Ausland, z.B. in Dänemark wo man mit wissenschaftlich begleiteten Konzepten arbeitet.

    was hat DE zu bieten?? Eingangsniveau Pflege sollen hier 9 Jahre Schulbildung auf zweifelhalftem Niveau Hauptschule sein, Alter wäre dann 15.

    eine 15jährige soll also auf Intensivmedizin arbeiten, krebskranke Patienten betreuen, erkennen, ob evtl. Nebenwirkungen von Medikamenten oder Begleiterkrankungen auftreten, Patienten intubieren und auf hohem Niveau im pupertären Alter OP-Nachsorge und Infektionsschutz betreiben.

    wir sind nicht mehr in den 1950er Jahren -- das ist alles etwas technischer geworden und verlangt eine gewisse REIFE - aus diesem Grunde nehmen Pflegeschulen entgegen der "Idee" der Politik statt Hauptschüler Abiturienten und statt jenen mit nur kurzer Schulbildung in der Pupertät eben Erwachsene.

    da passt wohl das Bildungssystem nicht mehr zur Realität.

    bevor man also pauschal behauptet, die Qualität wäre hier gut, sollte man sich lieber die Praxis ansehen. Die Niederlande hat kaum Probleme mit Krankenhausinfektionen - DE schon -- vielleicht Ausbildungsmängel???

    ich hab da selber gelernt und bin erschrocken gewesen, was da teilweise ablief.

    ich würde keine Ausbildung in DE empfehlen - in Dänemark kann man selben Beruf auf hohem Niveau mit Hintergrundwissen studieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%