Öffentlicher Dienst
Arbeitgeber werten Streiks als Provokation

Busse und Bahnen sind heute das Hauptziel der Warnstreiks im öffentlichen Dienst - über das zu erwartende Chaos schimpfen die Bürger. Auch die Arbeitgeberseite äußert sich erbost über die Gewerkschaften.
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BerlinIm Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes wird der Ton immer schärfer. Der Verhandlungsführer der kommunalen Arbeitgeber, Thomas Böhle, wertet die Warnstreiks der Gewerkschaften als Provokation.

In der „Passauer Neuen Presse“ äußerte er den Verdacht, die Arbeitsniederlegungen seien von Anfang an geplant gewesen. „Jetzt hat die Gewerkschaft gerade einmal vier Stunden verhandelt, ruft aber schon eintägige Streiks aus. Das spricht für sich.“

Für den heutigen Mittwoch hat Verdi in Nordrhein-Westfalen mehrere zehntausend Beschäftigte der Kommunen und des Bundes zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Der Nahverkehr an Rhein und Ruhr soll weitgehend lahmgelegt werden. Zahlreiche Kindertagesstätten, Behörden und Bäder sollen geschlossen bleiben, der Müll nicht abgeholt werden. In vielen Krankenhäusern wird nur ein Notdienst angeboten. Aktionen sind auch in Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Brandenburg geplant.

Die Gewerkschaften fordern für die bundesweit zwei Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen eine Erhöhung der Einkommen um 6,5 Prozent, mindestens aber um 200 Euro. Seit Tagen beteiligen sich Beschäftigte bundesweit an Warnstreiks, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. Die Verhandlungen waren am 1. März nach dem Auftakt vertagt worden. Sie sollen am kommenden Montag und Dienstag in Potsdam weitergehen.

Böhle bezeichnete die Tarifforderung als „schlicht nicht bezahlbar“. Das ändere sich auch nicht, wenn über Streiks eskaliert werde. Das Paket aus einer Lohnerhöhung von 6,5 Prozent und einer Mindestzahlung von 200 Euro summiere sich auf rund sechs Milliarden Euro: „Unter dem Strich wäre das eine Erhöhung von acht Prozent - bis zu zwei bis drei Mal mehr als die bisherigen Tarifabschlüsse für 2012.“

Der Präsident der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände ließ offen, ob die Arbeitgeberseite bei der zweiten Verhandlungsrunde ein Angebot vorlegen will. Darüber werde zeitnah entschieden, sagte Böhle. Ziel sei es, bis zur dritten Verhandlungsrunde Ende März einen Abschluss zu erreichen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Es ist nicht die schuld der Gewerkschaft das die Arbeitgeber nicht gewillt sind in echte Verhandlungen einzutreten .
    In den letzten Jahren hat es sich eingebürgert das die Arbeitgeber zuerst Ihnen genehme Forderungen stellen ehe sie ein Angebot vorgelegen. Dies sind für mich keine Verhandlungen sondern ein Tarifdiktat.Und dies muß wieder geändert werden. Naja Feilchen muß eben gelernt werden

  • Ob es gerechtfertigt ist, für einen "Warnstreik" direkt einen ganzen Tag den öffendlichen Nahverkehr stillzulegen, mag mal dahingestellt sein.
    Allerdings fahren hier im Evag-Gebiet auch die Subunternehmer ihre Linien nicht, obwohl die Fahrer dort nicht bei VERDI, sondern bei der Gewerkschaft Transport und Verkehr organisiert sind.
    Diese Fahrer wurden gezwungen, heute einen Tag Urlaub zu nehmen.
    Für mich ist das eine Riesens......... das Busfahrer, die sowieso schon einen noch niedrigeren Lohn als ihre "Kollegen"im öffendlichen Dienst haben, Teile ihres Jahresurlaubs für VERDI opfern müssen, ohne selber was davon zu haben.
    P.S.
    Ich selber bin kein Busfahrer, sondern eine autolose Mutter, die heute morgen das Problem hatte ihre zwei Kinder zur Schule zu bekommen. Hiermit danke ich nochmals meinen Nachbarn.

  • Die AN dürfen nicht viel mehr Geld monatlich bekommen, aber
    die Abgeordneten in NRW genehmigen sich eine monatliche Er-
    höhung von 500,00 € und der Ex-Bundespräsident bekommt knapp
    200.000 € im Jahr plus Auto, Fahrer, Sekretärin und Büro.
    Eine Erzieherin hingegen bleibt bei rund 1.500 € im Monat
    und hat in der Regel noch studiert.

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