Deutschland

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Öffentlicher Dienst: Der Staat patzt bei der Integration

Die Kanzlerin macht sich beim Integrationsgipfel für die Beschäftigung von Migranten stark - doch ausgerechnet im öffentlichen Dienst sind Zuwanderer deutlich unterrepräsentiert.

Polizisten bei der Arbeit. Die OECD hat festgestellt, dass zu wenige Migranten in deutschen Ämtern arbeiten. Quelle: dpa
Polizisten bei der Arbeit. Die OECD hat festgestellt, dass zu wenige Migranten in deutschen Ämtern arbeiten. Quelle: dpa

BerlinDeutschlands Verwaltung hinkt in Sachen Integration peinlich hinterher: In kaum einem anderen Industriestaat sind die Nachkommen von Zuwanderern im öffentlichen Dienst so unterrepräsentiert wie hierzulande. Zu diesem wenig schmeichelhaften Ergebnis kam erst vor wenigen Monaten eine Studie der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Etwa 16 Millionen Menschen in Deutschland haben ausländische Wurzeln - das sind rund 20 Prozent der Gesamtbevölkerung. Etwa die Hälfte davon hat einen deutschen Pass. Aber wo sind die Migranten in Ämtern, auf Polizeiwachen oder in Lehrerzimmern? Schwer zu finden.

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Auch auf dem restlichen Arbeitsmarkt haben Menschen aus Zuwandererfamilien mitunter Probleme. Immer wieder sind Klagen zu hören, dass ein Bewerber allein wegen seines ausländischen Namens keine Chance bekomme. „Solche Erlebnisse müssen wir natürlich aufarbeiten“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Wochenende in ihrer jüngsten Video-Botschaft. „Wir müssen Betriebe ermuntern, voranzugehen.“ Vor allem braucht auch der Staat einen Anstoß, mehr Migranten einzustellen.

Gastbeitrag Deutschlands ungehobener Schatz

Bereits zum sechsten Mal lädt Merkel zum Integrationsgipfel. In Wahlkampfzeiten hat das Treffen vor allem Symbolcharakter. Dabei gäbe es beim Thema Zuwanderung für Deutschland aus ökonomischer Sicht viel zu gewinnen.

Gastbeitrag: Deutschlands ungehobener Schatz

Über all diese Fragen will Merkel am Dienstag in Berlin mit Vertretern von Bund, Ländern und Kommunen, Wirtschaft und Migrantenverbänden beraten - beim sechsten Integrationsgipfel der Bundesregierung. Der Schwerpunkt liegt diesmal auf dem Arbeitsleben. Schon im vergangenen Jahr beschäftigte sich die Runde neben vielen anderen Themen mit dem Mangel an Migranten in Polizei, Schulen und Behörden. Die Runde gab das Ziel aus, deren Anteil zu steigern. Die große Wende brachte das aber nicht.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland will nun nachhelfen. Einen Tag vor dem Integrationsgipfel präsentierte der Verband in Berlin einen Gesetzentwurf mit verschiedenen Vorschlägen - unter anderem, um mehr Migranten in deutsche Amtsstuben zu bringen. Gefordert wird keine starre Quote, sondern eine Verpflichtung für die Behörden, sich selbst bestimmte Ziele zu setzen. Der Verband will auch verschiedene gesetzliche Vorgaben, wie eine Lockerung des Beamtenrechts.

Es ist ungewöhnlich, dass eine Organisation einen eigenen Gesetzentwurf vorlegt. Es sei eben wichtig, ein Zeichen zu setzen und etwas Konkretes mit zum Integrationsgipfel zu bringen, sagte der Chef der Türkischen Gemeinde, Kenan Kolat, bei der Vorstellung der Pläne in Berlin. Sonst würden dort wieder nur Dinge angekündigt. Dem Integrationsgipfel haftet wie so vielen Treffen dieser Art der Vorwurf an, es gehe nur um Symbolpolitik.

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