Öffentliche Finanzen
Die vielen Finger des Staates

Pro Einwohner gibt Deutschland 14 250 Euro pro Jahr aus. Egal ob mit direkten Leistungen oder mit Steuervergünstigungen – der Staat ist heute allgegenwärtig.  Die Zeche dafür zahlt die Mittelschicht.
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Düsseldorf„I love cash“, rappte 2008 der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück im Internet. Vom Besucher der Seite wahlweise mit Afro-Look, Baseball-Kappe oder Gangster-Tuch auszustatten, war „RapPeer” als groovender DJ zwischen Bikini-Mädchen vor zwei Plattentellern zu sehen. „Es macht keinen Sinn, wenn wir uns ins Koma sparen – I love cash“, schallte es durch das Web.
Steinbrück selbst soll laut gelacht haben, als er die Website zum ersten Mal sah, erinnert sich sein damaliger Sprecher. Das Ganze war eine Gratis-Beigabe der Werbeagentur des Finanzministeriums Artegic. Heute sind zwar nur noch Ausschnitte auf der Videoplattform Youtube zu finden. Doch nach Bankenkrise, Weltrezession und Euro-Rettung braucht Steinbrücks Nachfolger Wolfgang Schäuble „Cash“ dringender denn je.

Denn der Staat ist allgegenwärtig. Fast jeder zweite Euro, der in Deutschland erwirtschaftet wird, geht durch eine der vielen öffentlichen Hände. Volkswirte messen mit der Staatsquote, dem Anteil der Staatsausgaben am Bruttoinlandsprodukt, den Einfluss der öffentlichen Hand. In den sechziger Jahren stieg diese Quote von 33 auf 39 Prozent, Ende der 70er-Jahre lag sie bei 46,5 Prozent – und damit fast exakt auf dem Niveau von 2010. Allerdings hatte die Quote 1995 im Zuge der Finanzierung der Deutschen Einheit die 50-Prozent-Marke durchbrochen, um dann bis zum Ausbruch der Finanzkrise wieder auf 43,6 Prozent sinken.

Im Jahr 2010, dem ersten nach der großen Krise, gaben die verschiedenen staatlichen Ebenen unvorstellbare 1 164 Milliarden Euro aus und damit soviel wie nie zuvor. Pro Einwohner waren das 14 250 Euro. Umgerechnet auf eine vierköpfige Familie heißt das, dass diese Familie Monat für Monat für 4 750 Euro staatliche Leistungen bekommt.

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  • Jeltzin hatte Russland an den Rand des Zusammenbruchs gebracht, Kohl ebenfalls, die Deutschen verkommen zur lächerlichen lachnummer stehen da schauen nach oben und bekommen Zetarbeit, Schulden,gesellschaftliche auflösung als medizin. da sind andere Nationen anders.so einen Leiharbeiter zu belächeln so den schwachen treten das ist euer ding. hat euch aber nicht wirklich etwas gebracht. Wer stillhält geht vor den Pflug, man lacht wirklich über euch so unter der rubrik Gähnen ja ja wer hat das gesagt ein Deutscher, schlaf weiter unwichtig.Ho,HO,Hochimin

  • Der Artikel war zu optimistisch. Eigentlich ist die Berappung noch viel schlimmer. Man muß ins Detail gehen und den jeweils sehr komplizierter Fall der Abzocke (offensichtlich gewollte Verschleierung) zu beschreiben. Dafür reicht aber ein Artikel nicht, das wäre ein dickes Buch. Auch über die vermeintlichen "Wohltaten" des Staates wie die zynische Riester-Rente und sogenannte staatliche Prämien müsste man im Detail aufklären. Die Zeiten, als man den Staat als Vater-Staat bezeichnete sind definitiv verflogen. Selbst die Zyniker, Politiker und staatsgläubige Naive ersparen sich heute das Adjektiv, wenn sie nicht ausgelacht werden wollen. Und die Gleichberechtigung vor dem Fiskus und den Sozialkassen ? Die Gleichberechtigung bei den Leistungen? Eine Lachnummer nach der Anderen-!! Wenn es nicht so traurig wäre! Vorwärts zum ökologisch-existierendem Sozialismus!

  • bis zum 24. lebensjahr durften meine eltern alles für mich bezahlen; für die 170 DM, die ich dann endlich monatlich "verdiente", musste ich schriftlich erklären, sie auf heller und pfennig im falle einer verehelichung, schwangerschaft oder ähnlicher ungebührlichkeiten zurückzuzahlen....
    wie sich die zeiten in D doch geändert haben!

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