Öffentlicher Dienst
Beamte werden knapp

Der demografische Wandel macht sich bei Beamten und Tarifbeschäftigten in den Bundesbehörden bemerkbar: Sie werden immer älter. Die Gewerkschaft warnt deshalb vor Personalnot im öffentlichen Dienst.
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BerlinDass Finanzminister Wolfgang Schäuble im kommenden Jahr voraussichtlich die „schwarze Null“ im Bundeshaushalt schafft, hat auch mit Einsparungen im öffentlichen Dienst zu tun. Seit 1993 sind jedes Jahr beim Bund pauschal Stellen gestrichen worden – erst 2013 wurde auf die Einsparung verzichtet. Knapp 250.000 Beamte und Tarifbeschäftigte arbeiten heute noch in den Bundesbehörden – rund ein Drittel weniger als 1992.

Nicht viel besser sieht es in den Ländern und Kommunen aus. Schon heute fehlen an Deutschlands Schulen 20.000 Lehrer, vor allem in naturwissenschaftlichen Fächern, rechnet der Gewerkschaftsdachverband dbb Beamtenbund und Tarifunion vor. Auch bei der Sicherheit müssten die Bürger Abstriche machen, weil sich der Personalmangel bei der Polizei verschärfe. Die Hundertschaften verwendeten oft schon die Hälfte ihrer Dienstzeit auf den Schutz von Großveranstaltungen wie Fußballspielen oder Demonstrationen. In den Kommunen fehlen nach Rechnung des Gewerkschaftsdachverbands 142.000 öffentlich Beschäftigte, davon allein 120.000 Erzieherinnen und Erzieher.

Der Staat schneide sich mit dem Sparkurs selbst ins Fleisch, betont dbb-Chef Klaus Dauderstädt. Weil in Finanzämtern, bei der Steuerfahndung oder der Betriebsprüfung Stellen gekürzt wurden, gingen dem Fiskus jährlich Milliardenbeträge verloren. So würden von 8,5 Millionen Betrieben, die in den Karteien der Finanzämter stehen, jährlich nur knapp zwei Prozent überprüft. Ein Kleinstbetrieb muss statistisch nur alle Hundert Jahre mit einer Steuerprüfung rechnen. 

Die Stellenstreichungen haben aber auch zur Folge, dass der öffentliche Dienst heute keine „Demografiereserve“ mehr hat. Jeder vierte Staatsdiener ist heute 55 oder älter, in den kommenden 15 Jahren werden 1,5 Millionen der 4,6 Millionen öffentlich Beschäftigten altersbedingt ausscheiden.

Der dbb schlägt deshalb Alarm, weil der Staat als Arbeitgeber es heute im Wettstreit um qualifizierte Nachwuchskräfte mit der Privatwirtschaft zunehmend schwer hat. „Wenn ein privater Arbeitgeber merkt, dass er den begehrten Ingenieur, Arzt oder IT-Fachmann nicht bekommt, dann legt er im Zweifel noch einen Tausender drauf. Das kann die Kommunalverwaltung, die Sozialversicherung oder das Finanzamt nicht“, sagte Dauderstädt Handelsblatt Online.

Mit der Kampagne „Die Unverzichtbaren“ wirbt der dbb deshalb in Schulen und im Internet für eine Karriere im öffentlichen Dienst. Weil die finanziellen Spielräume angesichts leerer öffentlicher Kassen und der Schuldenbremse begrenzt seien, müssten vor allem die Arbeitsbedingungen und Berufsperspektiven im Staatsdienst verbessert werden, fordert Dauderstädt. Nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Gewerkschaft sind 73 Prozent der Beamten und 62 Prozent der Tarifbeschäftigten der Ansicht, dass die Aufstiegs- und Karrierechancen im öffentlichen Dienst schlechter sind als in der Privatwirtschaft. 

Dass der Staatsdienst wieder attraktiver werden muss, haben auch die Arbeitgeber aus Bund, Ländern und Kommunen erkannt. Seit zwei Jahren beraten sie mit den Gewerkschaften in einer Demografie-Arbeitsgruppe etwa über familienfreundlichere Arbeitszeitmodelle oder Gesundheitsprogramme, um ältere Beschäftigte länger im Dienst zu halten. Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag „eine demografievorsorgende Stellen- und Personalpolitik und „moderne, attraktive und familienfreundliche Arbeitsbedingungen“ im öffentlichen Dienst versprochen. „Das liest sich gut“, sagt Dauderstädt, „aber wir müssen diese Schlagworte auch mit Leben erfüllen.“

 

Kommentare zu " Öffentlicher Dienst: Beamte werden knapp"

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  • Mein Sie das ernst? Wenn Sie richtig vergleichen, dass die Gehälter der Beamten wesentlich höher als in der Privatwirtschaft.

  • Absolut richtig.

    Wir müssen den Beamtenapparat (im Grunde nichgts anderes als hoch bezahlte ARbeitslose) massiv verkleienern, wenn wir nicht finaziell daran kollabieren wollen.

  • Ja, Herr Ungläubig, waren sie - und erfreulicherweise wurde ihnen vor Gericht bis auf einen recht gegeben. Übrigens fällt mir dabei ein: Bezahlung nach Leistung wäre auch wichtig.

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